Der Fornix
Der Fornix ist nicht die spannendste aller Hirnstrukturen. Doch was ihm an Glamour fehlt, macht er an Schönheit wieder wett. Und an Bedeutung: Er ist der wichtigste Faserzug im limbischen System, verbindet Hippocampi, Corpora mammillaria und Septum.
Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Horst-Werner Korf
Veröffentlicht: 14.04.2025
Niveau: mittel
Der Fornix heißt „Gewölbe“ und sieht auch so aus. In ihm bündeln sich Nervenfasern, die die Zentren des limbischen Systems untereinander verbinden: Hippocampi, Septumkerne und Corpora mammillaria.
Der Fornix ist ein merkwürdiges Gebilde – todlangweilig und zugleich doch hochspannend. Todlangweilig erscheint er, solange man nur nach der Funktion fragt. Ist er doch lediglich ein Strippenbündel, ein Fasersystem, eine Ansammlung von Axonen der Nervenzellen, die drei weit auseinanderliegende Zentren des Großhirns miteinander verbinden: die Hippocampi, die Septumkerne und die Corpora mammilaria. Ein Leitungsbündel, weiße Substanz, also – mehr nicht. Immerhin handelt es sich um ein mächtiges Faserbündel im limbischen System, zu dem die drei genannten Zentren gehören.
Gotisches Gewölbe
Bei einem Blick auf seine Gestalt, gewinnt der Fornix jedoch ungemein: Schon allein die Größe beeindruckt. Sie rührt von der Distanz zwischen den verbundenen Strukturen. Und dann ist da seine Form: Der Fornix besteht nicht etwa aus geraden Leitungen – oh nein! Er verfügt über Schwünge und Bögen wie ein gotisches Bauwerk. Tatsächlich erinnert seine Gestalt an die selbsttragenden Rippen eines Kreuzrippengewölbes, das es erlaubte, mächtige Kathedralen mit hohen Räumen zu konstruieren. Ein solches Gewölbe spannt sich mitten im Vorderhirn auf. Und genau so lässt sich der Name Fornix ins Deutsche übersetzen: Gewölbe. Aber auch sonst wurde die Struktur mit vielen bildhaften Begriffen bedacht.
Der Fornix ähnelt optisch also dem gekrümmten X der steinernen Rippen im Gewölbe. An den vier Enden sitzen die Strukturen, die über die Nervenfasern des Fornix hinweg miteinander in Verbindung stehen. Die beiden hinteren Enden des Fornix sind über die Fimbriae hippocampi (die Hippocampusfransen) mit den Hippocampi des rechten und des linken Temporallappens verbunden. Diese Fimbriae gehen in das rechte und das linke Crus fornicis, die beiden Fornixschenkel, über. Die beiden Schenkel zielen zunächst nach hinten, dann aber schwungvoll aufwärts, vorwärts und einwärts, und steigen so bis zum Kreuzungspunkt des X auf, also sozusagen bis zum Schlussstein des Gewölbes.
Diesen Kreuzungspunkt – er liegt mitten im Vorderhirn, direkt unter dem Balken – nennt man auch Corpus fornicis. Dort finden sich viele Nervenfasern, die, über die Fornixschenkel hinweg, den rechten und den linken Hippocampus reziprok miteinander verbinden, die Commissura fornicis. Vor dem Kreuzungspunkt teilt sich der Fornix wieder auf, diesmal in die rechte und linke Columna fornicis, die Fornixsäulen. Diese beiden Säulen wenden sich schwungvoll abwärts. Jede der beiden teilt sich erneut, und zwar in die dünnere Columna fornicis anterior, die vordere Fornixsäule, die zu den Septumkernen hinabsteigt und in die mächtigere Columna fornicis posterior, die hintere Fornixsäule, die, noch weiter abwärts und sogar rückwärts zu den Corpora mammillaria des Hypothalamus zieht. In der vorderen Fornixsäule verlaufen Nervenfasern, die von Nervenzellen im Septum stammen, zum Hippocampus. Die hintere Fornixsäule besteht überwiegend aus Fasern, die von Nervenzellen des Hippocampus zu den Corpora mammillaria ziehen.
Im mittigen Längsschnitt durch das Gehirn zeigt sich vom Fornix also nur einen kleinen Teil: sein Zentrum, den Kreuzungspunkt, den Schlussstein, das Corpus fornicis. Dieser sichtbare Teil spannt sich allerdings tatsächlich wie ein Gewölbe über den dritten Ventrikel des Zwischenhirns und die ihn flankierenden Thalami. Und wiederum darüber spannt sich der gleichfalls schön gewölbte und geschwungene Balken, das Corpus callosum.
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Tragende Funktion
Grob, wirklich grob vereinfachend kann man sagen, dass der Fornix überwiegend die Ausgänge der Hippocampusformation enthält, die mehrheitlich zum gegenüberliegenden Hippocampus und zu den Corpora mammillaria ziehen. Es ist eine wichtige Bahnverbindung im Papez-Neuronenkreis. Eine völlige Zerstörung des Fornix – die zum Glück so gut wie nie vorkommt – führt entsprechend zu Symptomen, die der Zerstörung der Hippocampi ähneln: dem Verlust von Gedächtnisfunktionen.
Erstveröffentlicht am 23. August 2011
Letztes Update am 1. Juli 2025