Der Vermis

Der Vermis

Der Vermis, der Kleinhirnwurm, sieht tatsächlich auch wie ein solcher aus. Er besitzt Zunge, Zäpfchen und einen Gipfel und gibt uns Sicherheit bei Stand und Gang. So verhindert er, dass wir wie Betrunkene durch die Gegend torkeln.

Wissenschaftliche Betreuung: Björn Spittau

Veröffentlicht: 28.08.2011

Das Wichtigste in Kürze
Vermis nennt sich der wurmartige mittige Abschnitt des Kleinhirns. Er kontrolliert die Stützmotorik und verhindert, dass wir beim Gehen torkeln.

Vermis

Vermis/Vermis cerebelli/cerebellar vermis

Der Kleinhirnwurm ist eine unpaarige Struktur des Kleinhirns, auf der Mittellinie gelegen. Er erhält primär somatosensorische Eingänge.

Cerebellum

Kleinhirn/Cerebellum/cerebellum

Das Cerebellum (Kleinhirn) ist ein wichtiger Teil des Gehirns, an der Hinterseite des Hirnstamms und unterhalb des Okzipitallappens gelegen. Es besteht aus zwei Kleinhirnhemisphären, die vom Kleinhirncortex (Kleinhirnrinde) bedeckt werden und spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei automatisierten motorischen Prozessen.

Der Wurm im Hirn – es ist keine schöné Assoziation, die sich bei dieser Kleinhirnstruktur aufdrängt. Doch der Vermis erinnert tatsächlich an einen Wurm, der sich zwischen den Hemisphären des Kleinhirns windet. Dazu tragen auch die querverlaufenden Furchen der Kleinhirnrinde bei, die ihn in viele Dutzend Segmente unterteilen. Doch mit wurmtypischem Kriechen hat der Vermis nichts zu tun: Er koordiniert vor allem die Stützmotorik beim Gehen und Stehen.

Beschriebe man die Hemisphären als wulstige Schmetterlingsflügel, entspräche der Wurm dem Insektenkörper dazwischen. Er greift einmal um die Hemisphären herum und ist nur an der Vorderseite, zum Hirnstamm hin, durch die Kleinhirnstiele und den vierten Ventrikel unterbrochen. Einige Abschnitte entlang des Wurms bedachten die alten Anatomen mit sehr bildlichen, teils poetischen Namen. So verfügt der Vermis über einen Gipfel (Culmen), einen Abhang (Declive), eine Pyramide (Pyramis) und – noch ungewöhnlicher für einen Wurm – über Zunge (Lingula), Höcker (Tuber), Zäpfchen (Uvula) und Knötchen (Nodulus). Damit sich Medizinstudenten die Abfolge dieser Abschnitte merken können, hat jemand diesen Satz kreiert: „Lacht, liebe Kommilitonen, der fiese Tischdozent prüft uns nicht.“ Sie ahnen es: die Anfangsbuchstaben der Wörter repräsentieren die Anfangsbuchstaben der einzelnen Wurmabschnitte. Doch so schön die Bezeichnungen auch sind, sie sind ohne große funktionelle Bedeutung.

Der größte Teil des Vermis bildet gemeinsam mit den direkt anliegenden Hemisphärenbereichen – der so genannten paravermalen Zone – das Paleocerebellum, das alte Kleinhirn. Da dessen Eingänge hauptsächlich aus dem Spinalmark stammen, wird es auch als Spinocerebellum bezeichnet. Der Nodulus, das unterste Wurmsegment wird dagegen zum Lobus flocculonodularis gerechnet, die Declive zum Neocerebellum.

Vermis

Vermis/Vermis cerebelli/cerebellar vermis

Der Kleinhirnwurm ist eine unpaarige Struktur des Kleinhirns, auf der Mittellinie gelegen. Er erhält primär somatosensorische Eingänge.

Cerebellum

Kleinhirn/Cerebellum/cerebellum

Das Cerebellum (Kleinhirn) ist ein wichtiger Teil des Gehirns, an der Hinterseite des Hirnstamms und unterhalb des Okzipitallappens gelegen. Es besteht aus zwei Kleinhirnhemisphären, die vom Kleinhirncortex (Kleinhirnrinde) bedeckt werden und spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei automatisierten motorischen Prozessen.

Zerebellärer Cortex

Zerebellärer Cortex/-/cerebellar cortex

Die Rinde des Kleinhirns, die ebenso wie die des Großhirns aus grauer Substanz, aus Nervenzellen aufgebaut ist. Sie besteht aus drei Schichten und ist sehr stark gefaltet, wodurch sogenannte Foliae, Blätter entstehen.

Hirnstamm

Hirnstamm/Truncus cerebri/brainstem

Der „Stamm“ des Gehirns, an dem alle anderen Gehirnstrukturen sozusagen „aufgehängt“ sind. Er umfasst – von unten nach oben – die Medulla oblongata, die Pons und das Mesencephalon. Nach unten geht er in das Rückenmark über.

Kleinhirnstiele

Kleinhirnstiele/Pedunculi cerebelli/cerebellar peduncle

Drei Faserverbindungen jeweils rechts und links, die das Kleinhirn mit dem Hirnstamm verbinden. Hierüber laufen sämtliche Afferenzen und Efferenzen des Kleinhirns.

Ventrikelsystem

Ventrikelsystem/-/ventricular system

Ein System aus Hohlräumen im Gehirn, die mit Cerebrospinalflüssigkeit (Gehirn-​Rückenmarks-​Flüssigkeit) gefüllt sind.

Cerebellum

Kleinhirn/Cerebellum/cerebellum

Das Cerebellum (Kleinhirn) ist ein wichtiger Teil des Gehirns, an der Hinterseite des Hirnstamms und unterhalb des Okzipitallappens gelegen. Es besteht aus zwei Kleinhirnhemisphären, die vom Kleinhirncortex (Kleinhirnrinde) bedeckt werden und spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei automatisierten motorischen Prozessen.

Spinocerebellum

Spinocerebellum/-/spinocerebellum

Der Bereich des Kleinhirns, der den Kleinhirnwurm (Vermis) und seine angrenzenden Bereiche umfasst.

Lobus flocculonodularis

Lobus flocculonodularis/Lobus flocculonodularis/flocculonodular lobe

Der Lobus flocculonodularis ist ein Bereich auf der Vorderfläche des Kleinhirns. Er umfasst die beiden Strukturen Nodulus (Knötchen) und Flocculus (Flöckchen). Er ist an Gleichgewicht und räumlicher Orientierung beteiligt und an der Feinabstimmung fast aller Augenbewegungen. Er entspricht dem Vestibulocerebellum.

Die Aufgaben des Kleinhirnwurms

Während der Nodulus primär der Regulation des Gleichgewichts dient und die Declive gemeinsam mit den Kleinhirnhemisphären an willkürlichen Bewegungen – wie ein Kratzen am Kopf – beteiligt ist, verarbeitet das Spinocerebellum propriozeptive Signale, also solche über Muskeltonus und Körperstellung. Auf diese Weise ist es stets über die Position des Körpers im Raum informiert und sorgt durch seine absteigenden Signale für den reibungslosen Ablauf von Gehen und Stehen. Was sich recht simpel anhört, hat komplexe Komponenten: das Zusammenspiel antagonistischer Muskelgruppen zum Beispiel oder von denen, die der Schwerkraft entgegenwirken. Auch die Kontrolle der Kräfte von Trägheit oder Fliehkraft gehören dazu. Ist der Wurm dagegen geschädigt, kommt es typischerweise zu einem schwankenden, torkelnden Gang, wie bei einem Betrunkenen.

Kleinhirnhemisphären

Kleinhirnhemisphären/-/cerebral hemispheres

Wie das Großhirn verfügt auch das Kleinhirn über zwei Hemisphären. Sie werden auch als Pontocerebellum bezeichnet und spielen bei der Feinmotorik eine maßgebliche Rolle.

Spinocerebellum

Spinocerebellum/-/spinocerebellum

Der Bereich des Kleinhirns, der den Kleinhirnwurm (Vermis) und seine angrenzenden Bereiche umfasst.

Der Kern im Inneren

Im Marklager des Wurms verbirgt sich ein paariger Kern, der Nucleus fastigii — auf Deutsch First– oder Giebelkern. Er ist einer von vier Kleinhirnkernen und der einzige, der dem Vermis zugerechnet wird. Der Name rührt von seiner Lage im Dach des vierten Ventrikels her. Seine Fasern ziehen zu den Vestibulariskernen und zur Formatio reticularis.

Nucleus

Nucleus/Nucleus/nucleus

Nucleus, Plural Nuclei, bezeichnet zweierlei: Zum einen den Kern einer Zelle, den Zellkern. Zum zweiten eine Ansammlung von Zellkörpern im Gehirn.

Vermis

Vermis/Vermis cerebelli/cerebellar vermis

Der Kleinhirnwurm ist eine unpaarige Struktur des Kleinhirns, auf der Mittellinie gelegen. Er erhält primär somatosensorische Eingänge.

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