Der Lobus flocculonodularis
Der Lobus flocculonodularis ist der älteste Teil des Kleinhirns – bei niederen Wirbeltieren ist er gar das Kleinhirn. Er reguliert das Gleichgewicht und koordiniert die Augenbewegungen und heißt wörtlich übersetzt „Flöckchen-Knötchen-Lappen“.
Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Jochen F. Staiger
Veröffentlicht: 05.08.2025
Niveau: mittel
Der Lobus flocculonodularis mit seinen pfötchenartigen Ausbuchtungen macht zwar nur einen kleinen Teil des Kleinhirns aus, aber einen sehr wichtigen: Er reguliert das Gleichgewicht.
Lobus flocculonodularis
Lobus flocculonodularis/Lobus flocculonodularis/flocculonodular lobe
Der Lobus flocculonodularis ist ein antero-inferior gelegener Bereich des Kleinhirns. Er umfasst die beiden Strukturen Nodulus (Knötchen) und Flocculus (Flöckchen). Er ist an Gleichgewicht und räumlicher Orientierung beteiligt und an der Stabilisierung und Steuerung der Augenbewegungen. Er entspricht dem Vestibulocerebellum.
Der Lobus flocculonodularis ist benannt nach seinen beiden Bestandteilen, dem paarigen Flocculus (Flöckchen) und dem unpaaren Nodulus (Knötchen). Er ist das entwicklungsgeschichtlich älteste Segment des Kleinhirns, weshalb er manchmal auch als Archicerebellum bezeichnet wird.
Der Nodulus ist ein leicht verdickter Teil des Kleinhirnwurms, gelegen an dessen unterstem Bereich. Über den Pedunculus flocculi, eine Lamelle weißer, markhaltiger Gehirnsubstanz, verbindet er sich zu beiden Seiten mit dem Flocculus, der zu den Hemisphären gehört. Auf anatomischen Abbildungen muss man den Flocculus dennoch recht angestrengt suchen, denn er ist nur wenige Zentimeter breit und versteckt sich unter den Kleinhirnstielen auf der dem Hirnstamm zugewandten Seite. Von den Hemisphären ist er durch eine tiefe Furche, der Fissura posterolateralis getrennt. Seine Gestalt erinnert an zwei Katzenpfoten: Er ist breit und flach und ufert an den Enden fast zehenförmig aus.
Lobus flocculonodularis
Lobus flocculonodularis/Lobus flocculonodularis/flocculonodular lobe
Der Lobus flocculonodularis ist ein antero-inferior gelegener Bereich des Kleinhirns. Er umfasst die beiden Strukturen Nodulus (Knötchen) und Flocculus (Flöckchen). Er ist an Gleichgewicht und räumlicher Orientierung beteiligt und an der Stabilisierung und Steuerung der Augenbewegungen. Er entspricht dem Vestibulocerebellum.
Hirnstamm
Hirnstamm/Truncus cerebri/brainstem
Der „Stamm“ des Gehirns, an dem alle anderen Gehirnstrukturen sozusagen „aufgehängt“ sind. Er umfasst – von unten nach oben – die Medulla oblongata, die Pons und das Mesencephalon. Nach unten geht er in das Rückenmark über. Er ist ein Zentrum lebenswichtiger Funktionen wie der Atmung und des Herzschlags und beinhaltet auf- und absteigende Bahnen zwischen Großhirn, Kleinhirn und Rückenmark.
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Koordinationszentrum für den Gleichgewichtssinn
Mit dem Lobus flocculonodularis hat für das Kleinhirn quasi alles begonnen: Als dessen ältester Teil ist er bei allen Wirbeltieren zu finden – bei niederen Vertretern wie den Neunaugen oder den Schleimaalen (einem frühen Forschungsobjekt von Sigmund Freud) stellt er gar das komplette Kleinhirn dar. Immer geht es dabei um vestibuläre Impulse, doch in unterschiedlicher Gestalt. Bei Fröschen beispielsweise präsentiert sich der Lobus flocculonodularis noch als recht große ohrenförmige Ausbuchtungen, bei anderen Reptilien und Vögeln nur noch als unscheinbare seitliche Anhängsel.
Das heißt aber nicht, dass dieser alte Teil des Kleinhirns beim modernen Menschen keine wichtige Rolle mehr spielen würde – im Gegenteil: Er bildet das Vestibulocerebellum, gewährleistet also das Gleichgewicht und stabilisiert Sitz, Stand und Gang, indem er die Rumpf- und Extremitätenstreckermuskulatur beeinflusst. Außerdem stimmt er die Blickmotorik ab, koordiniert also die Muskeln am Augapfel.
Um diese Aufgabe wahrnehmen zu können, erhält er bereits prozessierte Gleichgewichtsinformationen aus den Vestibulariskernen und sogar direkte aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Das ist deshalb bemerkenswert, da kein anderer Sinneskanal solche primären sensorischen Informationen in das Kleinhirn sendet. Über die Eingänge der Vestibulariskerne behält der Lobus flocculonodularis beispielsweise den Überblick darüber, ob der Kopf gerade nach unten geneigt ist oder sich in diesem Moment nach rechts dreht. Seine Signale sendet er an den Giebelkern (Nucleus fastigii) im Marklager unter dem oberen Kleinhirnwurm, der seinerseits wieder die Vestibulariskerne aktiviert. Gleichzeitig ziehen einige – stets hemmende – Fasern aus seiner Rinde auch direkt zu den Vestibulariskernen, ohne zuvor in einem Kleinhirnkern umgeschaltet zu werden – ein weiteres Beispiel für die enge Verbindung von Gleichgewichtssinn und Kleinhirn.
Fällt der Lobus flocculonodularis aus, ist ein wichtiger Reflexbogen des Gleichgewichts gestört; der Patient erfährt Schwindel und muss erbrechen. Außerdem kann er nicht mehr gerade sitzen oder stehen, sondern schwankt ständig. Auch die Augenbewegungen sind gestört, der Augapfel zuckt rhythmisch und unkontrolliert hin und her. Der Arzt bezeichnet dieses Phänomen als pathologischen Nystagmus.
Lobus flocculonodularis
Lobus flocculonodularis/Lobus flocculonodularis/flocculonodular lobe
Der Lobus flocculonodularis ist ein antero-inferior gelegener Bereich des Kleinhirns. Er umfasst die beiden Strukturen Nodulus (Knötchen) und Flocculus (Flöckchen). Er ist an Gleichgewicht und räumlicher Orientierung beteiligt und an der Stabilisierung und Steuerung der Augenbewegungen. Er entspricht dem Vestibulocerebellum.
Nucleus
Nucleus/Nucleus/nucleus
Nucleus, Plural Nuclei, bezeichnet zweierlei: In der Zellbiologie den Zellkern, der unter anderem die Chromosomen enthält. In der Neuroanatomie bezeichnet es im Nervensystem eine Ansammlung von Zellkörpern – im zentralen Nervensystem als graue Substanz, im peripheren als Ganglien.
Erstveröffentlichung am 23. August 2011
Letzte Aktualisierung am 5. August 2025