Der Pons

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Author: Arvid Leyh

In der Mitte des Hirnstamms wölbt sich, deutlich erkennbar, ein dicker Wulst nach vorn: die Brücke, auf Lateinisch, der Pons. Er ist Namensgeber für diesen Abschnitt des Hirnstamms. Nach unten schließt sich die Medulla oblongata an, nach oben das Mittelhirn (Mesencephalon).

Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Hans-Dieter Hofmann, Prof. Dr. Andreas Vlachos

Veröffentlicht: 20.09.2025

Niveau: mittel

Kurz und knapp
  • Der Pons ist eine zentrale Umschaltstelle zwischen Großhirn und Kleinhirn.
  • Er spielt eine Schlüsselrolle bei der Steuerung von Bewegungen. 
  • Zugleich verlaufen hier zahlreiche auf- und absteigende Bahnen, die den Pons zu einem wichtigen Knotenpunkt im gesamten Nervensystem machen. 
  • Darüber hinaus ist er Teil des Netzwerks, das lebenswichtige vegetative Funktionen kontrolliert – insbesondere die Atmung sowie Herz und Kreislauf.

Medulla oblongata und Pons bilden gemeinsam den Boden des vierten Ventrikels, der Rautengrube. Den Boden? Nun, im Grunde handelt es sich um eine Wand – zumindest bei zweibeinigen Tieren, die aufrecht stehen. Darüber hinaus sind Medulla und Pons sich so ähnlich, dass einige Anatomen ihre Studenten auffordern, doch lieber vom Rautenhirn zu sprechen, dem Rhombencephalon. Zwar gehört zu diesem auch das Kleinhirn, doch betrachtet man die Entstehung des Embryos, ist die Einteilung trotzdem sinnvoll – alle drei entwickeln sich aus demselben Bläschen des Neuralrohres.

Mehr als eine Brücke

Der auffällige Wulst besteht vor allem aus einem breiten Band an Fasern. Frühere Anatomen hielten dieses für ein Brückenwerk, das die beiden Kleinhirnhemisphären direkt verbindet – daher der Name „Brücke“ (Pons Varolii), geprägt vom italienischen Anatomen Costanzo Varolio (1537–1575). Doch das erwies sich als falsch. Heute weiß man, dass es sich um corticopontine Fasern handelt: Bahnen aus der Großhirnrinde , dem Cortex, werden im Pons umgeschaltet und ziehen dann als pontocerebelläre Bahnen in die gegenüberliegende Kleinhirnhälfte weiter. 

Doch im Pons verbirgt sich noch weit mehr. So verläuft auf seiner Vorderseite mittig eine feine Furche, der Sulcus basilaris, in der die Basilararterie, eine der großen Hirnarterien, verläuft. Die beiden Erhebungen rechts und links lassen im Inneren den Verlauf der Pyramidenbahn erahnen. Sie verbinden den motorischen Cortex mit dem Rückenmark.

Um diese beiden Erhebungen herum liegen zahlreiche Kerne, die Nuclei pontis. Deren Aufgabe lässt sich vielleicht tatsächlich mit der einer Brücke vergleichen: Indem sie die oben angesprochenen cortipontinen Fasern umschalten und als pontocerebelläre Bahnen in die jeweils gegenüberliegende Kleinhirnhälfte senden, dienen sie motorischen Signalen als Brücke. Hier werden die willkürmotorischen Signale der Großhirnrinde als eine Art Kopie ins Kleinhirn weitergeleitet, das die Bewegung daraufhin feiner abstuft und präzisiert.  Im Vorderbereich des Pons dreht sich also fast alles um die Feinabstimmung der Motorik.

Cortex

Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex

Cortex bezeichnet eine Ansammlung von Neuronen, typischerweise in Form einer dünnen Oberfläche. Meist ist allerdings der Cortex cerebri gemeint, die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2

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Vegetative Aufgaben und Bewusstsein

Wie gesagt, der Pons ist eine Fortsetzung der Medulla oblongata. Beide stehen in enger funktioneller Verbindung und sind sich im Aufbau sehr verwandt. So setzt sich im Pons das Netzwerk der Formatio reticularis fort, das essenzielle vegetative Aufgaben erfüllt. Während die Medulla die grundlegenden vegetativen Funktionen wie Atemrhythmus, Herzschlag und Blutdruck steuert, enthält der Pons Zentren, die diese Prozesse fein abstimmen. So reguliert er etwa die Dauer der Ein- und Ausatmung und verbindet die Steuerung der Atmung mit anderen Hirnaktivitäten wie Schlaf oder Aufmerksamkeit.

Auch das aufsteigende retikuläre aktivierende System verläuft durch den Pons. Es leitet Signale zum Thalamus und von dort zur Großhirnrinde und sorgt so dafür, dass wir wach und aufmerksam bleiben. Ohne das retikuläre aktivierende System ist Bewusstsein nicht möglich. Wird es schwer geschädigt, kann das Bewusstsein erlöschen.

Zu den zahllosen Kernen des Pons gesellen sich noch mehrere Hirnnervenkerne. Einzig der fünfte Hirnnerv (Nervus trigeminus) tritt direkt aus dem Pons aus. Der dritte und vierte Hirnnerv verlassen ihn dagegen oberhalb des Faserbandes der Brücke, der sechste, siebte und achte Hirnnerv am Übergang zwischen Pons und Medulla oblongata.

Die Bedeutung dieser Kerne zeigt sich auch in der Klinik: Beim bewusstlosen Patienten geben einfache Reflexprüfungen Hinweise auf die Integrität des Pons. Besonders der Masseterreflex macht den Nervus trigeminus deutlich: Klopft man leicht auf das Kinn, kontrahiert der Kiefermuskel kurz und zeigt so die Funktion dieses Nervs.

Beim Kornealreflex hingegen arbeitet der Nervus trigeminus mit dem Nervus facialis, dem siebten Hirnnerv, zusammen: Bei Berühren die Hornhaut, schließt sich das Auge sofort reflektorisch. Fallen diese Reflexe aus, kann dies auf eine Schädigung des Pons hindeuten.

Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit/-/attention

Aufmerksamkeit dient uns als Werkzeug, innere und äußere Reize bewusst wahrzunehmen. Dies gelingt uns, indem wir unsere mentalen Ressourcen auf eine begrenzte Anzahl von Reizen bzw. Informationen konzentrieren. Während manche Stimuli automatisch unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, können wir andere kontrolliert auswählen. Unbewusst verarbeitet das Gehirn immer auch Reize, die gerade nicht im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen.

Auge

Augapfel/Bulbus oculi/eye bulb

Das Auge ist das Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Lichtreizen – von elektromagnetischer Strahlung eines bestimmten Frequenzbereiches. Das für den Menschen sichtbare Licht liegt im Bereich zwischen 380 und 780 Nanometer.

Geschmack, Gehör und andere essenzielle Funktionen

Auch wichtige sensorische Systeme laufen im Pons zusammen. So werden hier Signale des Gehörs verarbeitet und an höhere Zentren weitergeleitet. Geschmackseindrücke erreichen den Pons über spezielle Kerne. Und auch große Bahnen für Berührung, Schmerz und Temperatur ziehen durch diesen Abschnitt des Hirnstamms.

Schäden in diesem Gebiet sind oft schwerwiegend, weil sowohl lebenswichtige Funktionen als auch Sinneswahrnehmungen betroffen sein können. Manchmal zeigen sich aber auch ungewöhnliche Symptome. Normalerweise wird im Traumschlaf die Muskulatur durch hemmende Bahnen im Pons blockiert. Fällt diese Hemmung aus, etwa bei einer Läsion der Formatio reticularis, führen Betroffene ihre Trauminhalte tatsächlich aus: Sie schlagen um sich, treten oder rufen im Schlaf – eine Störung, die sich nur medikamentös kontrollieren lässt.

Noch gravierender sind großflächige Schädigungen der vorderen Ponsregion. Dort verlaufen die Pyramidenbahnen, die Bewegungsbefehle vom Großhirn ins Rückenmark leiten. Werden sie beidseitig zerstört, etwa durch einen Infarkt der Basilararterie, entsteht das sogenannte Locked-in-Syndrom: Die Betroffenen sind wach und bei Bewusstsein, können ihre Umwelt wahrnehmen, sind aber fast vollständig gelähmt und können oft nur über Augenbewegungen kommunizieren.

Erstveröffentlichung am 28. August 2011
Letzte Aktualisierung am 20. September 2025

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