Formen des Gedächtnisses

Gedächtnis, das ist mehr als unsere persönlichen Erinnerungen. Auch Fakten und Fertigkeiten werden im Gehirn gespeichert – auf unterschiedliche Art und Weise und an verschiedenen Orten.

Wissenschaftliche Betreuung: Hans J. Markowitsch

Veröffentlicht: 21.07.2011

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Langzeitgedächtnis wird in mehrere Gedächtnisformen unterteilt, die unterschiedliche Inhalte abspeichern.
  • Das deklarative Gedächtnis besteht aus persönlichen Erinnerungen, episodisches Gedächtnis genannt, und dem Faktenwissen des semantischen Gedächtnisses.
  • Zum nicht-deklarativen Gedächtnis gehören Fertigkeiten wie Laufen, Schreiben oder Fahrradfahren, aber auch erlernte Ängste oder Konditionierungen.
  • Neben dem Langzeitgedächtnis gibt es das Arbeitsgedächtnis, das Inhalte kurzzeitig speichert, etwa beim Lösen von Rechenaufgaben.

Langzeitgedächtnis

Langzeitgedächtnis/-/long-term memory

Ein relativ stabiles Gedächtnis über Ereignisse, die in der etwas entfernteren Vergangenheit passiert sind. Im Langzeitgedächtnis werden Inhalte zeitlich nahezu unbegrenzt gespeichert. Unterschiedliche Gedächtnisinhalte liegen in unterschiedlichen Gehirn-​Arealen. Die zelluläre Grundlage für diese Lernprozesse beruht auf einer verbesserten Kommunikation zwischen zwei Zellen und wird Langzeitpotentierung genannt.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Die magische Zahl Sieben

Wahrscheinlich weiß jeder aus Erfahrung: Das Arbeitsgedächtnis ist äußerst störanfällig. Schon eine kleine Ablenkung genügt, und man vergisst, was man sich merken wollte. Zudem ist der Speicherplatz sehr klein. Wer es testen will, versuche, sich diese Zahlenfolge einzuprägen: 8-4-10-9-0. Kein Problem?! Jetzt diese: 3-6-7-0-9-0-2-10-2-6. Unmöglich?! Keine Sorge, das ist normal. Denn die meisten Menschen können gleichzeitig nur sieben plus / minus zwei Informationseinheiten im Kurzzeitgedächtnis präsent halten – „the Magical Number Seven“, wie es der amerikanische Gedächtnisforscher George A. Miller, der diese Tatsache wissenschaftlich nachwies, nannte.

Arbeitsgedächtnis

Arbeitsgedächtnis/-/working memory

Eine Form des Kurzzeitgedächtnisses. Es beinhaltet gerade aufgenommene Informationen und die Gedanken darüber, also Gedächtnisinhalte aus dem Langzeitgedächtnis, die mit den neuen Informationen in Verbindung gebracht werden. Das Konzept beinhaltet nach Alan Baddeley eine zentrale Exekutive, eine phonologische Schleife und ein visuell-​räumliches Notizbuch.

Kurzzeitgedächtnis

Kurzzeitgedächtnis/-/short-term memory

Als Kurzzeitgedächtnis wird eine Art Zwischenspeicher des Gehirns bezeichnet, in dem Informationen mehrere Minuten lang behalten werden können. Der Umfang ist mit 7±2 Informationseinheiten (Chunks) sehr begrenzt. Dies können beispielsweise Zahlen, Buchstaben oder Wörter sein.

Priming

Manchmal erkennt man bekannte Reize schneller wieder, wenn vorher ein anderer Reiz implizite Gedächtnisinhalte aktiviert hat. Man spricht in solchen Fällen in der Psychologie vom positivem Priming. Ein klassisches Beispiel hierfür ist etwa ein Versuch aus den siebziger Jahren: Die Probanden sahen nur kurz Bilder von Gegenständen, etwa das Bild eines Laibes Brot, und mussten diese anschließend korrekt benennen. Dies gelang den Beteiligten nur zu etwa 40 Prozent. Wurde ihnen aber vorher das Bild einer Küche gezeigt, konnten sie Bilder, die mit dieser Umgebung zu tun hatten, zu etwa 80 Prozent korrekt benennen. Auch das Erkennen von Melodien durch einzelne Töne ist eine Form des Primings. Wenn ein Reiz das Wiedererkennen späterer Reize verschlechtert, spricht man von negativem Priming.

Priming

Priming/-/priming

Als Priming bezeichnet man die Beeinflussung von Reaktionen bzw. von Gedächtnisinhalten durch Vorerfahrung. Dies geschieht meist unbewusst: Ein Reiz wird einer Versuchsperson unterhalb der Wahrnehmungsschwelle präsentiert. Obwohl die Versuchsperson diesen Reiz – ein Wort, ein Symbol auf dem Bildschirm – nicht bewusst wahrnimmt, beeinflusst er doch die weitere Verarbeitung.

Was bedeutet eigentlich „Gedächtnis“? Die Erinnerung an das erste Date? An das letzte Mal, dass man einen guten Freund gesehen hat? Den Geruch beim ersten Ausflug ans Meer? – Die meisten Menschen haben solche Eindrücke vor Augen, wenn sie das Wort Gedächtnis hören. Aber tatsächlich hat der Mensch mehrere Arten von Gedächtnis, die ganz verschiedene Aufgaben erfüllen.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Der Film unseres Lebens

Unsere persönlichen Erinnerungen an einzelne Ereignisse und Erlebnisse nennen Forscher das episodische oder autobiographische Gedächtnis. Hier ist der Film des Lebens abgespeichert, mit uns als Hauptdarsteller: Unsere peinlichsten Patzer, unsere glücklichsten Momente, Familienfeste, Schulabschluss, Hochzeitstag, Beerdigungen und alles dazwischen. Diese Erinnerungen haben einen klaren räumlichen und zeitlichen Bezug, wir können sie mehr oder weniger genau in eine Zeitleiste einfügen.

Das ist beim semantischen Gedächtnis anders. Es umfasst das gesamte Faktenwissen, das ein Mensch im Laufe seines Lebens anhäuft, also sein Allgemeinwissen. Die meisten Menschen wissen, dass die Hauptstadt von Frankreich Paris ist. In der Regel erinnern sie sich aber nicht daran, wann, wo und von wem sie diese Tatsache das erste Mal gehört haben. Häufig handelt es sich auch gar nicht um ein einziges Lernereignis. Wer im Französisch-​Unterricht Vokabeln oder im Erdkunde-​Unterricht Hauptstädte auswendig lernen musste, hat die mitunter bittere Erfahrung gemacht, dass meist mehr als ein Anlauf nötig ist, um ein Wort, eine Hauptstadt oder einen anderen Fakt abzuspeichern.

Dagegen ist, was im episodischen Gedächtnis abgespeichert wird, ein Erlebnis, das an einem bestimmten Ort stattgefunden hat. Der kanadische Psychologe Endel Tulving hat den Unterschied auf folgende Formel gebracht: Das episodische Gedächtnis seien Informationen, an die wir uns „erinnern“, das semantische Gedächtnis speichere Informationen, die wir „wissen“.

In einzelnen Fällen zeigen Menschen mit einem beschädigten Hippocampus aber ein weitgehend unbeeinträchtigtes semantisches Gedächtnis, obwohl ihr episodisches Gedächtnis überhaupt nicht mehr funktioniert. So kannte selbst Henry Molaison, der wohl bekannteste Amnesie-​Patient der Welt, die Namen einiger Persönlichkeiten, die erst berühmt wurden, nachdem sein Hippocampus in einer Operation entfernt worden war. Wie genau er diese Informationen abspeichern konnte, ist bis heute nicht geklärt. Der Mann ohne Gedächtnis

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Hippocampus

Hippocampus/Hippocampus/hippocampual formatio

Der Hippocampus ist der größte Teil des Archicortex und ein Areal im Temporallappen. Er ist zudem ein wichtiger Teil des limbischen Systems. Funktional ist er an Gedächtnisprozessen, aber auch an räumlicher Orientierung beteiligt. Er umfasst das Subiculum, den Gyrus dentatus und das Ammonshorn mit seinen vier Feldern CA1-​CA4.

Veränderungen in der Struktur des Hippocampus durch Stress werden mit Schmerzchronifizierung in Zusammenhang gebracht. Der Hippocampus spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verstärkung von Schmerz durch Angst.

Wissen, dass wir etwas wissen

Langfristig abgelegt werden beide Arten von Informationen nach derzeitigem Kenntnisstand in der Hirnrinde, dem Cortex. Daran sind vor allem die Frontallappen und die Temporallappen beteiligt. Für die Speicherung neuer episodischer Informationen ist jedoch der Hippocampus von entscheidender Bedeutung. So verlieren Menschen mit einer Schädigung des Hippocampus die Fähigkeit, neue autobiographische Gedächtnisinhalte in bleibende Erinnerungen zu überführen: Sie leiden unter einer Amnesie. Die Anatomie des Vergessens

Episodisches und semantisches Gedächtnis haben eine weitere wichtige Gemeinsamkeit: In beiden Fällen ist uns bewusst, dass wir etwas wissen. Ob es um die eigene Hochzeit, die Amtszeit von Bundespräsident Walter Scheel oder den Weg zur nächsten Bäckerei geht: Menschen wissen, ob sie sich an etwas erinnern. Und sie können es auf ganz unterschiedliche Weisen mitteilen: Den Weg zum Bäcker etwa kann man erklären, aufschreiben, aufmalen, obwohl man all dies möglicherweise noch nie gemacht hat. Darum werden das episodische und das semantische Gedächtnis zusammen häufig als explizites oder deklaratives Gedächtnis bezeichnet.

Cortex

Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex

Der Cortex cerebri, kurz Cortex genannt, bezeichnet die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2.

Frontallappen

Frontallappen/Lobus frontalis/frontal lobe

Der frontale Cortex ist der größte der vier Lappen der Großhirnrinde und entsprechend umfassend sind seine Funktionen. Der vordere Bereich, der so genannte präfrontale Cortex, ist für komplexe Handlungsplanung (so genannte Exekutivfunktionen) verantwortlich, die auch unsere Persönlichkeit prägt. Seine Entwicklung (Myelinisierung) braucht bis zu 30 Jahren und ist selbst dann noch nicht ganz abgeschlossen. Weitere wichtige Bestandteile des frontalen Cortex sind das Broca-​Areal, welches unser sprachliches Ausdrucksvermögen steuert, sowie der primäre Motorcortex, der Bewegungsimpulse in den gesamten Körper aussendet.

Temporallappen

Temporallappen/Lobus temporalis/temporal lobe

Der Temporallappen ist einer der vier großen Lappen des Großhirns. Auf Höhe der Ohren gelegen erfüllt er zahlreiche Aufgaben – zum Temporallappen gehören der auditive Cortex genauso wie der Hippocampus und das Wernicke-​Sprachzentrum.

Hippocampus

Hippocampus/Hippocampus/hippocampual formatio

Der Hippocampus ist der größte Teil des Archicortex und ein Areal im Temporallappen. Er ist zudem ein wichtiger Teil des limbischen Systems. Funktional ist er an Gedächtnisprozessen, aber auch an räumlicher Orientierung beteiligt. Er umfasst das Subiculum, den Gyrus dentatus und das Ammonshorn mit seinen vier Feldern CA1-​CA4.

Veränderungen in der Struktur des Hippocampus durch Stress werden mit Schmerzchronifizierung in Zusammenhang gebracht. Der Hippocampus spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verstärkung von Schmerz durch Angst.

Amnesie

Amnesie/-/amnesia

Eine Form der Gedächtnisstörung, die das Gedächtnis für Fakten und Ereignisse betrifft. Das unbewusste Gedächtnis für zum Beispiel senso-​motorische Fertigkeiten wie Auto– oder Fahrradfahren bleibt erhalten.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Lernen, ohne es zu merken

Dem gegenüber stehen andere Gedächtnisarten, die zusammen als implizites oder nicht-​deklaratives Gedächtnis bezeichnet werden. Das wichtigste Beispiel hierfür ist das prozedurale Gedächtnis oder Fertigkeitsgedächtnis. So bezeichnen Wissenschaftler den Teil des Gedächtnisses, der Fähigkeiten, Gewohnheiten und Verhaltensweisen speichert. Also körperliche oder geistige Abläufe wie etwa das Fahrradfahren, das Zähneputzen oder schlicht, aufrecht auf zwei Beinen zu laufen. Doch auch erlernte Ängste oder der aufkommende Appetit beim Geruch eines guten Essens sind „Produkte“ des nicht-​deklarativen Gedächtnisses.

Nicht-​deklarative Gedächtnisinhalte wirken sich zwar ständig auf unser Erleben und Verhalten aus, ins Bewusstsein treten sie dabei aber meist nicht. Deshalb ist es anders als beim deklarativen Wissen schwierig, sie anderen mitzuteilen: Obwohl die meisten Menschen ihre Schuhe binden können, ohne sich mental damit beschäftigen zu müssen, sind sie selbst durch Nachdenken kaum in der Lage, einem anderen den Vorgang zu erklären, ohne es vorzumachen. Dasselbe gilt für das Fahrradfahren oder Klavierspielen. Dennoch bewältigen wir einen Großteil unseres Alltags nur mit Hilfe dieser ungezählten automatisierten Handgriffe.

Interessanterweise werden die Erinnerungen des nicht-​deklarativen Gedächtnisses offenbar anders abgespeichert als die episodischen oder semantischen Inhalte des deklarativen Gedächtnisses. Denn selbst wenn das deklarative Gedächtnis weitgehend gestört ist, können Menschen noch neue Fertigkeiten lernen. So gab die Psychologin Brenda Milner in einem berühmt gewordenen Experiment ihrem Patienten Henry Molaison eine Geschicklichkeitsaufgabe. Obwohl der sich bei den wiederholten Versuchen niemals daran erinnern konnte, diese Aufgabe schon einmal geübt zu haben, wurde er von Mal zu Mal besser. Einmal sagte Molaison sogar erstaunt, er habe sich die Aufgabe schwerer vorgestellt, was deutlich macht, dass der Hippocampus für das Fertigkeitsgedächtnis nicht das entscheidende Hirnareal sein kann.

Forscher glauben heute, dass neben der Hirnrinde vor allem das Kleinhirn und die Basalganglien eine wichtige Rolle bei nicht-​deklarativen Erinnerungen spielen. Das zu den Basalganglien gehörende Putamen speichert demnach wohl erlernte Fähigkeiten wie Radfahren ab, ein anderer Teil – der Nucleus caudatus – instinktive Handlungen wie Zähneputzen oder Körperpflege. Die Bewegungssteuerung für diese Abläufe koordiniert das Kleinhirn.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Hippocampus

Hippocampus/Hippocampus/hippocampual formatio

Der Hippocampus ist der größte Teil des Archicortex und ein Areal im Temporallappen. Er ist zudem ein wichtiger Teil des limbischen Systems. Funktional ist er an Gedächtnisprozessen, aber auch an räumlicher Orientierung beteiligt. Er umfasst das Subiculum, den Gyrus dentatus und das Ammonshorn mit seinen vier Feldern CA1-​CA4.

Veränderungen in der Struktur des Hippocampus durch Stress werden mit Schmerzchronifizierung in Zusammenhang gebracht. Der Hippocampus spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verstärkung von Schmerz durch Angst.

Cortex

Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex

Der Cortex cerebri, kurz Cortex genannt, bezeichnet die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2.

Cerebellum

Kleinhirn/Cerebellum/cerebellum

Das Cerebellum (Kleinhirn) ist ein wichtiger Teil des Gehirns, an der Hinterseite des Hirnstamms und unterhalb des Okzipitallappens gelegen. Es besteht aus zwei Kleinhirnhemisphären, die vom Kleinhirncortex (Kleinhirnrinde) bedeckt werden und spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei automatisierten motorischen Prozessen.

Basalganglien

Basalganglien/Nuclei basales/basal ganglia

Basalganglien sind eine Gruppe subcorticaler Kerne (unterhalb der Großhirnrinde gelegen) im Telencephalon. Zu den Basalganglien zählen der Globus pallidus und das Striatum, manche Autoren schließen weitere Strukturen mit ein, wie z. B. das Claustrum. Die Basalganglien werden primär mit der Willkürmotorik in Verbindung gebracht.

Putamen

Putamen/-/putamen

Ein Kern der Basalganglien, der gemeinsam mit dem Nucleus caudatus das Striatum bildet. Als Teil des extrapyramidalen motorischen Systems ist es an der willkürlichen Motorik (willentlichen Bewegung) beteiligt.

Nucleus

Nucleus/Nucleus/nucleus

Nucleus, Plural Nuclei, bezeichnet zweierlei: Zum einen den Kern einer Zelle, den Zellkern. Zum zweiten eine Ansammlung von Zellkörpern im Gehirn.

Nucleus caudatus

Nucleus caudatus/Nucleus caudatus/caudate nucleus

Teil der Basalganglien, gemeinsam mit dem Putamen und dem Pallidum. Anatomisch liegt der Nucleus caudatus frontal zur Mitte des Gehirns. Er besteht aus einem Kopf– (Corpus nuclei caudati), einem Körper — (Cauda nuclei caudati) und einem Schwanzbereich (Caput nuclei caudati). Im Gegensatz zu den eher motorischen Anteilen der Basalganglien besteht hier eine starke Vernetzung mit dem präfrontalen Cortex. Automatisierung kognitiver Aufgaben ist also vor allem im Nucleus caudatus repräsentiert.

Mentale Notizzettel für kurzzeitiges Erinnern

Das Gedächtnis lässt sich jedoch nicht nur nach Inhalten unterscheiden, sondern auch danach, wie lange wir uns an diese Inhalte erinnern können. Alle Formen des Gedächtnisses, die bisher beschrieben wurden, sind Teile des Langzeitgedächtnisses. Es gibt aber auch das so genannte Kurzzeitgedächtnis oder Arbeitsgedächtnis. Darin speichern wir zum Beispiel eine gerade nachgeschlagene Telefonnummer ab, bis wir sie ins Telefon eintippen.

Nach der Theorie des britischen Psychologen Alan Baddeley besteht das Arbeitsgedächtnis aus einer Art Schaltzentrale – der zentralen Exekutive –, die auf auditive und visuelle Informationen anderer Hirnareale zurückgreift und diese wie ein Diktiergerät beziehungsweise einen Notizzettel nutzt. Ein Beleg dafür ist, dass die meisten Menschen die gleiche Methode anwenden, um sich zum Beispiel besagte Telefonnummer zu merken: Sie wiederholen die Zahlenreihe still im Kopf und initiieren so das, was Alan Baddeley die phonologische Schleife nennt.

Nach seinem Modell gibt es einen zweiten Teil des Arbeitsgedächtnisses, den räumlich-​visuellen Notizblock, welcher der kurzzeitigen Erinnerung an bestimmte Objekte oder Orte dient. Und außerdem den episodischen Puffer, der sowohl phonologische als auch visuelle Informationen in Form von Abfolgen – Episoden – kurzfristig speichern kann. Das heißt, das Arbeitsgedächtnis ist kein einheitliches System, sondern besteht aus mehreren Komponenten, die miteinander in Verbindung stehen, funktionell aber getrennt und auch an verschiedenen Orten des Gehirns lokalisiert sind. So wird der Sitz der zentralen Exekutive im Frontallappen vermutet, die „innere Stimme“ der phonologischen Schleife im Broca-​Areal.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

Langzeitgedächtnis

Langzeitgedächtnis/-/long-term memory

Ein relativ stabiles Gedächtnis über Ereignisse, die in der etwas entfernteren Vergangenheit passiert sind. Im Langzeitgedächtnis werden Inhalte zeitlich nahezu unbegrenzt gespeichert. Unterschiedliche Gedächtnisinhalte liegen in unterschiedlichen Gehirn-​Arealen. Die zelluläre Grundlage für diese Lernprozesse beruht auf einer verbesserten Kommunikation zwischen zwei Zellen und wird Langzeitpotentierung genannt.

Kurzzeitgedächtnis

Kurzzeitgedächtnis/-/short-term memory

Als Kurzzeitgedächtnis wird eine Art Zwischenspeicher des Gehirns bezeichnet, in dem Informationen mehrere Minuten lang behalten werden können. Der Umfang ist mit 7±2 Informationseinheiten (Chunks) sehr begrenzt. Dies können beispielsweise Zahlen, Buchstaben oder Wörter sein.

Arbeitsgedächtnis

Arbeitsgedächtnis/-/working memory

Eine Form des Kurzzeitgedächtnisses. Es beinhaltet gerade aufgenommene Informationen und die Gedanken darüber, also Gedächtnisinhalte aus dem Langzeitgedächtnis, die mit den neuen Informationen in Verbindung gebracht werden. Das Konzept beinhaltet nach Alan Baddeley eine zentrale Exekutive, eine phonologische Schleife und ein visuell-​räumliches Notizbuch.

Frontallappen

Frontallappen/Lobus frontalis/frontal lobe

Der frontale Cortex ist der größte der vier Lappen der Großhirnrinde und entsprechend umfassend sind seine Funktionen. Der vordere Bereich, der so genannte präfrontale Cortex, ist für komplexe Handlungsplanung (so genannte Exekutivfunktionen) verantwortlich, die auch unsere Persönlichkeit prägt. Seine Entwicklung (Myelinisierung) braucht bis zu 30 Jahren und ist selbst dann noch nicht ganz abgeschlossen. Weitere wichtige Bestandteile des frontalen Cortex sind das Broca-​Areal, welches unser sprachliches Ausdrucksvermögen steuert, sowie der primäre Motorcortex, der Bewegungsimpulse in den gesamten Körper aussendet.

Alltag gelingt nur dank Arbeitsgedächtnis

Obwohl es so komplex ist, hat das Arbeitsgedächtnis eine sehr begrenzte Kapazität (Detail on Demand). Erinnerungen halten dort zudem nur kurz vor. Dennoch ist es unabdingbar für unser tägliches Leben: Nur dank ihm wissen wir am Ende eines Satzes noch, wie er anfing, und können ihn verstehen, können Zahlen im Kopf behalten, um eine Rechenaufgabe zu lösen, einem Gespräch folgen und selbst eines führen, können die uns gegenwärtig umgebende Umwelt verstehen und uns darin zurechtfinden. All das wäre ohne das Arbeitsgedächtnis nicht machbar.

Die meisten Menschen verbinden mit dem Wort Gedächtnis wahrscheinlich etwas anderes als das Kurzzeit– oder das Fertigkeitsgedächtnis. Doch beide sind mindestens ebenso wichtig für unser Leben wie die Erinnerung an das erste Date, an den Tod der Oma oder an die glamouröse Abiturfeier.

Arbeitsgedächtnis

Arbeitsgedächtnis/-/working memory

Eine Form des Kurzzeitgedächtnisses. Es beinhaltet gerade aufgenommene Informationen und die Gedanken darüber, also Gedächtnisinhalte aus dem Langzeitgedächtnis, die mit den neuen Informationen in Verbindung gebracht werden. Das Konzept beinhaltet nach Alan Baddeley eine zentrale Exekutive, eine phonologische Schleife und ein visuell-​räumliches Notizbuch.

Gedächtnis

Gedächtnis/-/memory

Gedächtnis ist ein Oberbegriff für alle Arten von Informationsspeicherung im Organismus. Dazu gehören neben dem reinen Behalten auch die Aufnahme der Information, deren Ordnung und der Abruf.

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