Drei Fronten gegen Demenz

Bild aus Video "das alternde Gehirn"
Autor: Nora Schultz

Dem geistigen Verfall ein Schnippchen schlagen? Mit Spaziergängen, Mittelmeerkost und gutem Lesestoff stehen die Chancen nicht schlecht.

Wissenschaftliche Betreuung: Peter Falkai

Veröffentlicht: 29.04.2013

Das Wichtigste in Kürze
  • Bewegung kann das Risiko einer Demenz um ein Viertel senken, das für die Alzheimer-Krankheit sogar halbieren.
  • Training hilft sogar noch, wenn der geistige Verfall bereits eingesetzt hat.
  • In Sachen Ernährung hat sich die mediterrane Diät als bester Schutzfaktor für das alternde Gehirn herausgestellt. Alkohol darf in Maßen genossen werden, das Rauchen ist schädlich für den Kopf.
  • Bestimmte Risikogene, die der Mensch ererbt hat, begünstigen eine Demenz. Andere Gene können als Schutzfaktoren wirken.
  • Bildung, lange Berufstätigkeit, eine stabile Beziehung und intakte soziale Netzwerke gehören zu den sozialen Faktoren, die einer Demenz entgegenwirken.

Demenz

Demenz/Dementia/dementia

Demenz ist ein erworbenes Defizit kognitiver, aber auch sozialer, motorischer und emotionaler Fähigkeiten. Die bekannteste Form ist Alzheimer. „De mentia“ bedeutet auf Deutsch „ohne Geist“.

Morbus Alzheimer

Morbus Alzheimer, Alzheimer-Krankheit/Morbus Alzheimer/Alzheimer's desease

Bislang unheilbare Form der Demenz, erstmals beschrieben von dem deutschen Psychiater Alois Alzheimer 1906. Zu den Symptomen gehören anfangs eine milde Vergesslichkeit und Orientierungsstörungen. Später kommt es zum Beispiel zu Sprachveränderungen und Gedächtnisverlust. Die Ursache ist noch unklar, es kommt jedoch zu pathologischen Eiweißablagerungen sowohl zwischen als auch in den Zellen. Betroffen sind corticale Areale.

Gen

Gen/-/gene

Informationseinheit auf der DNA. Den Kernbestandteil eines Gens übersetzen darauf spezialisierte Enzyme in so genannte Ribonukleinsäure (RNA). Während manche Ribonukleinsäuren selbst wichtige Funktionen in der Zelle ausführen, geben andere die Reihenfolge vor, in der die Zelle einzelne Aminosäuren zu einem bestimmten Protein zusammenbauen soll. Das Gen liefert also den Code für dieses Protein. Zusätzlich gehören zu einem Gen noch regulatorische Elemente auf der DNA, die sicherstellen, dass das Gen genau dann abgelesen wird, wenn die Zelle oder der Organismus dessen Produkt auch wirklich benötigen.

Vaskulär oder Alzheimer?

Neben der Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer – Hans Förstl) sind gefäßbedingte Hirnschädigungen die häufigste Ursache von Demenz im Alter. Der Fachausdruck dafür lautet vaskuläre Demenz. Krankhafte Veränderungen der Blutgefäße führen zu Durchblutungsstörungen im Gehirn, vor allem in der weißen Substanz. Häufig kommt es zu Gangstörungen. Die vaskuläre Demenz kann auch zusammen mit der Alzheimer-Demenz auftreten.

Morbus Alzheimer

Morbus Alzheimer, Alzheimer-Krankheit/Morbus Alzheimer/Alzheimer's desease

Bislang unheilbare Form der Demenz, erstmals beschrieben von dem deutschen Psychiater Alois Alzheimer 1906. Zu den Symptomen gehören anfangs eine milde Vergesslichkeit und Orientierungsstörungen. Später kommt es zum Beispiel zu Sprachveränderungen und Gedächtnisverlust. Die Ursache ist noch unklar, es kommt jedoch zu pathologischen Eiweißablagerungen sowohl zwischen als auch in den Zellen. Betroffen sind corticale Areale.

Demenz

Demenz/Dementia/dementia

Demenz ist ein erworbenes Defizit kognitiver, aber auch sozialer, motorischer und emotionaler Fähigkeiten. Die bekannteste Form ist Alzheimer. „De mentia“ bedeutet auf Deutsch „ohne Geist“.

vaskulär

vaskulär/-/vascular

Der Begriff bezeichnet Gefäße im Körper, in denen Flüssigkeiten wie Blut oder Lymphe zirkulieren. Im engeren Sinne fassen Mediziner das Netzwerk aus Venen, Arterien und Kapillaren als „vaskuläres System“ zusammen. Wenn das vaskuläre System – etwa in Folge eines Schlaganfalls – blockiert ist, gelangt weniger Blut ins Gehirn. Es wird also mit weniger Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgt. Dies kann zur Beeinträchtigung kognitiver Funktionen und zur Ausprägung einer „vaskulären Demenz“ führen. Nach degenerativen Demenzerscheinungen wie Alzheimer bildet die vaskuläre Demenz die zweithäufigste Form dieser Krankheitsgruppe.

Der Weg in eine Demenz ist oft langsam und schleichend. „Soweit wir wissen, besteht die einzige Möglichkeit, die Krankheit sicher zu verhindern, in einem frühen Tod“, schrieb Terry Pratchett, der Autor der Scheibenwelt-​Romane, ein Jahr nach seiner Demenzdiagnose. Tatsächlich gibt es bis heute kein Heilmittel gegen die Demenz, gängige Medikamente können den geistigen Verfall nur ein bis eineinhalb Jahre aufhalten.

Die Suche nach Wegen, die Krankheit zu verhindern oder zumindest zu verzögern, läuft dennoch auf Hochtouren. Und zum Glück gibt es gute Nachrichten. Die Liste der potenziellen Schutzmaßnahmen gegen Demenz wächst. Es sind vor allem drei Fronten, an denen sich der vorbeugende Kampf gegen das Vergessen führen lässt: in den Beinen, im Bauch und natürlich im Kopf.

Demenz

Demenz/Dementia/dementia

Demenz ist ein erworbenes Defizit kognitiver, aber auch sozialer, motorischer und emotionaler Fähigkeiten. Die bekannteste Form ist Alzheimer. „De mentia“ bedeutet auf Deutsch „ohne Geist“.

Schutz durch Spazierengehen

Wer seinen Körper auf Trab hält, kann das Demenzrisiko insgesamt um ein Viertel reduzieren und das Alzheimerrisiko sogar knapp halbieren. Das ergab eine Metaanalyse, eine zusammenfassende Auswertung von 16 prospektiven Studien, in denen bei insgesamt 163.797 Menschen der Zusammenhang zwischen ihrer körperlichen Aktivität und der Entwicklung einer Demenzerkrankung untersucht worden war.

Bereits regelmäßige Spaziergänge tragen dazu bei, das Gehirn im Alter fit zu halten. Ungefähr zwei bis vier Kilometer am Tag senken das Demenzrisiko deutlich, sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Schon bevor es zu einer Demenzdiagnose kommt, unterscheiden Spaziergänger sich von sesshafteren Altersgenossen, zeigen Hirnscans. Alte Menschen, die mindestens zehn bis 15 Kilometer pro Woche zu Fuß unterwegs waren, hatten neun Jahre später mehr graue Hirnsubstanz. Vier Jahre später wurden dieselben Probanden auf kognitive Beeinträchtigungen und Demenz untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen mit mehr grauer Substanz im präfrontalen Cortex, Hippocampus und Motorcortex geistig fitter waren. „Ab zehn Prozent Verlust der Gehirnsubstanz messen wir kognitive Beeinträchtigungen, und drei Prozent können allein durch regelmäßige Bewegung bewahrt werden“, sagt der Neurologe Paul Thompson, der an der Studie beteiligt war.

Thompson glaubt, dass eine Schutzwirkung durch Bewegung vor allem durch eine verbesserte Durchblutung erklärbar ist. In der Tat haben zahlreiche Studien an Tier und Mensch gezeigt, dass Bewegung die Blutversorgung des Gehirns verbessert, Entzündungswerte senkt und außerdem zur Ausschüttung von Botenstoffen führt, die sich günstig auf die Bildung neuer Nervenzellen und die synaptische Plastizität im Gehirn auswirken können: Neue Nervenverbindungen entstehen, die das Gehirn auch strukturell bis zu einem gewissen Grad regenerieren können. (Weise Greise)

Ein Zusammenhang zwischen Bewegungsmangel und späterer Demenz lässt sich schon ab spätestens dem mittleren Lebensalter nachweisen. Wissenschaftler empfehlen deshalb eine frühzeitige Umstellung auf einen aktiveren Lebensstil. Interventionsstudien zeigen jedoch, dass mehr Sport auch noch im hohen Alter und sogar bei bereits begonnenem kognitivem Verfall eine schützende Wirkung entfalten kann.

Demenz

Demenz/Dementia/dementia

Demenz ist ein erworbenes Defizit kognitiver, aber auch sozialer, motorischer und emotionaler Fähigkeiten. Die bekannteste Form ist Alzheimer. „De mentia“ bedeutet auf Deutsch „ohne Geist“.

Hippocampus

Hippocampus/Hippocampus/hippocampual formatio

Der Hippocampus ist der größte Teil des Archicortex und ein Areal im Temporallappen. Er ist zudem ein wichtiger Teil des limbischen Systems. Funktional ist er an Gedächtnisprozessen, aber auch an räumlicher Orientierung beteiligt. Er umfasst das Subiculum, den Gyrus dentatus und das Ammonshorn mit seinen vier Feldern CA1-​CA4.

Veränderungen in der Struktur des Hippocampus durch Stress werden mit Schmerzchronifizierung in Zusammenhang gebracht. Der Hippocampus spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verstärkung von Schmerz durch Angst.

Primärer motorischer Cortex

Primärer motorischer Cortex/-/primary motor cortex

Ein Areal des Frontallappens in der Vorderwand der Zentralfurche. Er gilt als übergeordnete Steuereinheit, zuständig für willkürliche — und Feinmotorik. Hier sitzen die Zellkörper der zentralen Motoneurone, deren Axone zu den Basalganglien, zu zahlreichen Kerngebieten im Hirnstamm und zum Rückenmark ziehen. Nur im primären motorischen Cortex kommen die Betz-​Riesenzellen vor, besonders große Motoneurone, deren Axone ohne vorherige synaptische Umschaltung direkt zu den Motoneuronen im Vorderhorn des Rückenmarks ziehen.

Neuron

Neuron/-/neuron

Das Neuron ist eine Zelle des Körpers, die auf Signalübertragung spezialisiert ist. Sie wird charakterisiert durch den Empfang und die Weiterleitung elektrischer oder chemischer Signale.

Plastizität

Plastizität/-/neuroplasticity

Der Begriff beschreibt die Fähigkeit von Synapsen, Nervenzellen und ganzen Hirnarealen, sich abhängig vom Grad ihrer Nutzung zu verändern. Mit synaptischer Plastizität ist die Eigenschaft von Synapsen gemeint, ihre Erregbarkeit auf die Intensität der Reize einzustellen, die sie erreichen. Daneben unterliegen auch Größe und Vernetzungsgrad unterschiedlicher Hirnbereiche einem Wandel, der von ihrer jeweiligen Aktivität abhängt. Dieses Phänomen bezeichnen Neurowissenschaftler als corticale Plastizität.

Essen gegen das Vergessen

Gleich mehrere Optionen, einer Demenz vorzubeugen, eröffnen sich auch in der Küche. Zu den kulinarischen Schutzfaktoren gegen Alzheimer-​Demenz, die einer kritischen Überprüfung am ehesten standhalten, gehören ein mediterran inspirierter Speiseplan mit viel Gemüse, Obst, Fisch und Olivenöl, niedriger Alkoholkonsum – am besten in Form von Rotwein – sowie das B-​Vitamin Folsäure, das in grünen Blattgemüsen, Eigelb und Nüssen vorkommt. Inzwischen häufen sich die Indizien, dass auch der Verzicht auf Junkfood das Demenzrisiko deutlich senken könnte: Insbesondere sollte man weniger Zucker und andere stark verarbeitete Kohlenhydrate zu sich nehmen.Hinter den beobachteten Zusammenhängen zwischen Ernährung und Demenz stecken mehrere mögliche Mechanismen: Folsäure und andere B-​Vitamine zum Beispiel senken die Werte der Aminosäure Homocystein, die im Übermaß Blutgefäße schädigen und so zu Demenzerkrankungen beitragen kann.

Vitamin C und E in Gemüse und Obst, Flavonoide in Rotwein und Omega3-​Fettsäuren in Fisch wirken als Antioxidantien. Sie fangen freie Radikale ein, reaktive Moleküle, die Zellschäden verursachen und so ebenfalls eine Demenz fördern können. Zu den Antioxidantien gehört übrigens auch Koffein. Und tatsächlich: Studien deuten darauf hin, dass regelmäßige Kaffeetrinker, die drei bis fünf Tassen pro Tag genießen oder einen hohen Koffeinspiegel im Blut haben, ein um bis zu 65 Prozent reduziertes Demenzrisiko haben.

Die Verbindung zwischen Junkfood und Demenz erschließt sich, wenn man bedenkt, dass der geistige Verfall mit anderen ernährungsbedingten Volkskrankheiten auch die frühen Risikosymptome teilt: mit Bluthochdruck und Übergewicht. Bluthochdruck wird vermutlich durch ein Übermaß an Salz und Zucker mit verursacht, ein zu geringer Anteil an gesundem Fett in der Nahrung spielt ebenfalls eine Rolle, und – nicht zu vergessen – die genetische Ausstattung. Bluthochdruck schädigt die Gefäße und erhöht so das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Immer mehr Daten deuten inzwischen darauf hin, dass für das Demenzrisiko Ähnliches gilt. Eine bildgebende Studie der Gehirne von 579 gesunden Erwachsenen im durchschnittlichen Alter von 39 Jahren ergab kürzlich, dass erhöhter Blutdruck mit Störungen in der weißen Hirnsubstanz korreliert (siehe Kasten „Vaskulär oder Alzheimer?“).

Übergewicht, insbesondere um die Körpermitte, ist ebenfalls ein Risikofaktor für Bluthochdruck. Auch hier kann eine genetische Veranlagung vorliegen. Zudem besteht eine Verbindung zwischen Übergewicht und einem gestörten Insulinstoffwechsel, der zu Typ-​II-​Diabetes führen kann. Die Zellen von Typ-​II-​Diabetes-​Patienten reagieren nicht mehr angemessen auf das Hormon Insulin, das normalerweise Zucker aus dem Blut in Zellen schleust; sie sind insulinresistent. Deshalb haben Diabetiker erhöhte Mengen von sowohl Zucker als auch Insulin im Blut, was wiederum zu Gefäßschädigungen und so zu Demenz beitragen kann.

Insulin spielt aber auch im Gehirn selbst wichtige Rollen. Zum Beispiel sorgt es für die Energieversorgung und die Plastizität von Neuronen, das Wachstum neuer Blutgefäße und die Regulierung von Signalprozessen, die wiederum für Lern– und Erinnerungsprozesse wichtig sind. Und Insulinresistenz im Gehirn kann über mehrere molekulare Zwischenschritte zu Entzündungsprozessen, Plaquebildung und Demenz führen, sagt Suzanne de la Monte vom Rhode Island Hospital. Sie bezeichnet die Alzheimer-​Demenz, zu der die von ihr untersuchten Insulinstoffwechselsymptome im Gehirn am besten passen, daher auch als „Typ-​III-​Diabetes“ oder „Hirndiabetes“.

Auch die Zigarette nach dem Essen lohnt es sich zu verkneifen. Denn Rauchen erhöht das Demenzrisiko ebenfalls deutlich. Laut einer Metaanalyse haben Raucher ein 80 Prozent höheres Risiko, an Alzheimer-​Demenz oder vaskulärer Demenz zu erkranken. Für Kettenraucher steigt das Risiko auf mehr als das Doppelte, und selbst Passivrauchen erhöht dosisabhängig das Risiko, schwere Demenzsymptome zu entwickeln.

Demenz

Demenz/Dementia/dementia

Demenz ist ein erworbenes Defizit kognitiver, aber auch sozialer, motorischer und emotionaler Fähigkeiten. Die bekannteste Form ist Alzheimer. „De mentia“ bedeutet auf Deutsch „ohne Geist“.

Schlaganfall

Schlaganfall/Apoplexia cerebri/stroke

Bei einem Schlaganfall werden das Gehirn oder Teile davon zeitweilig nicht mehr richtig mit Blut versorgt. Dadurch kommt es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und dem Energieträger Glukose. Häufigster Auslöser des Schlafanfalls ist eine Verengung der Arterien. Zu den häufigsten Symptomen zählen plötzliche Sehstörungen, Schwindel sowie Lähmungserscheinungen. Als Langzeitfolgen können verschiedene Arten von Gefühls– und Bewegungsstörungen auftreten. In Deutschland ging 2006 jeder dritte Todesfall auf einen Schlaganfall zurück.

Hormon

Hormon/-/hormone

Hormone sind chemische Botenstoffe im Körper. Sie dienen der meist langsamen Übermittlung von Informationen, in der Regel zwischen dem Gehirn und dem Körper, z.B. der Regulation des Blutzuckerspiegels. Viele Hormone werden in Drüsenzellen gebildet und in das Blut abgegeben. Am Zielort, z.B einem Organ, docken sie an Bindestellen an und lösen Prozesse im Inneren der Zelle aus. Hormone haben eine breitere Wirkung als Neurotransmitter, sie können verschiedene Funktionen in vielen Zellen des Körpers beeinflussen.

Plastizität

Plastizität/-/neuroplasticity

Der Begriff beschreibt die Fähigkeit von Synapsen, Nervenzellen und ganzen Hirnarealen, sich abhängig vom Grad ihrer Nutzung zu verändern. Mit synaptischer Plastizität ist die Eigenschaft von Synapsen gemeint, ihre Erregbarkeit auf die Intensität der Reize einzustellen, die sie erreichen. Daneben unterliegen auch Größe und Vernetzungsgrad unterschiedlicher Hirnbereiche einem Wandel, der von ihrer jeweiligen Aktivität abhängt. Dieses Phänomen bezeichnen Neurowissenschaftler als corticale Plastizität.

Plaques

senile Plaques/-/senile plaques

Senile Plaques lagern sich in der grauen Hirnsubstanz ab, wenn ein Eiweiß – das so genannte Amyloid-​Vorläuferprotein – nicht korrekt abgebaut wird. Entzündungen sowie Erkrankungen des Fett– oder des Zuckerstoffwechsels können die Plaquebildung begünstigen. Im Schnitt erreichen die Ablagerungen einen Durchmesser von 50 Mikrometern. Das Auftreten von Plaques ist eine von mehreren anatomischen Veränderungen im Gehirn, anhand derer Pathologen nach dem Tod eine Alzheimer-​Erkrankung diagnostizieren können.

Denken gegen Demenz

Die dritte Strategie, einer Demenz vorzubeugen, zielt auf den Kopf. Hier zeigt sich: Wer rastet, der rostet tatsächlich. Geistige Trägheit hat sich als robuster Risikofaktor für eine spätere Demenz herausgestellt. Also auf zum Hirnjogging? Wenn es darum geht, Geld und Hoffnung in kommerziell erwerbliche Trainingsprogramme zu investieren, eher nein, lautet der Konsens von 30 Forschern, denn solche Denksportsoftware erwies sich bislang als weitgehend wirkungslos.

In einer großen britischen Studie beispielsweise verbesserte Hirnjogging zwar erfolgreich die jeweils konkret geübten Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit oder Kurzzeitgedächtnis. Übertragbare Effekte für die kognitive Leistung insgesamt blieben hingegen aus. Mehr Erfolg versprechen einige Forscher sich künftig von einer geschickten, auf den jeweiligen Nutzer zugeschnittenen Kombination von Trainingsmodulen, um gerade bei Senioren, die schon unter leichter kognitiver Beeinträchtigung leiden, die Entwicklung einer vollen Demenz abzuwenden. Dabei werden vor allem Alltagsfähigkeiten trainiert.

Zum Glück gibt es auch ohne maßgeschneiderte Hirntrainer bereits jetzt viele Möglichkeiten, den Geist mit angenehmem Zeitvertreib fit zu halten. Deutlich nachweisen lässt sich vor allem ein positiver Zusammenhang zwischen einer guten Ausbildung und einem geringeren Demenzrisiko. Trotz schwindender Hirnmasse und vielen Plaques (für Alzheimer typischen Ablagerungen im Gehirn) bleiben höher gebildete Menschen häufig lange kognitiv normal und entgehen über viele Jahre einer Demenz. Die Freude am Denken, die Menschen zur Bildung motiviert, so vermuten Forscher, schafft eine sogenannte kognitive Reserve, die das Gehirn befähigt, mit größerer Flexibilität und Plastizität auf beginnende Schäden zu reagieren und so Funktionen zu erhalten.

Zur kognitiven Reserve können viele Merkmale beitragen, die mit erhöhter geistiger Aktivität einhergehen: ein langes Berufsleben mit komplexen Aufgaben, die Pflege von stimulierenden Hobbys wie Lesen, Puzzeln und Kartenspielen, die Fähigkeit, Ziele motiviert zu verfolgen, und Zweisprachigkeit. Auch Zufriedenheit, soziale Geborgenheit und Stressvermeidung können wichtig Schutzfaktoren gegen Demenz sein. Gute soziale Netzwerke und das Leben in einer festen Beziehung sind mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden. Depression, soziale Instabilität und emotional traumatische Ereignisse wie zum Beispiel der Verlust eines Partners oder der Tod eines Elternteils während der Kindheit erhöhen im Alter die Demenzgefahr.

Nicht alle externen Risikofaktoren lassen sich also vermeiden: Soziale Benachteiligung oder ein schweres Schicksal begünstigen eine Demenz; so ungerecht ist das Leben. Persönliche Prävention kann ein erhöhtes Demenzrisiko aber zumindest mildern – und bietet zusätzlich Schutz vor anderen Volksleiden wie Herz-​Kreislauf-​Krankheiten und Diabetes. Also runter von der Couch, ran an die frischen Leckereien und rein ins anregende Freizeitvergnügen, am besten gemeinsam mit Familie und Freunden.

Demenz

Demenz/Dementia/dementia

Demenz ist ein erworbenes Defizit kognitiver, aber auch sozialer, motorischer und emotionaler Fähigkeiten. Die bekannteste Form ist Alzheimer. „De mentia“ bedeutet auf Deutsch „ohne Geist“.

Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit/-/attention

Aufmerksamkeit dient uns als Werkzeug, innere und äußere Reize bewusst wahrzunehmen. Dies gelingt uns, indem wir unsere mentalen Ressourcen auf eine begrenzte Anzahl von Bewusstseinsinhalten konzentrieren. Während manche Stimuli automatisch unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, können wir andere kontrolliert auswählen. Unbewusst verarbeitet das Gehirn immer auch Reize, die gerade nicht im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen.

Kurzzeitgedächtnis

Kurzzeitgedächtnis/-/short-term memory

Als Kurzzeitgedächtnis wird eine Art Zwischenspeicher des Gehirns bezeichnet, in dem Informationen mehrere Minuten lang behalten werden können. Der Umfang ist mit 7±2 Informationseinheiten (Chunks) sehr begrenzt. Dies können beispielsweise Zahlen, Buchstaben oder Wörter sein.

Plaques

senile Plaques/-/senile plaques

Senile Plaques lagern sich in der grauen Hirnsubstanz ab, wenn ein Eiweiß – das so genannte Amyloid-​Vorläuferprotein – nicht korrekt abgebaut wird. Entzündungen sowie Erkrankungen des Fett– oder des Zuckerstoffwechsels können die Plaquebildung begünstigen. Im Schnitt erreichen die Ablagerungen einen Durchmesser von 50 Mikrometern. Das Auftreten von Plaques ist eine von mehreren anatomischen Veränderungen im Gehirn, anhand derer Pathologen nach dem Tod eine Alzheimer-​Erkrankung diagnostizieren können.

Plastizität

Plastizität/-/neuroplasticity

Der Begriff beschreibt die Fähigkeit von Synapsen, Nervenzellen und ganzen Hirnarealen, sich abhängig vom Grad ihrer Nutzung zu verändern. Mit synaptischer Plastizität ist die Eigenschaft von Synapsen gemeint, ihre Erregbarkeit auf die Intensität der Reize einzustellen, die sie erreichen. Daneben unterliegen auch Größe und Vernetzungsgrad unterschiedlicher Hirnbereiche einem Wandel, der von ihrer jeweiligen Aktivität abhängt. Dieses Phänomen bezeichnen Neurowissenschaftler als corticale Plastizität.

Emotionen

Emotionen/-/emotions

Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler psychische Prozesse, die durch äußere Reize ausgelöst werden und eine Handlungsbereitschaft zur Folge haben. Emotionen entstehen im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.

zum Weiterlesen:

  • Cadar D et al: The Role of Lifestyle Behaviors on 20-​Year Cognitive Decline. J Aging Res. 2012; 2012: 304014. (zum Text)
  • Hughes T et al: Engagement in reading and hobbies and risk of incident dementia: The MoVIES Project. Am J Alzheimers Dis Other Demen. 2010 August; 25(5): 432 – 438. (zum Text)
  • Rosebud, RO: Relative Intake of Macronutrients Impacts Risk of Mild Cognitive Impairment or dementia. J Alzheimers Dis. 2012 January 1; 32(2): 329 – 339. (zum Text)
  • Ruthirakuhan M et al: Use of Physical and Intellectual Activities and Socialization in the Management of Cognitive Decline of Aging and in Dementia: A Review. J Aging Res. 2012; 2012: 384875. (zum Text)
  • Vorbeugungsempfehlungen der Alzheimer Forschung Initiative e.V. [Stand: 04.04.2013]; zur Webseite.
  • Rat und Hilfe am Telefon und Informationsbroschüren gibt es bei der Deutschen Alzheimergesellschaft: http//www.deutsche-alzheimer.de [Stand: 04.04.2013] zur Webseite.
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