Das (a)moralische Gehirn

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Das amoralische Gehirn

Lieber egoistisch den eigenen Bedürfnissen folgen oder doch zum Wohle eines anderen handeln? Stehen moralische Entscheidungen an, fährt ein ganzes Netzwerk von Hirnarealen hoch. Und auch Hormone haben in ethischen Fragen ein Wörtchen mitzureden.

Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Kai Vogeley

Veröffentlicht: 21.05.2012

Das Wichtigste in Kürze
  • Bei moralischen Entscheidungen ist ein Netzwerk von Hirnregionen beteiligt.
  • Ein moralisches Zentrum gibt es nicht, auch exklusiv ethische Hirnareale scheinen nicht zu existieren.
  • Die Hirnregionen, die bei moralisch relevanten Aufgaben rekrutiert werden, unterscheiden sich nicht wesentlich von denen, die bei der Abschätzung sozialer Situationen oder dem Sichhineinversetzen in andere benötigt werden.
  • Hormone wie Oxytocin und Serotonin beeinflussen moralische Entscheidungen.
  • Bestimmte Genvarianten gehen mit antisozialem Verhalten einher.

Oxytocin

Oxytozin/-/oxytocin

Ein im Nucleus paraventricularis und im Nucleus supraopticus des Hypothalamus gebildetes Hormon, welches aus dem Hypophysenhinterlappen ins Blut ausgeschüttet wird. Es leitet bei der Geburt die Wehen ein und wird beim Stillen sowie beim Orgasmus ausgeschüttet. Es scheint die Paarbindung zu erhöhen und Vertrauen zu schaffen. Neuere Erkenntnisse weißen darauf hin, dass das oft als Kuschelhormon bezeichnete Oxytocin jedoch weitaus komplexer ist und seine Effekte auch eine Abgrenzung zur andern Gruppen (out-​groups) beinhalten.

Serotonin

Serotonin/-/serotonin

Ein Neurotransmitter, der bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen an deren Synapsen als Botenstoff dient. Er wird primär in den Raphé-​Kernen des Mesencephalons produziert und spielt eine maßgebliche Rolle bei Schlaf und Wachsamkeit, sowie der emotionalen Befindlichkeit.

Der 13. September 1848 sollte sein Leben und seine Persönlichkeit für immer verändern: Phineas Gage, ein 25-​jähriger Eisenbahnarbeiter, ist gerade dabei, eine Sprengung vorzubereiten. Doch das Pulver explodiert zu früh. Eine etwa ein Meter lange Eisenstange durchschlägt Gages Kopf und durchbohrt sein Stirnhirn. Wie durch ein Wunder überlebt er den Unfall. Die körperlichen Folgen halten sich in Grenzen.

Galt er allerdings zuvor als zuverlässig und verantwortungsbewusst, hatte er sich nach dem Unfall psychisch sehr verändert: „Das Gleichgewicht zwischen seinen geistigen Fähigkeiten und seinen animalischen Neigungen scheint zerstört zu sein“, schrieb sein behandelnder Arzt John Martyn Harlow. „Er ist launenhaft, respektlos, ergeht sich manchmal in den allergröbsten Flüchen (was vorher nicht seiner Gewohnheit entsprach) und zeigt nur wenig Achtung vor seinen Kollegen.“

Der berühmte Fall von Phineas Gage ist einer der ersten dokumentierten klinischen Belege, der einen fatalen Zusammenhang zwischen frontalen Hirnschädigungen und dem „Charakter“ einer Person mit den dazugehörigen moralischen Einstellungen zeigt: Funktionieren bestimmte Areale des Stirnhirns nicht wie sie sollten, kann das zu Impulsivität, Aggression und antisozialem Verhalten führen. In den letzten Jahren fahnden daher Neurowissenschaftler verstärkt im Gehirn nach den biologischen Wurzeln der Moral.

Gerne greifen sie dafür auf ethische Dilemmata aus der Philosophie zurück, etwa auf das so genannte Trolley-​Problem. In diesem Dilemma ist eine Straßenbahn (englisch „trolley“ genannt) im Begriff, fünf Personen zu überfahren. Durch Umstellen einer Weiche könnte man die Straßenbahn auf ein anderes Gleis umleiten. Die Sache hat nur einen Haken: Es hält sich dort eine weitere Person auf. Ist es nun moralisch vertretbar, das Leben eines Menschen zu opfern, um das von fünf Personen zu retten? Viele Menschen haben laut Studien keine Probleme damit, im wahrsten Sinne des Wortes die Weichen eines Lebens zu stellen. Vor einer Lösungsvariante schrecken sie allerdings zurück: Einen Menschen persönlich von einer Brücke auf die Gleise zu schubsen, um die anderen Personen vor dem Straßenbahnwagen zu retten.

Präfrontaler Cortex

Präfrontaler Cortex/-/prefrontal cortex

Der vordere Teil des Frontallappens, kurz PFC ist ein wichtiges Integrationszentrum des Cortex (Großhirnrinde): Hier laufen sensorische Informationen zusammen, werden entsprechende Reaktionen entworfen und Emotionen reguliert. Der PFC gilt als Sitz der exekutiven Funktionen (die das eigene Verhalten unter Berücksichtigung der Bedingungen der Umwelt steuern) und des Arbeitsgedächtnisses. Auch spielt er bei der Bewertung des Schmerzreizes eine entscheidende Rolle.

Präfrontaler Cortex

Präfrontaler Cortex/-/prefrontal cortex

Der vordere Teil des Frontallappens, kurz PFC ist ein wichtiges Integrationszentrum des Cortex (Großhirnrinde): Hier laufen sensorische Informationen zusammen, werden entsprechende Reaktionen entworfen und Emotionen reguliert. Der PFC gilt als Sitz der exekutiven Funktionen (die das eigene Verhalten unter Berücksichtigung der Bedingungen der Umwelt steuern) und des Arbeitsgedächtnisses. Auch spielt er bei der Bewertung des Schmerzreizes eine entscheidende Rolle.

Emotionale und rationale Hirnregionen

Genau in diese beiden vertrackten Situationen brachte der kognitive Neurowissenschaftler Joshua Greene von der Harvard University seine Probanden 2001 in einer viel zitierten Untersuchung. Für Greene und seine Kollegen besteht der kleine, aber feine Unterschied darin, dass es eine größere emotionale Anforderung bedeutet, einen Mitmenschen mit den eigenen Händen von der Brücke zu stoßen.

Bestätigung für diese Vermutung fanden sie mittels funktioneller Magnetresonanztomografie in der Aktivität bestimmter Regionen der Hirnrinde ihrer freiwilligen Versuchspersonen. Bei den „emotionalen“ moralischen Dilemmata regte sich unter anderem der mediale präfrontale Cortex vergleichsweise stärker. Diese Region verarbeitet Informationen, die mit der Regulation unserer Emotionen und der Abschätzung von sozialen Situationen und ihren Verläufen zu tun haben. Gleichzeitig hielten sich Regionen zurück, die beim rationalen Verarbeiten von Informationen ins Spiel kommen. Statt also kühl das Glück der Mehrheit „durchzurechnen“, geben in solchen Situationen offensichtlich Gefühle den Ausschlag für die Entscheidung, einen Mitmenschen nicht zu opfern.

Den rationalen Gegenpart fanden die Forscher im dorsolateralen präfrontalen Cortex Er ist für kognitive Kontrolle und problemlösendes Denken zuständig. Nach einer einflussreichen, aber nicht unumstrittenen Theorie von Joshua Greene steht er bei der Bearbeitung von moralischen Konflikten in einem Wettstreit mit dem medialen präfrontalen Cortex, um pragmatische Kosten-​Nutzen-​Entscheidungen durchzusetzen, die das Wohl Vieler über das Einzelner stellt.

Magnetresonanztomographie

Magnetresonanztomographie/-/magnetic resonance imaging

Ein bildgebendes Verfahren, das Mediziner zur Diagnose von Fehlbildungen in unterschiedlichen Geweben oder Organen des Körpers einsetzen. Die Methode wird umgangssprachlich auch Kernspin genannt. Sie beruht darauf, dass die Kerne mancher Atome einen Eigendrehimpuls besitzen, der im Magnetfeld seine Richtung ändern kann. Diese Eigenschaft trifft unter anderem auf Wasserstoff zu. Deshalb können Gewebe, die viel Wasser enthalten, besonders gut dargestellt werden. Abkürzung: MRT.

Cortex

Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex

Der Cortex cerebri, kurz Cortex genannt, bezeichnet die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2.

Präfrontaler Cortex

Präfrontaler Cortex/-/prefrontal cortex

Der vordere Teil des Frontallappens, kurz PFC ist ein wichtiges Integrationszentrum des Cortex (Großhirnrinde): Hier laufen sensorische Informationen zusammen, werden entsprechende Reaktionen entworfen und Emotionen reguliert. Der PFC gilt als Sitz der exekutiven Funktionen (die das eigene Verhalten unter Berücksichtigung der Bedingungen der Umwelt steuern) und des Arbeitsgedächtnisses. Auch spielt er bei der Bewertung des Schmerzreizes eine entscheidende Rolle.

Emotionen

Emotionen/-/emotions

Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler psychische Prozesse, die durch äußere Reize ausgelöst werden und eine Handlungsbereitschaft zur Folge haben. Emotionen entstehen im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.

Dorsolateraler PFC

Dorsolateraler präfrontaler Cortex/Cortex praefrontalis dorsolateralis/dorsolateral prefrontal cortex

Der dorsolaterale präfrontale Cortex ist der oben (dorsal) und seitlich (lateral) gelegene Teil des Stirnlappens. Er ist an der Planung und Regulation komplexer motorischer sowie intellektueller Handlungen beteiligt. Dazu scheint laut einem Experiment auch die Lüge zu gehören. Diese und weitere Fähigkeiten reguliert der dorsolaterale PFC in Abstimmung mit vielen weiteren Hirnbereichen, mit denen er eng verknüpft ist.

Netzwerk von „moralischen“ Hirnarealen

In den folgenden Jahren entdeckten Forscher auch noch weitere Hirnareale, die für moralische Beschlüsse bedeutsam sind. Der Übergangsbereich zwischen temporal und parietal gelegenen Cortexgebieten ist ebenfalls daran beteiligt, die Absichten und Bedürfnisse eines anderen zu verstehen. Neben cortikalen sind auch subcortikale Regionen und Komponenten des so genannten limbischen Systems beteiligt, das für das emotionale Erleben wichtig ist. Die Amygdala etwa fährt immer dann ihre Aktivität hoch, wenn moralische Emotionen im Spiel sind. Sie ist relevant für die Vorhersage, ob ein bestimmtes Verhalten anderen Menschen Schaden zufügt.

Letztlich gibt es aber kein ethisches oder moralisches Zentrum im Gehirn. „Bei moralischen Entscheidungen ist ein sehr großes, weit verteiltes Netzwerk beteiligt“, sagt Monika Sommer von der Universität Regensburg. „Die entsprechenden cortikalen Areale sind bei fast allen moralischen Beschlüssen aktiv“, so die Psychologin. „Limbische Strukturen wie die Amygdala regen sich hingegen nur dann verstärkt, wenn uns die moralische Aufgabe emotional berührt.“ Viele Forscher wundert die rege neuronale Beteiligung nicht. Sind doch ethische Entscheidungen eine hochkomplexe Angelegenheit, bei der man unter anderem soziale Regeln aufrufen und Handlungsalternativen im Arbeitsgedächtnis halten muss.

Es scheint nicht einmal exklusiv auf ethische Beschlüsse spezialisierte Hirnregionen zu geben, sagt Sommer. So überschneide sich das neuronale Netzwerk für moralische Entscheidungen mit dem Netzwerk für die so genannte „Theory of Mind“, also für die Fähigkeit, Annahmen über das innere Erleben, also die Gefühle, Gedanken oder Absichten anderer Menschen zu entwickeln. „Ich gehe daher davon aus, dass es ein Netzwerk im Gehirn gibt, das grundsätzlich in sozialen Situationen eine große Rolle spielt“, sagt Sommer. Moralische Entscheidungen seien davon zwar ein Sonderfall, unterschieden sich aber nicht hinsichtlich der Hirnregionen, die während moralischer Prozesse rekrutiert werden. Sommer selbst konnte 2010 gemeinsam mit Kollegen nachweisen, dass sich das „moralische“ Netzwerk nicht nur bei abstrakten, lebensfernen Problemen wie dem Trolley-​Dilemma regt, sondern auch bei alltäglichen moralischen Entscheidungen.

Amygdala

Amygdala/Corpus amygdaloideum/amygdala

Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, welches mit Emotionen in Verbindung gebracht wird: es bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung. In diesem Zusammenhang wird sie auch durch Schmerzreize aktiviert und spielt eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung sensorischer Reize. Die Amygdala – zu Deutsch Mandelkern – wird zum limbischen System gezählt.

Emotionen

Emotionen/-/emotions

Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler psychische Prozesse, die durch äußere Reize ausgelöst werden und eine Handlungsbereitschaft zur Folge haben. Emotionen entstehen im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.

Emotionen

Emotionen/-/emotions

Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler psychische Prozesse, die durch äußere Reize ausgelöst werden und eine Handlungsbereitschaft zur Folge haben. Emotionen entstehen im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.

Arbeitsgedächtnis

Arbeitsgedächtnis/-/working memory

Eine Form des Kurzzeitgedächtnisses. Es beinhaltet gerade aufgenommene Informationen und die Gedanken darüber, also Gedächtnisinhalte aus dem Langzeitgedächtnis, die mit den neuen Informationen in Verbindung gebracht werden. Das Konzept beinhaltet nach Alan Baddeley eine zentrale Exekutive, eine phonologische Schleife und ein visuell-​räumliches Notizbuch.

Hirnprozesse entwickeln sich

Was Eltern gewiss nicht überraschen wird: Die entsprechenden Hirnregionen entwickeln sich erst nach und nach im Laufe der Adoleszenz. Das fanden die Psychologin Carla Harenski und ihre Kollegen vom Mind Research Network in Albuquerque in New Mexico heraus. Sie nahmen 2012 die Fähigkeit unter die Lupe, die Perspektive und auch die Bedürfnisse anderer nachzuvollziehen. Je mehr sie ausgeprägt ist, desto wahrscheinlicher verhält man sich sozial und moralisch gegenüber den Mitmenschen. Tatsächlich war der für diese Fertigkeit wichtige Übergang zwischen temporalem und parietalem Cortex angesichts moralischer Entscheidungen bei älteren Erwachsenen aktiver als bei jungen Erwachsenen und Jugendlichen.

Wie das Gehirn letztlich in Sachen Moral „tickt“, beeinflussen auch Hormone. Oxytocin beispielsweise stärkt prosoziales Verhalten, indem es etwa Empathie, Vertrauen und Bindung fördert. Doch auch das im Volksmund als Glückshormon bekannte Serotonin scheint eine wichtige Rolle zu spielen. Menschen mit höherem Serotonin-​Spiegel lehnen eher ein für ihre Mitmenschen schädliches Verhalten ab. Zu diesem Ergebnis kamen 2010 Forscher um die Psychologin Molly Crockett von der University of Cambridge. Hirnstrukturen wie der ventromediale präfrontale Cortex und die Amygdala erhalten serotonergen Input. Das fördere offensichtlich die emotionale Abneigung dagegen, anderen zu schaden, vermuten die Wissenschaftler.

Cortex

Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex

Der Cortex cerebri, kurz Cortex genannt, bezeichnet die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2.

Oxytocin

Oxytozin/-/oxytocin

Ein im Nucleus paraventricularis und im Nucleus supraopticus des Hypothalamus gebildetes Hormon, welches aus dem Hypophysenhinterlappen ins Blut ausgeschüttet wird. Es leitet bei der Geburt die Wehen ein und wird beim Stillen sowie beim Orgasmus ausgeschüttet. Es scheint die Paarbindung zu erhöhen und Vertrauen zu schaffen. Neuere Erkenntnisse weißen darauf hin, dass das oft als Kuschelhormon bezeichnete Oxytocin jedoch weitaus komplexer ist und seine Effekte auch eine Abgrenzung zur andern Gruppen (out-​groups) beinhalten.

Serotonin

Serotonin/-/serotonin

Ein Neurotransmitter, der bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen an deren Synapsen als Botenstoff dient. Er wird primär in den Raphé-​Kernen des Mesencephalons produziert und spielt eine maßgebliche Rolle bei Schlaf und Wachsamkeit, sowie der emotionalen Befindlichkeit.

Präfrontaler Cortex

Präfrontaler Cortex/-/prefrontal cortex

Der vordere Teil des Frontallappens, kurz PFC ist ein wichtiges Integrationszentrum des Cortex (Großhirnrinde): Hier laufen sensorische Informationen zusammen, werden entsprechende Reaktionen entworfen und Emotionen reguliert. Der PFC gilt als Sitz der exekutiven Funktionen (die das eigene Verhalten unter Berücksichtigung der Bedingungen der Umwelt steuern) und des Arbeitsgedächtnisses. Auch spielt er bei der Bewertung des Schmerzreizes eine entscheidende Rolle.

Amygdala

Amygdala/Corpus amygdaloideum/amygdala

Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, welches mit Emotionen in Verbindung gebracht wird: es bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung. In diesem Zusammenhang wird sie auch durch Schmerzreize aktiviert und spielt eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung sensorischer Reize. Die Amygdala – zu Deutsch Mandelkern – wird zum limbischen System gezählt.

Gene als moralischer Einfluss

Einfluss auf die Hormone haben wiederum unsere Gene. Zwillings-​, Familien-​, und Adoptionsstudien zufolge hat das Erbgut neben der Umwelt ein gewichtiges Wörtchen mitzureden bei moralisch relevantem Verhalten. So geht etwa eine häufige Veränderung im Gen für das Enzym Monoaminoxidase A, das unter anderem Serotonin abbaut, mit antisozialem Verhalten einher. Die besagte Genvariante führt wahrscheinlich zu einer niedrigeren Enzymaktivität und so zu einem höheren Serotoninspiegel. Auch hier gibt es also einen erhöhten Hormon-​Spiegel, aber andere Auswirkungen. Wie kann das sein?

„Während der Hirnentwicklung vor der Geburt spielt Monoaminoxidase A eine wichtige Rolle“, sagt Andreas Meyer-​Lindenberg, Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, auf den vermeintlichen Widerspruch angesprochen. „Eine bestimmte Variante des Gens, das für dieses Enzym kodiert, sorgt für einen erhöhten Serotoninspiegel. Dies geht später mit erhöhter Ängstlichkeit und aggressivem Verhalten einher. Beim Erwachsenen ist der akute Effekt von Serotonin hingegen ein anderer: Er scheint prosoziales Verhalten zu fördern.“

Gen

Gen/-/gene

Informationseinheit auf der DNA. Den Kernbestandteil eines Gens übersetzen darauf spezialisierte Enzyme in so genannte Ribonukleinsäure (RNA). Während manche Ribonukleinsäuren selbst wichtige Funktionen in der Zelle ausführen, geben andere die Reihenfolge vor, in der die Zelle einzelne Aminosäuren zu einem bestimmten Protein zusammenbauen soll. Das Gen liefert also den Code für dieses Protein. Zusätzlich gehören zu einem Gen noch regulatorische Elemente auf der DNA, die sicherstellen, dass das Gen genau dann abgelesen wird, wenn die Zelle oder der Organismus dessen Produkt auch wirklich benötigen.

Gen

Gen/-/gene

Informationseinheit auf der DNA. Den Kernbestandteil eines Gens übersetzen darauf spezialisierte Enzyme in so genannte Ribonukleinsäure (RNA). Während manche Ribonukleinsäuren selbst wichtige Funktionen in der Zelle ausführen, geben andere die Reihenfolge vor, in der die Zelle einzelne Aminosäuren zu einem bestimmten Protein zusammenbauen soll. Das Gen liefert also den Code für dieses Protein. Zusätzlich gehören zu einem Gen noch regulatorische Elemente auf der DNA, die sicherstellen, dass das Gen genau dann abgelesen wird, wenn die Zelle oder der Organismus dessen Produkt auch wirklich benötigen.

Serotonin

Serotonin/-/serotonin

Ein Neurotransmitter, der bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen an deren Synapsen als Botenstoff dient. Er wird primär in den Raphé-​Kernen des Mesencephalons produziert und spielt eine maßgebliche Rolle bei Schlaf und Wachsamkeit, sowie der emotionalen Befindlichkeit.

zum Weiterlesen:

  • Crockett, M.J. et al: Serotonin selectively influences moral judgment and behavior through effects on harm aversion. PNAS. 2010; 107(40):17433 – 17438 (zum Abstract).
  • Harenski, C. et al: Neural development of mentalizing in moral judgment from adolescence to adulthood. Dev Cogn Neurosci. 2012; 2(1):162 – 173 (zum Abstract).
  • Meet Phineas Gage, URL: http://​bright​bytes​.com/​p​h​i​n​e​a​s​gage/ [Stand: 03.2010]; zur Webseite.
  • Sommer, M. et al: How should I decide? The neural correlates of everyday moral reasoning. Neuropsychologia. 2010; 48(7):2018 – 2026 (zum Abstract).

Serotonin

Serotonin/-/serotonin

Ein Neurotransmitter, der bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen an deren Synapsen als Botenstoff dient. Er wird primär in den Raphé-​Kernen des Mesencephalons produziert und spielt eine maßgebliche Rolle bei Schlaf und Wachsamkeit, sowie der emotionalen Befindlichkeit.

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