Alkmaion – Pionier der experimentellen Hirnforschung

Alkmaion – Pionier der experimentellen Hirnforschung

Er war wohl der Erste, der Tiere sezierte, um dem Gehirn seine Geheimnisse zu entlocken: Der antike Philosoph Alkmaion von Kroton begründete die wissenschaftliche Hirnforschung.

Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Georg W. Kreutzberg

Veröffentlicht: 28.01.2014

Mancher mag sich verwundert die Augen reiben, aber die Geschichte der wissenschaftlichen Hirnforschung beginnt tatsächlich bereits bei den antiken Griechen. Und zwar im 6. Jahrhundert v. Chr. Zu diesem Zeitpunkt betont der griechische Naturphilosoph Alkmaion von Kroton die entscheidende Rolle des Gehirns für die menschliche Erkenntnis: „Das Gehirn ist es, das die Wahrnehmungen des Hörens, Sehens und Riechens gestattet; aus diesen entstehen Gedächtnis und Vorstellung, aus Gedächtnis und Vorstellung aber, wenn sie sich gesetzt haben und zur Ruhe gekommen sind, bildet sich das Wissen.“

Für uns mag das heute selbstverständlich klingen, damals war es das in keiner Weise. Immerhin gab es in der Antike lange Zeit eine Kontroverse, ob das Gehirn oder nicht eher das Herz der Sitz des Denkens und Empfindens ist.

Über die Person Alkmaion wissen wir nur wenig: Er lebte im späten 6. und frühen 5. Jahrhundert v. Chr. und “war jung, als Pythagoras alterte”. Mit diesem hatte er vermutlich enge Beziehungen, und beide lebten in Kroton, dem heutigen Crotone – Süditalien war zu dieser Zeit von Griechen besiedelt. Ob Alkmaion tatsächlich Pythagoräer war, ist nicht eindeutig zu belegen. Wie sie glaubte er an die Unsterblichkeit der Seele und das Göttliche der Sterne. Doch die pythagoräische Zahlenlehre taucht bei ihm überhaupt nicht auf. Dass er allerdings Arzt war, daran gibt es kaum Zweifel. Und als solcher leistete er bahnbrechende Arbeit!

Auge

Augapfel/Bulbus oculi/eye bulb

Das Auge ist das Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Lichtreizen – von elektromagnetischer Strahlung eines bestimmten Frequenzbereiches. Das für den Menschen sichtbare Licht liegt im Bereich zwischen 380 und 780 Nanometer.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Anatom der ersten Stunde

Alkmaion gilt als Anatom der ersten Stunde. In der Antike eilte ihm der Ruf voraus, derjenige zu sein, “der es zuerst gewagt hat, eine Sektion vorzunehmen.” Zumindest experimentierte er mit toten Tieren und schnitt ihnen die Augäpfel heraus. Dabei entdeckte er die Stränge der Sehnerven, die vom Auge zum Gehirn führen und die er als hohle, “lichtbringende” Kanäle betrachtete. Denn er beschreibt die “zwei schmalen Wege, die vom Gehirn aus, in dem die höchste und entscheidende Kraft der Seele wurzelt, zu den Höhlungen der Augen gehen”.

Damit gebührt Alkmaion nicht nur die Ehre, den ersten Hirnnerven der Geschichte entdeckt zu haben: den Nervus opticus (nach anatomischer Zählung der II. Hirnnerv). Er erkannte auch das Gehirn als Zentralorgan aller Sinneswahrnehmung. Diese litten, wie Theophrast Alkmaion zitiert, “Schaden, wenn dieses (das Gehirn) erschüttert wurde und seine Lage verändert”. Dass Alkmaion ebenso der Meinung war, die Riechempfindung käme zustande, weil wir die Atemluft bis hoch zum Gehirn ziehen, ist zwar nicht völlig korrekt, aber für seine Zeit erstaunlich modern.

Nicht zuletzt erkannte Alkmaion ganz zutreffend, dass eine mechanische Einwirkung – ein Schlag – auf die Augen zu einer visuellen Sinnesempfindung führen kann, zur Wahrnehmung von Lichteffekten, von Photomen, oder alltagssprachlich: von “Sternchen”. Alkmaion selbst formulierte, dass das “Feuer im Auge Funken” sprühe. Mit heutigem Wissen ergibt das mehr Sinn, als damals für die antiken Griechen – die Sehrinde verarbeitet die Impulse der Sehsinneszellen auf die einzig mögliche Art.

Man kann Alkmaion also mit Fug und Recht als Pionier der visuellen Naturphysiologie betrachten. Denn seine Erkenntnisse beruhten nicht nur auf purer philosophischer Spekulation, sondern auf empirischen Experimenten.

Auge

Augapfel/Bulbus oculi/eye bulb

Das Auge ist das Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Lichtreizen – von elektromagnetischer Strahlung eines bestimmten Frequenzbereiches. Das für den Menschen sichtbare Licht liegt im Bereich zwischen 380 und 780 Nanometer.

Auge

Augapfel/Bulbus oculi/eye bulb

Das Auge ist das Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Lichtreizen – von elektromagnetischer Strahlung eines bestimmten Frequenzbereiches. Das für den Menschen sichtbare Licht liegt im Bereich zwischen 380 und 780 Nanometer.

Hirnnerv

Hirnnerv/-/cranial nerve

Eine Gruppe von 12 paarigen Nerven, die direkt am Gehirn entspringen, meist am Hirnstamm. Sie werden mit römischen Ziffern (I – XII) nummeriert. Der erste und der zweite Hirnnerv (Riech– und Sehnerv) sind im eigentlichen Sinn keine Nerven sondern Teile des Gehirns.

Hirnnerv

Hirnnerv/-/cranial nerve

Eine Gruppe von 12 paarigen Nerven, die direkt am Gehirn entspringen, meist am Hirnstamm. Sie werden mit römischen Ziffern (I – XII) nummeriert. Der erste und der zweite Hirnnerv (Riech– und Sehnerv) sind im eigentlichen Sinn keine Nerven sondern Teile des Gehirns.

Wahrnehmung

Wahrnehmung/Perceptio/perception

Der Begriff beschreibt den komplexen Prozess der Informationsgewinnung und –verarbeitung von Reizen aus der Umwelt sowie von inneren Zuständen eines Lebewesens. Das Gehirn kombiniert die Informationen, die teils bewusst und teils unbewusst wahrgenommen werden, zu einem subjektiv sinnvollen Gesamteindruck. Wenn die Daten, die es von den Sinnesorganen erhält, hierfür nicht ausreichen, ergänzt es diese mit Erfahrungswerten. Dies kann zu Fehlinterpretationen führen und erklärt, warum wir optischen Täuschungen erliegen oder auf Zaubertricks hereinfallen.

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