Das Septum

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Author: Arvid Leyh

Die Septumregion ist nicht groß, bietet aber eine große Vielfalt chemischer Botenstoffe. Sie liegt an der Schnittstelle zwischen Hippocampus und Hypothalamus und ist vermutlich in emotionale, vegetative und Gedächtnisleistungen involviert.

Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Jochen F. Staiger

Veröffentlicht: 09.10.2025

Niveau: schwer

Kurz und knapp

In der Septumregion finden sich zwei wichtige, sehr weit vernetzte Kerne, die eine zentrale Schnittstelle zwischen Emotion, Gedächtnis und Verhalten im aktuellen Kontext darstellen.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Das Septum pellucidum

Septum ist nicht gleich Septum – oberhalb des „verum" gibt es das „pellucidum", die „durchscheinende Trennwand”. Dieses Septum liegt genau in der Mitte des Gehirns, zwischen den beiden Hemisphären. Wie ein dreieckiges Segel ist es senkrecht zwischen dem Balken und dem Fornix aufgespannt und begrenzt die beiden Seitenventrikel am Vorderhorn jeweils zur Mitte hin.

Das Septum pellucidum besteht aus zwei Membranen, den Laminae septi pellucidi. Dazwischen klafft hin und wieder eine schlitzförmige, nur wenige Millimeter große Höhle, das Cavum septi pellucidi, die vor allem auf Schnittbildern vom Gehirn gut zu erkennen ist. Dieser Schlitz bildet sich während der Entwicklung und ist anfangs mit dem Hohlraum zwischen den beiden Hemisphären verbunden, bis der Balken dort einwächst und das Cavum nach oben hin abschließt. Es ist bei allen Neugeborenen noch gut ausgeprägt, verschwindet aber meist im Laufe der Kindheit.

Die Area septalis, die Septumregion – auch als Septum verum, als „wahres“ Septum bezeichnet – ist ein vergleichsweise kleiner Bereich des vorderen inneren Großhirns. Das lateinische Wort Septum steht im Körper häufig für eine Trennwand – beispielsweise in der Nase –, doch obwohl es sich bei diesem Septum um das eigentliche, wahre handelt (siehe dazu den Kasten), trennt es nicht, sondern verbindet vielmehr: Hippocampus, Hypothalamus und Amygdala.

Septum

Septum/Area septalis/septum nuclei

Die Septumkerne liegen medial im basalen Vorderhirn, nahe der vorderen Spitze des Gyrus cinguli. Sie sind mit der Riechrinde verbunden und über den Fornix mit weiteren limbischen Strukturen verknüpft. Funktionell spielen sie eine Rolle bei emotionalen Prozessen und der Belohnungsverarbeitung.

Nase

Nase/Nasus/nose

Das Riechorgan von Wirbeltieren. In der Nasenhöhle wird die Luft durch Flimmerhärchen gereinigt, im oberen Bereich liegt das Riechepithel, mit dem Gerüche aufgenommen werden.

Hypothalamus

Hypothalamus/-/hypothalamus

Der Hypothalamus gilt als das Zentrum des autonomen Nervensystems, er steuert also viele motivationale Zustände und kontrolliert vegetative Aspekte wie Hunger, Durst oder Sexualverhalten. Als endokrine Drüse (die – im Gegensatz zu einer exokrinen Drüse – ihre Hormone ohne Ausführungsgang direkt ins Blut abgibt) produziert er zahlreiche Hormone, die teilweise die Hypophyse hemmen oder anregen, ihrerseits Hormone ins Blut abzugeben. In dieser Funktion spielt er auch bei der Reaktion auf Schmerz eine wichtige Rolle und ist in die Schmerzmodulation involviert.

Amygdala

Amygdala/Corpus amygdaloideum/amygdala

Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, welches mit Emotionen in Verbindung gebracht wird: es bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung. In diesem Zusammenhang wird sie auch durch Schmerzreize aktiviert und spielt eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung sensorischer Reize. Darüber hinaus ist sie an der Verknüpfung von Emotionen mit Erinnerungen, der emotionalen Lernfähigkeit sowie an sozialem Verhalten beteiligt. Die Amygdala – zu Deutsch Mandelkern – wird zum limbischen System gezählt. 

Lage und Vernetzung

Neben einem medialen – also nach innen gelegenen – und einem lateralen, zur Seite gelegenen Kerngebiet, besteht das Septum auch aus dem diagonalen Band von Broca – der Stria diagonalis. Und diese zieht sich bis zur vorderen Substantia perforata des Riechhirns. Nach oben hin begrenzt die Septumregion der vordere Bereich des Balkens, dessen Schnabel. Zur Seite hin liegt der Nucleus accumbens.

Eine der wichtigsten Verbindungen des Septums ist die zum Hippocampus. Sie läuft über den Fornix (dem „Gewölbe“), das entlang des Balkens einen beeindruckenden Bogen schlägt und dabei unter anderem eben auch Septum und Hippocampus verbindet. Trotz dieses Umweges ist die Bindung doch sehr eng: Die Fasern des Cornu ammonis und vor allem des Subiculums im Hippocampus enden über den Fornix – entweder im kontralateralen, im gegenseitigen Hippocampus, oder im Septum. Dass diese zentrale Struktur der Gedächtnisbildung so enge Verbindungen zum Septum hat, sagt einiges über dessen Bedeutung. Im Fall des medialen Septumkerns ist sie sogar zentral, dazu gleich mehr.

Weitere Verbindungen hat das Septum zu den olfaktorischen Cortexarealen im direkten Umfeld und – ebenfalls über den Fornix – zu weiteren Strukturen des limbischen Systems. Auch dopaminerge Bahnen aus dem Mittelhirn enden im Septum. Umgekehrt beeinflusst der laterale Kern auch zentrale Strukturen des Belohnungssystems: das ventrale Tegmentum – eben den Ursprung der dopaminergen Fasern – und den Nucleus accumbens Und damit die Motivation. Gleichzeitig unterhält dieser Kern auch Verbindungen zur Amygdala und beeinflusst so Angst und Aggression. Nicht zuletzt hat die Septumregion ausgiebige wechselseitige Verbindungen mit dem Hypothalamus. Über diese Verbindungen wird sie zu einem wichtigen Faktor in der Stressverarbeitung.

Septum

Septum/Area septalis/septum nuclei

Die Septumkerne liegen medial im basalen Vorderhirn, nahe der vorderen Spitze des Gyrus cinguli. Sie sind mit der Riechrinde verbunden und über den Fornix mit weiteren limbischen Strukturen verknüpft. Funktionell spielen sie eine Rolle bei emotionalen Prozessen und der Belohnungsverarbeitung.

Nucleus

Nucleus/Nucleus/nucleus

Nucleus, Plural Nuclei, bezeichnet zweierlei: In der Zellbiologie den Zellkern, der unter anderem die Chromosomen enthält. In der Neuroanatomie bezeichnet es im Nervensystem eine Ansammlung von Zellkörpern – im zentralen Nervensystem als graue Substanz, im peripheren als Ganglien.

Hippocampus

Hippocampus/Hippocampus/hippocampual formatio

Der Hippocampus ist der größte Teil des Archicortex und ein Areal im Temporallappen. Er ist zudem ein wichtiger Teil des limbischen Systems. Funktional ist er an Gedächtnisprozessen, aber auch an räumlicher Orientierung und Lernen beteiligt. Er umfasst das Subiculum, den Gyrus dentatus und das Ammonshorn mit seinen vier Feldern CA1-​CA4.

Veränderungen in der Struktur des Hippocampus durch Stress werden mit Schmerzchronifizierung in Zusammenhang gebracht. Der Hippocampus spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verstärkung von Schmerz durch Angst.

Fornix

Fornix/-/fornix

Der Fornix ist eine Nervenbahn aus ca. 12 Mio. Fasern, die Hippocampus (eine der evolutionär ältesten Strukturen im Gehirn) und Subiculum mit dem Septum und den Mammillarkörpern verbindet.

Cornu ammonis

Ammonshorn/Cornu ammonis/ammon´s horn

Hirnabschnitt im Großhirn, und zwar das vordere Ende des Hippocampus, auch als Rindenband bekannt. Das Cornu Ammonis wird in die Felder CA1 bis CA4 unterteilt. Den Namen verdankt es seiner Form: Es erinnert an das Horn eines Ammonschafes.

Kern

Kern/-/nucleus

In der Zellbiologie ist der Kern in einer Zelle der Zellkern, der unter anderem die Chromosomen enthält. In der Neuroanatomie bezeichnet der Kern im Nervensystem eine Ansammlung von Zellkörpern – im zentralen Nervensystem als graue Substanz, im peripheren als Ganglien bezeichnet.

Tegmentum

Tegmentum/-/tegmentum

Tegmentum (von lateinischen „tegere“ „bedecken“). Es handelt sich um den ventralen, unter dem Aquädukt gelegenen Teil des Mittelhirns. Hier finden sich Kerne wie die Substantia nigra, Formatio reticularis, Hirnnervenkerne und der Nucleus ruber.

Nucleus accumbens

Nucleus accumbens/Nucleus accumbens/nucleus accumbens

Der Nucleus accumbens ist ein Kern in den Basalganglien, der dopaminerge (auf Dopamin reagierende) Eingänge vom ventralen Tegmentum bekommt. Er wird mit Belohnung und Aufmerksamkeit, aber auch mit Sucht assoziiert. In der Schmerzverarbeitung ist er an motivationalen Aspekten des Schmerzes (Belohnung, Schmerzabnahme) sowie an der Wirkung von Placebos beteiligt.

Motivation

Motivation/-/motivation

Ein Motiv ist ein Beweggrund. Wird dieser wirksam, spürt das Lebewesen Motivation – es strebt danach, sein Bedürfnis zu befriedigen. Zum Beispiel nach Nahrung, Schutz oder Fortpflanzung. Motivation kann intrinsisch (von innen, z. B. Neugier) oder extrinsisch (von außen, z. B. Belohnung) sein.

Amygdala

Amygdala/Corpus amygdaloideum/amygdala

Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, welches mit Emotionen in Verbindung gebracht wird: es bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung. In diesem Zusammenhang wird sie auch durch Schmerzreize aktiviert und spielt eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung sensorischer Reize. Darüber hinaus ist sie an der Verknüpfung von Emotionen mit Erinnerungen, der emotionalen Lernfähigkeit sowie an sozialem Verhalten beteiligt. Die Amygdala – zu Deutsch Mandelkern – wird zum limbischen System gezählt. 

Hypothalamus

Hypothalamus/-/hypothalamus

Der Hypothalamus gilt als das Zentrum des autonomen Nervensystems, er steuert also viele motivationale Zustände und kontrolliert vegetative Aspekte wie Hunger, Durst oder Sexualverhalten. Als endokrine Drüse (die – im Gegensatz zu einer exokrinen Drüse – ihre Hormone ohne Ausführungsgang direkt ins Blut abgibt) produziert er zahlreiche Hormone, die teilweise die Hypophyse hemmen oder anregen, ihrerseits Hormone ins Blut abzugeben. In dieser Funktion spielt er auch bei der Reaktion auf Schmerz eine wichtige Rolle und ist in die Schmerzmodulation involviert.

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Funktionen

Wollten wir den ganz großen Bogen des Lebens aufspannen, sind aus Sicht der Evolution drei Aspekte entscheidend: Ernährung, Fortpflanzung und Überleben. Am Septum sieht man sehr schön, welch umfangreiche Vernetzung dazu notwendig ist: Die Amygdala bewertet eine Situation nach hilfreich oder bedrohlich – wir könnten auch sagen: emotional. Das Belohnungssystem versieht die hilfreichen Situationen, also Fortpflanzung und Nahrung, mit einem dopaminergen Ausrufezeichen. Der Hypothalamus, als Teil der Stressachse genauso wie der Homöostase des inneren Milieus, sorgt dafür, dass der Körper entsprechend vorbereitet ist. Zentraler Teil dieses komplexen Verarbeitungsprozesses auf der Suche nach der richtigen Reaktion ist das laterale Septum. Zusätzlich zeigen einige Studien, dass es auch in die Bemutterung (bzw. „Bevaterung“) des Nachwuchses eingebunden ist.

Doch noch fehlt der Player, der dafür sorgt, dass aus einer aktuellen Situation auch eine Erfahrung wird, dass also der Standort einer Nahrungsquelle oder der Wohnort eines Fressfeindes auch morgen noch abrufbar ist: Das Gedächtnis, und damit der Hippocampus. Hier kommt der mediale Kern des Septums ins Spiel – ebenfalls in zentraler Rolle. Denn seine Neurone senden ihre Fasern in den Hippocampus, wo sie zwei Botenstoffe freigeben: das hemmende GABA und das häufig erregende Acetylcholin. GABAerge Projektionen scheinen für einen Grundrhythmus der neuronalen Taktung des Hippocampus zu sorgen, den sogenannten Theta-Wellen. Diese Wellen sind wichtig für Erkundung und Gedächtnisabruf – wozu nicht nur irgendwelcher Schulstoff gehört, sondern nicht zuletzt die Orientierung, die Navigation im Gelände.  Die cholinergen Eingänge braucht der Hippocampus zur Encodierung neuer Gedächtnisinhalte, sprich: fürs Lernen. Das zeigt sich vor allem bei Schädigungen des Septums: Diese sorgen für Gedächtnisausfälle.

Bei der Vielzahl der Aufgaben ist es also kein Wunder, dass in den diversen Neuronengruppen des Septums bis zu 35 unterschiedliche chemische Botenstoffe gefunden wurden.

Septum

Septum/Area septalis/septum nuclei

Die Septumkerne liegen medial im basalen Vorderhirn, nahe der vorderen Spitze des Gyrus cinguli. Sie sind mit der Riechrinde verbunden und über den Fornix mit weiteren limbischen Strukturen verknüpft. Funktionell spielen sie eine Rolle bei emotionalen Prozessen und der Belohnungsverarbeitung.

Amygdala

Amygdala/Corpus amygdaloideum/amygdala

Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, welches mit Emotionen in Verbindung gebracht wird: es bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung. In diesem Zusammenhang wird sie auch durch Schmerzreize aktiviert und spielt eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung sensorischer Reize. Darüber hinaus ist sie an der Verknüpfung von Emotionen mit Erinnerungen, der emotionalen Lernfähigkeit sowie an sozialem Verhalten beteiligt. Die Amygdala – zu Deutsch Mandelkern – wird zum limbischen System gezählt. 

Homöostase

Homöostase/-/homeostasis

Die Homöostase ist die Fähigkeit eines Organismus, innere Bedingungen wie die des Stoffwechsels, der Körpertemperatur, des Blutdrucks usw. relativ konstant zu halten. Die Aufrechterhaltung der Homöostase wird vom autonomen Nervensystem gesteuert, der Mensch kann also willentlich nicht direkt auf seine Regulierung Einfluss nehmen.

Hippocampus

Hippocampus/Hippocampus/hippocampual formatio

Der Hippocampus ist der größte Teil des Archicortex und ein Areal im Temporallappen. Er ist zudem ein wichtiger Teil des limbischen Systems. Funktional ist er an Gedächtnisprozessen, aber auch an räumlicher Orientierung und Lernen beteiligt. Er umfasst das Subiculum, den Gyrus dentatus und das Ammonshorn mit seinen vier Feldern CA1-​CA4.

Veränderungen in der Struktur des Hippocampus durch Stress werden mit Schmerzchronifizierung in Zusammenhang gebracht. Der Hippocampus spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verstärkung von Schmerz durch Angst.

Kern

Kern/-/nucleus

In der Zellbiologie ist der Kern in einer Zelle der Zellkern, der unter anderem die Chromosomen enthält. In der Neuroanatomie bezeichnet der Kern im Nervensystem eine Ansammlung von Zellkörpern – im zentralen Nervensystem als graue Substanz, im peripheren als Ganglien bezeichnet.

GABA

GABA/-/GABA

GABA ist eine Aminosäure und der wichtigste inhibitorische, also hemmende Neurotransmitter, der bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen an deren Synapsen als Botenstoff dient.

Acetylcholin

Acetylcholin/-/acetylcholine

Acetylcholin ist einer der wichtigsten Neurotransmitter des Nervensystems. Im zentralen Nervensystem ist es an Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis beteiligt, im peripheren Nervensystem überträgt es die Erregung von Nerven auf Muskeln an den neuromuskulären Endplatten und steuert Prozesse des autonomen Nervensystems, also des sympathischen und parasympathischen Teils. Bereiche, in denen Acetylcholin als Botenstoff wirkt, werden cholinerg genannt. Es war der erste entdeckte Neurotransmitter, nachgewiesen 1921 von Otto Loewi am Herzen eines Frosches.

Erstveröffentlichung am 9. September 2011
Letzte Aktualisierung am 9. Oktober 2025

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