Ratgeber: Lernen lernen

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Lernen Ratgeber

Lernen will gelernt sein: Wann fange ich an? Wie motiviere ich mich? Wie behalte ich den Lernstoff besser? Dieser Ratgeber gibt ein paar grundlegende Tipps. Probieren Sie aus, welche Ihnen am meisten bringen.

Wissenschaftliche Betreuung: Boris Suchan

Veröffentlicht: 10.05.2013

Das Wichtigste in Kürze

Lernen will gelernt sein. Dabei können folgende Tipps helfen:

  • Aufraffen: Ein Lernplan gibt Starthilfe
  • Sich selbst motivieren: Belohnungen spornen an
  • Richtigen Zeitpunkt auswählen: Wann es sich am besten lernt
  • Themen wiederholen: Damit das Gelernte auch im Langzeitgedächtnis ankommt
  • Kein Last-Minute-Lernen: Am Tag vor der Prüfung nicht Neues mehr anfangen
  • Lernpausen einlegen: Ein Nickerchen gibt neue Kraft
  • Sport: Bewegung bringt auch das Gehirn auf Trab
  • Eselsbrücken: Kein Umweg, sondern Abkürzung
  • Karteikarten: Bunte Zettel fürs Lernen zwischendurch
  • Richtige Lern-Umgebung: Der nicht zu unterschätzende Wohlfühl-Faktor
  • Prüfungssituation durchspielen: Die Generalprobe
  • Lernen im Schlaf: Kein Witz, sondern wichtig

Langzeitgedächtnis

Langzeitgedächtnis/-/long-term memory

Ein relativ stabiles Gedächtnis über Ereignisse, die in der etwas entfernteren Vergangenheit passiert sind. Im Langzeitgedächtnis werden Inhalte zeitlich nahezu unbegrenzt gespeichert. Unterschiedliche Gedächtnisinhalte liegen in unterschiedlichen Gehirn-​Arealen. Die zelluläre Grundlage für diese Lernprozesse beruht auf einer verbesserten Kommunikation zwischen zwei Zellen und wird Langzeitpotentierung genannt.

Lernen mit allen Sinnen

Der deutsche  Biochemiker Frederic Vester postulierte 1975 in dem Buch „Denken, Lernen, Vergessen“ vier Lerntypen: auditiv, visuell, haptisch und intellektuell. Pädagogen halten diese Unterscheidung für nicht mehr zeitgemäß. Wenn überhaupt, solle man eher von Lernstilen sprechen, weil ein Stil lediglich Verhaltensweisen beschreibt. Josef Kraus vom Deutschen Lehrerverband meint, Lerntypen kämen ohnehin nicht in Reinform vor, deswegen sollten Schüler ihre Lernstrategie lieber der Situation entsprechend variieren. Dazu gehört auch, beim Lernen möglichst alle Sinne anzusprechen. Hier ein paar Tipps dazu:

  • Hören: Saugen Sie Informationen mit Ihren Ohren auf! Lesen Sie sich vor, was Sie lernen möchten. Beschreiben Sie Diagramme statt diese anzuschauen. Sie können auch Vokabeln mit einem Rekorder aufnehmen und sich die eingesprochene Vokabelliste dann mehrfach anhören.
  • Sehen: Lernen Sie mit Skizzen, in denen Informationen übersichtlich und sinnvoll angeordnet sind. Probieren Sie auch mal Lernposter aus, sozusagen Karteikarten im XXL-Format. Und wenn Sie den Lernstoff noch einmal abschreiben, bleiben die Informationen noch besser im Gedächtnis.
  • Fühlen: Begreifen Sie wortwörtlich, was Sie verstehen und lernen möchten. „Learning by doing“ hilft da besonders gut. Vokabeln können Sie zum Beispiel mit Buchstaben-Steinen eines „Scrabble“-Spiels lernen. Und wenn der Lernstoff kein Material zum Anfassen bietet, dann hilft vielleicht ein Knetball in der Hand.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Lerngruppen

Eine Lerngruppe motiviert, erhöht die Selbstdisziplin und hilft, wenn man den Lernstoff nicht versteht. Wichtig ist, dass alle Mitglieder der Lerngruppe sich absprechen: Arbeitsziele festlegen, Erwartungen abstimmen, regelmäßige Termine ausmachen und dass es legitim ist, Störenfriede und unzuverlässige Mitglieder aus der Gruppe auszuladen.

Für die Gruppenarbeit gibt es verschiedene Methoden: So kann jeder zu Hause das gesamte Thema erarbeiten und in der Gruppe fragt man sich gegenseitig ab und bespricht Probleme. Oder jeder erarbeitet ein Teilgebiet und gibt dann den anderen in der Gruppe einen Überblick, so dass am Ende alle alles gehört haben.

Manche Prüfung geht schief, weil Schüler und Studenten nicht gelernt haben, wie man lernt (Angst essen Leistung auf). So weit muss es nicht kommen. Folgen Sie unserem Schnellkurs in Sachen Lernstrategie.

Aufraffen: Ein Lernplan gibt Starthilfe

Der Anfang einer Lernphase ist nicht die erste auswendig gelernte Karteikarte, sondern ein Lernplan! Überlegen Sie sich, wann Sie sich wie viel Zeit fürs Lernen nehmen können, wie viele verschiedene Fächer geprüft werden und wie viel Stoff Sie lernen müssen. Tragen Sie dann in den Plan ein, was Sie wann wie lange lernen möchten. Takten Sie die Lern-​Einheiten aber nicht zu eng: Stress verschlechtert nämlich den Lern-​Erfolg (Wie Stress das Lernen verschlechtert). Und Freizeit braucht man auch in Lernphasen. Sport, Musikunterricht und Zeit mit Freunden machen den Kopf frei für die nächste Lernrunde.

Wichtig: Themen, vor denen Sie sich am meisten fürchten, sollten Sie möglichst als Erstes angehen. Dann vertrödeln Sie nicht wertvolle Zeit und Energie mit Lernstoff, der Ihnen eh leicht fällt.
Vergessen Sie auch nicht: Haken Sie jede erfolgreich beendete Einheit auf Ihrem Lernplan ab. So behalten Sie den Überblick, wie gut Sie in der Zeit liegen. Und ein Häkchen kann einen großen Belohnungseffekt haben.

Sich selbst motivieren: Belohnung und Wecker spornen an

„Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“ Das schrieb Johann Wolfgang von Goethe in „Wilhelm Meisters Wanderjahre“. Um sich zu motivieren, hilft es, sich eine Belohnung zu überlegen: eine Tasse Kaffee, eine Runde durch den Park, ein Schwatz mit der Freundin, egal. Auch Geld kann dafür sorgen, dass das Gelernte länger im Gedächtnis bleibt, ergab ein Experiment an der Universität Magdeburg.

Studierende sollten sich Bilder von Gegenständen und Lebewesen anschauen und dabei eine Aufgabe lösen. Jedem zweiten Versuchsteilnehmer wurde von Anfang an in Aussicht gestellt: Wenn die Aufgabe richtig gelöst wird, dann gibt es etwas Geld. Zu ihrer Überraschung bekamen die Studierenden ein paar Minuten später noch einmal Zeichnungen zu sehen. Jetzt sollten sie angeben, welche Bilder wiederholt wurden und welche neu waren. Drei Wochen später bekamen die Probanden erneut Zeichnungen gezeigt. Nun sollten sie sagen, welche komplett neu waren und welche sie im ersten und welche im zweiten Durchgang bereits gesehen hatten. Das Ergebnis: Die Versuchsteilnehmer mit Aussicht auf einen Obolus schnitten wesentlich besser ab. Weil die Versuchsteilnehmer die Aufgaben im Kernspintomografen gelöst hatten, konnten die Forscher erkennen: Der Hippocampus war aktiver, wenn man gerade ein Bild sah, an das man sich später noch erinnern würde. Der Hippocampus ist wichtig, um Informationen vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis zu transportieren.

Selbst ein Wecker kann einen Motivationsschub auslösen, empfehlen manche Zeitmanagement-​Trainer: Man überlegt sich, wie viel Zeit man realistisch für eine Aufgabe braucht, und stellt entsprechend einen Wecker, sei es nun mit dem Handy oder einer Eieruhr. Dann legt man los und lernt – immer mit dem Ziel vor Augen: Ich bin fertig, bevor der Wecker klingelt. Wissenschaftlich gesichert ist die Methode nicht, aber vielleicht einen Versuch wert.

Aber bitte motivieren oder belohnen Sie sich nicht mit einem Joint. Marihuana stört nämlich das Gedächtnis (Wie Marihuana das Gedächtnis stört).

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Kernspintomograf

Kernspintomograf/-/magnetic resonance scanner

Ein Gerät, das Mediziner für die Magnetresonanztomografie (MRT) einsetzen. Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren zur Diagnose von Fehlbildungen in unterschiedlichen Geweben oder Organen des Körpers. Insbesondere Körperbestandteile, die viel Wasser enthalten, lassen sich mit dieser Methode gut darstellen. Patienten werden dafür in eine Röhre (Scanner) geschoben und einem starken Magnetfeld ausgesetzt. Sie bekommen aber keine Röntgenstrahlen oder andere Formen ionisierender Strahlung ab.

Hippocampus

Hippocampus/Hippocampus/hippocampual formatio

Der Hippocampus ist der größte Teil des Archicortex und ein Areal im Temporallappen. Er ist zudem ein wichtiger Teil des limbischen Systems. Funktional ist er an Gedächtnisprozessen, aber auch an räumlicher Orientierung beteiligt. Er umfasst das Subiculum, den Gyrus dentatus und das Ammonshorn mit seinen vier Feldern CA1-​CA4.

Veränderungen in der Struktur des Hippocampus durch Stress werden mit Schmerzchronifizierung in Zusammenhang gebracht. Der Hippocampus spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verstärkung von Schmerz durch Angst.

Kurzzeitgedächtnis

Kurzzeitgedächtnis/-/short-term memory

Als Kurzzeitgedächtnis wird eine Art Zwischenspeicher des Gehirns bezeichnet, in dem Informationen mehrere Minuten lang behalten werden können. Der Umfang ist mit 7±2 Informationseinheiten (Chunks) sehr begrenzt. Dies können beispielsweise Zahlen, Buchstaben oder Wörter sein.

Langzeitgedächtnis

Langzeitgedächtnis/-/long-term memory

Ein relativ stabiles Gedächtnis über Ereignisse, die in der etwas entfernteren Vergangenheit passiert sind. Im Langzeitgedächtnis werden Inhalte zeitlich nahezu unbegrenzt gespeichert. Unterschiedliche Gedächtnisinhalte liegen in unterschiedlichen Gehirn-​Arealen. Die zelluläre Grundlage für diese Lernprozesse beruht auf einer verbesserten Kommunikation zwischen zwei Zellen und wird Langzeitpotentierung genannt.

Auge

Augapfel/Bulbus oculi/eye bulb

Das Auge ist das Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Lichtreizen – von elektromagnetischer Strahlung eines bestimmten Frequenzbereiches. Das für den Menschen sichtbare Licht liegt im Bereich zwischen 380 und 780 Nanometer.

Richtigen Zeitpunkt auswählen: Wann es sich am besten lernt

Dem Biorhythmus zufolge haben Menschen im Laufe eines Tages zwei Leistungshochs: vormittags und spätnachmittags. Manch einer kann aber nachts am besten lernen. Deswegen: Notieren Sie sich zu Beginn einer Lernphase mehrmals am Tag, wie fit und konzentriert Sie sich gerade fühlen. So erkennen Sie Ihre persönliche Leistungskurve. Nach dieser können Sie sich dann richten: In Phasen mit hoher Konzentration lernt sich neuer Stoff am einfachsten; und ein Leistungstief nutzen Sie am besten, um etwas bereits Gelerntes zu wiederholen.

Themen wiederholen: Damit das Gelernte auch im Langzeitgedächtnis ankommt

Auch wenn es langweilig erscheint: Wiederholen Sie den Lernstoff mehrmals. Damit Informationen ins Langzeitgedächtnis gelangen, kommt es nämlich nicht darauf an, wie lange etwas gelernt wird – sondern wie oft. Die Wiederholungen verbessern die Kommunikation zwischen zwei Nervenzellen. Experten sprechen bei diesem Mechanismus von Langzeitpotenzierung (Lernen von Zelle zu Zelle).

Langzeitgedächtnis

Langzeitgedächtnis/-/long-term memory

Ein relativ stabiles Gedächtnis über Ereignisse, die in der etwas entfernteren Vergangenheit passiert sind. Im Langzeitgedächtnis werden Inhalte zeitlich nahezu unbegrenzt gespeichert. Unterschiedliche Gedächtnisinhalte liegen in unterschiedlichen Gehirn-​Arealen. Die zelluläre Grundlage für diese Lernprozesse beruht auf einer verbesserten Kommunikation zwischen zwei Zellen und wird Langzeitpotentierung genannt.

Neuron

Neuron/-/neuron

Das Neuron ist eine Zelle des Körpers, die auf Signalübertragung spezialisiert ist. Sie wird charakterisiert durch den Empfang und die Weiterleitung elektrischer oder chemischer Signale.

Langzeitpotenzierung

Langzeitpotenzierung/-/long-term potention

Die Langzeitpotenzierung ist die zelluläre Grundlage für Lernen und Gedächnisbildung. Sie beruht auf einer verbesserten Kommunikation zwischen zwei Zellen, man spricht von einer Stärkung der Verbindung. Diese Stärkung kann z.B. durch eine Vergrößerung der Verbindungsstelle, einen Einbau neuer Kanäle oder einer vermehrten Ausschüttung von Transmittern (Botenstoffen) erfolgen.

Kein Last-​Minute-​Lernen: Am Tag vor der Prüfung nichts Neues mehr anfangen

Last-​Minute-​Lernen am Tag vor einer Prüfung bringe kaum etwas: Davon sind Wissenschaftler überzeugt. Da werde das Gehirn nur mit vielen neuen Fakten zugeschüttet und habe keine Zeit, diese Informationen im Gedächtnis festzusetzen. Am Tag vor der Prüfung ist es am sinnvollsten, die Unterlagen nur durchzublättern, um sich Schlagwörter und Zahlen noch einmal zu vergegenwärtigen.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Lernpausen einlegen: Ein Nickerchen gibt neue Kraft

Wenn das Gehirn stundenlang das Gleiche lernen soll, schaltet es irgendwann ab: Es ist nicht mehr offen für neue Informationen. (»>Warum brauchen wir Lernpausen?) Deswegen sollten Sie regelmäßig Lernpausen einlegen. Das heißt aber nicht, dass Sie alle fünf Minuten E-​Mails checken sollen. Sinnvoller ist Power Napping: Ein Nickerchen von zehn bis 20 Minuten erholt und gibt zugleich Kraft für die nächste Lernrunde.

Sport: Bewegung bringt auch das Gehirn auf Trab

Auch Sport gehört zum Lernen dazu: Bei der Bewegung werden Stresshormone abgebaut und Gute-​Laune-​Hormone wie Endorphine ausgeschüttet. Die Bewegung sorgt zudem dafür, dass das Gehirn besser durchblutet wird. Das erhöht wiederum die Konzentrationsfähigkeit. Und der Botenstoff Dopamin, der die Bewegungen koordiniert, aktiviert auch das Arbeitsgedächtnis.

Endorphine

Endorphine/-/endorphins

Abkürzung für endogene Morphine, also für Morphine, die vom Körper selbst gebildet werden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Unterdrückung und Linderung von Schmerzen. Auch an Euphorie (Hochgefühl) sind sie beteiligt.

Arbeitsgedächtnis

Arbeitsgedächtnis/-/working memory

Eine Form des Kurzzeitgedächtnisses. Es beinhaltet gerade aufgenommene Informationen und die Gedanken darüber, also Gedächtnisinhalte aus dem Langzeitgedächtnis, die mit den neuen Informationen in Verbindung gebracht werden. Das Konzept beinhaltet nach Alan Baddeley eine zentrale Exekutive, eine phonologische Schleife und ein visuell-​räumliches Notizbuch.

Eselsbrücken: Kein Umweg, sondern Abkürzung

Wer sich Eselsbrücken baut, setzt sich intensiver mit dem Thema auseinander. Das verstärkt den Lerneffekt. Und in der Prüfung lassen sich die Informationen mit der Eselsbrücke leichter abrufen. Vor allem für Namenslisten und Zahlen eignen sich Eselsbrücken.

Aber Vorsicht! Manche Merksätze sind nicht mehr ganz zeitgemäß, wie zum Beispiel dieser: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten.“ Der Anfangsbuchstabe jedes Wortes liefert den Anfangsbuchstaben für einen Planeten unseres Sonnensystems, vom innersten bis zum äußersten: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Aber seit Mitte 2006 zählt Pluto nicht mehr als Planet!

Karteikarten: Bunte Zettel fürs Lernen zwischendurch

Bilder bleiben besser im Gedächtnis als Text. Und wenn man sich mit einem Thema intensiv auseinandersetzt, statt nur auswendig zu lernen, bleibt auch mehr hängen. Das sind zwei Gründe, die für Karteikarten sprechen. Je nach Fach und Vorlieben können sie unterschiedlich aussehen. Geht es um Definitionen und Info-​Häppchen, dann bieten sich Karteikarten in der Größe eines Kartenspiels an: Auf die Vorderseite kommt die Frage und gegebenenfalls auch eine Eselsbrücke; auf der Rückseite steht dann die Antwort. Soll man aber zum Beispiel molekularbiologische Prozesse lernen, eignen sich eher Fließschemata auf Karten im Format DIN A4 oder A5. Arbeiten Sie ruhig mit Farben und Symbolen. Notieren Sie zum Beispiel alle Enzyme in einer Farbe und die Namen der chemischen Reaktionen in einer anderen Farbe. Schauen Sie schließlich auf die Karteikarten, wann immer Sie ein paar Minuten Leerlauf haben, etwa an der Bushaltestelle.

Hilfreich bei allen Karteikarten: Notieren Sie auf der Vorderseite ganz oben das Fach und das Oberthema. Nummerieren Sie die Karten gerne auch durch. Das ist dann wie ein Inhaltsverzeichnis und hilft, wenn sich mal verschiedene Karteikarten-​Sets vermischt haben.

Mittlerweile gibt es auch digitale Karteikarten. Doch gerade für Menschen, die gern visuell lernen (siehe Kasten „Lernen mit allen Sinnen“), ist es sinnvoll, Karteikarten selbst zu gestalten.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Richtige Lern-​Umgebung: Der nicht zu unterschätzende Wohlfühl-​Faktor

Man muss nicht in aller Stille am Schreibtisch sitzen, um zu lernen. Bibliothek, Garten, ganz woanders: Wo Sie sich wohl fühlen, lernen Sie auch leichter. Der Arbeitsplatz sollte aber aufgeräumt sein. Unordnung könnte ablenken und im Kopf für unnötiges Chaos sorgen.

Was Musik angeht, sind sich Forscher uneinig. Einerseits haben verschiedene Studien ergeben: Musik kann wie eine Eselsbrücke funktionieren und so helfen, später Informationen leichter abzurufen. Andererseits haben andere Studien ergeben, dass Musik beim Lernen stört. In einem Experiment zum Beispiel zeigte sich, dass man am wenigsten von einem Text behalten konnte, wenn beim Lesen laute und schnelle Musik zu hören war. Probieren Sie selbst aus, ob Sie mit Instrumentalmusik oder mit Gesang, mit Radio oder mit Stille besser lernen.

Prüfungssituation durchspielen: Die Generalprobe

Zum Lernen gehört nicht nur, die Fakten zu pauken. Man sollte sich auch mit der Prüfungssituation vertraut machen. Scheuen Sie sich also nicht davor, sich abfragen zu lassen. Bitten Sie Freunde oder jemanden aus der Familie. Oder diskutieren Sie mit Mitschülern oder Kollegen über den Prüfungsstoff. So können Sie testen, ob Sie alles verstanden und korrekt gelernt haben.

Lernen im Schlaf: Kein Witz, sondern wichtig

Dieser Tipp ist vielleicht der wichtigste Ratschlag überhaupt: Schlafen Sie genug! Nur beim Schlafen gelangen Informationen vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis. Das haben mehrere Studien bereits belegt. Die zu lernenden Informationen werden im Hippocampus zwischengespeichert und erst während einer bestimmten Schlaf-​Phase in die Hirnrinde weitergegeben und somit auch ins Langzeitgedächtnis (Lernen im Schlaf). Es kann also sinnvoll sein, abends auf der Bettkante noch einmal das tagsüber Gelernte zu überfliegen und so den Zwischenspeicher aufzufrischen. Dann schlafen Sie erst einmal eine Nacht darüber. Ein unbequemes Buch unter dem Kissen brauchen Sie dann auch nicht mehr.

Kurzzeitgedächtnis

Kurzzeitgedächtnis/-/short-term memory

Als Kurzzeitgedächtnis wird eine Art Zwischenspeicher des Gehirns bezeichnet, in dem Informationen mehrere Minuten lang behalten werden können. Der Umfang ist mit 7±2 Informationseinheiten (Chunks) sehr begrenzt. Dies können beispielsweise Zahlen, Buchstaben oder Wörter sein.

Langzeitgedächtnis

Langzeitgedächtnis/-/long-term memory

Ein relativ stabiles Gedächtnis über Ereignisse, die in der etwas entfernteren Vergangenheit passiert sind. Im Langzeitgedächtnis werden Inhalte zeitlich nahezu unbegrenzt gespeichert. Unterschiedliche Gedächtnisinhalte liegen in unterschiedlichen Gehirn-​Arealen. Die zelluläre Grundlage für diese Lernprozesse beruht auf einer verbesserten Kommunikation zwischen zwei Zellen und wird Langzeitpotentierung genannt.

Hippocampus

Hippocampus/Hippocampus/hippocampual formatio

Der Hippocampus ist der größte Teil des Archicortex und ein Areal im Temporallappen. Er ist zudem ein wichtiger Teil des limbischen Systems. Funktional ist er an Gedächtnisprozessen, aber auch an räumlicher Orientierung beteiligt. Er umfasst das Subiculum, den Gyrus dentatus und das Ammonshorn mit seinen vier Feldern CA1-​CA4.

Veränderungen in der Struktur des Hippocampus durch Stress werden mit Schmerzchronifizierung in Zusammenhang gebracht. Der Hippocampus spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verstärkung von Schmerz durch Angst.

Cortex

Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex

Der Cortex cerebri, kurz Cortex genannt, bezeichnet die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2.

zum Weiterlesen:

  • Blog von Prof. Dr. Werner Heister über Tipps und Tricks beim Lernen; URL: www​.lern​tech​niken​.info [Stand: 08.05.2013], zur Webseite
  • Großes Diskussionsforum zu Abi-​Themen; URL: http://​www​.abi​u​nity​.de [Stand: 08.05.2013], zur Webseite
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2 Kommentare

Stefan Keller 20.01.2017
Den Nutzen von Lerngruppen wage ich in Zweifel zu ziehen. Dafür, dass man den Lehrstoff versteht, ist man selbst verantwortlich, und jeder hat seinen eigenen Zugang zu einem komplexen Wissenssystem. Und schließlich: Kommilitonen oder Studienkollegen sind auch Konkurrenten. In das Prüfungsergebnis fließt nicht ein, wie gut ich anderen dabei geholfen habe, den Stoff zu verstehen.

Arvid Leyh 20.01.2017
Konkurrenzdruck klingt desillusionierend.

Aber erwiesenermaßen eine der besten Methoden, etwas zu lernen ist tatsächlich, es zu lehren. Das braucht interessiertes Publikum.

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