Der Lobus flocculonodularis

Der Lobus flocculonodularis

Der Lobus flocculonodularis ist der älteste Teil des Kleinhirns – bei niederen Wirbeltieren ist er gar das Kleinhirn. Er reguliert das Gleichgewicht und koordiniert die Augenbewegungen und heißt wörtlich übersetzt „Flöckchen-​Knötchen-​Lappen“.

Wissenschaftliche Betreuung: Jochen F. Staiger

Veröffentlicht: 23.08.2011

Das Wichtigste in Kürze

Der Lobus flocculonodularis mit seinen pfötchenartigen Ausbuchtungen macht zwar nur einen kleinen Teil des Kleinhirns aus, aber einen sehr wichtigen: Er reguliert das Gleichgewicht.

Lobus flocculonodularis

Lobus flocculonodularis/Lobus flocculonodularis/flocculonodular lobe

Der Lobus flocculonodularis ist ein Bereich auf der Vorderfläche des Kleinhirns. Er umfasst die beiden Strukturen Nodulus (Knötchen) und Flocculus (Flöckchen). Er ist an Gleichgewicht und räumlicher Orientierung beteiligt und an der Feinabstimmung fast aller Augenbewegungen. Er entspricht dem Vestibulocerebellum.

Cerebellum

Kleinhirn/Cerebellum/cerebellum

Das Cerebellum (Kleinhirn) ist ein wichtiger Teil des Gehirns, an der Hinterseite des Hirnstamms und unterhalb des Okzipitallappens gelegen. Es besteht aus zwei Kleinhirnhemisphären, die vom Kleinhirncortex (Kleinhirnrinde) bedeckt werden und spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei automatisierten motorischen Prozessen.

„Flöckchen-​Knötchen-​Lappen“ heißt der Lobus flocculonodularis wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt – so benannt nach seinen beiden Bestandteilen, dem paarigen Flocculus (Flöckchen) und dem unpaaren Nodulus (Knötchen). Er ist das entwicklungsgeschichtlich älteste Segment des Kleinhirns, weshalb er manchmal auch als Archicerebellum bezeichnet wird.

Der Nodulus ist ein leicht verdickter Teil des Kleinhirnwurms, gelegen an dessen unterstem Bereich. Über den Pedunculus flocculi, eine Lamelle weißer, markhaltiger Gehirnsubstanz, geht er zu beiden Seiten in den Flocculus über, der sich deutlich vom Wurm und den eng damit verwobenen Hemisphären abgrenzen lässt. Auf anatomischen Abbildungen muss man den Flocculus dennoch recht angestrengt suchen, denn er ist nur wenige Zentimeter breit und versteckt sich unter den Kleinhirnstielen auf der dem Hirnstamm zugewandten Seite. Von den Hemisphären ist er durch eine tiefe Furche, der Fissura posterolateralis getrennt. Seine Gestalt erinnert an zwei Katzenpfoten: Er ist breit und flach und ufert an den Enden fast zehenförmig aus.

Lobus flocculonodularis

Lobus flocculonodularis/Lobus flocculonodularis/flocculonodular lobe

Der Lobus flocculonodularis ist ein Bereich auf der Vorderfläche des Kleinhirns. Er umfasst die beiden Strukturen Nodulus (Knötchen) und Flocculus (Flöckchen). Er ist an Gleichgewicht und räumlicher Orientierung beteiligt und an der Feinabstimmung fast aller Augenbewegungen. Er entspricht dem Vestibulocerebellum.

Hirnstamm

Hirnstamm/Truncus cerebri/brainstem

Der „Stamm“ des Gehirns, an dem alle anderen Gehirnstrukturen sozusagen „aufgehängt“ sind. Er umfasst – von unten nach oben – die Medulla oblongata, die Pons und das Mesencephalon. Nach unten geht er in das Rückenmark über.

Koordinationszentrum für den Gleichgewichtssinn

Mit dem Lobus flocculonodularis hat für das Kleinhirn quasi alles begonnen: Als dessen ältester Teil ist er bei allen Wirbeltieren zu finden – bei niederen Vertretern wie den Neunaugen oder den Schleimaalen (einem frühen Forschungsobjekt von Sigmund Freud) stellt er gar das komplette Kleinhirn dar. Immer geht es dabei um vestibuläre Impulse, doch in unterschiedlicher Gestalt. Bei Fröschen beispielsweise präsentiert sich der Lobus flocculonodularis noch als recht große ohrenförmige Ausbuchtungen, bei anderen Reptilien und Vögeln nur noch als unscheinbare seitliche Anhängsel.

Das heißt aber nicht, dass dieser alte Teil des Kleinhirns beim modernen Menschen keine wichtige Rolle mehr spielen würde — im Gegenteil. Er bildet das Vestibulocerebellum, gewährleistet also das Gleichgewicht und stabilisiert Stand und Gang, indem er die Rumpf– und Extremitätenstreckermuskulatur beeinflusst. Außerdem stimmt er die Blickmotorik ab, koordiniert also die Muskeln am Augapfel.

Um diese Aufgabe wahrnehmen zu können, erhält er direkte Informationen aus den Vestibulariskernen und damit aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Das ist deshalb bemerkenswert, da kein anderer Sinneskanal solche primären sensorischen Informationen in das Kleinhirn sendet. Über die Eingänge der Vestibulariskerne behält der Lobus flocculonodularis beispielsweise den Überblick darüber, ob der Kopf gerade nach unten geneigt ist oder sich in diesem Moment nach rechts dreht. Seine Signale sendet er an den Giebelkern (Nucleus fastigii) im Marklager unter dem oberen Kleinhirnwurm, der seinerseits wieder die Vestibulariskerne aktiviert. Gleichzeitig ziehen einige — stets hemmende — Fasern aus seiner Rinde auch direkt zu den Vestibulariskernen, ohne zuvor in einem Kleinhirnkern umgeschaltet zu werden – ein weiteres Beispiel für die enge Verbindung von Gleichgewichtssinn und Kleinhirn.

Fällt der Lobus flocculonodularis aus, ist ein wichtiger Reflexbogen des Gleichgewichts gestört, der Patient erfährt Schwindel und muss erbrechen. Außerdem kann er nicht mehr gerade sitzen oder stehen, sondern schwankt ständig. Auch die Augenbewegungen sind gestört, der Augapfel zuckt rhythmisch und unkontrolliert hin und her. Der Arzt bezeichnet dieses Phänomen als pathologischen Nystagmus.

Lobus flocculonodularis

Lobus flocculonodularis/Lobus flocculonodularis/flocculonodular lobe

Der Lobus flocculonodularis ist ein Bereich auf der Vorderfläche des Kleinhirns. Er umfasst die beiden Strukturen Nodulus (Knötchen) und Flocculus (Flöckchen). Er ist an Gleichgewicht und räumlicher Orientierung beteiligt und an der Feinabstimmung fast aller Augenbewegungen. Er entspricht dem Vestibulocerebellum.

Cerebellum

Kleinhirn/Cerebellum/cerebellum

Das Cerebellum (Kleinhirn) ist ein wichtiger Teil des Gehirns, an der Hinterseite des Hirnstamms und unterhalb des Okzipitallappens gelegen. Es besteht aus zwei Kleinhirnhemisphären, die vom Kleinhirncortex (Kleinhirnrinde) bedeckt werden und spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei automatisierten motorischen Prozessen.

Cerebellum

Kleinhirn/Cerebellum/cerebellum

Das Cerebellum (Kleinhirn) ist ein wichtiger Teil des Gehirns, an der Hinterseite des Hirnstamms und unterhalb des Okzipitallappens gelegen. Es besteht aus zwei Kleinhirnhemisphären, die vom Kleinhirncortex (Kleinhirnrinde) bedeckt werden und spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei automatisierten motorischen Prozessen.

Vestibularapparat

Vestibularapparat/Organon vestibulare/vestibular organ

Das Gleichgewichtsorgan ist Teil des Innenohres. Es hat seine Sensoren in den Bogengängen. Als Teil des Gleichgewichtssystems spürt er kreisförmige Umdrehungen (Rotationen), Beschleunigung und Schwerkraft (Gravitation) auf.

Nucleus

Nucleus/Nucleus/nucleus

Nucleus, Plural Nuclei, bezeichnet zweierlei: Zum einen den Kern einer Zelle, den Zellkern. Zum zweiten eine Ansammlung von Zellkörpern im Gehirn.

Votes with an average with

Autor

Wissenschaftliche Betreuung

Lizenzbestimmungen

Dieser Inhalt ist unter folgenden Nutzungsbedingungen verfügbar.

BY-NC: Namensnennung, nicht kommerziell

Empfohlene Artikel