Gesichter lesen
Wenn wir jemanden anschauen, erkennen wir oft intuitiv an der Mimik, in welcher Stimmung er ist. Dass der Mensch diese evolutionär wertvolle Fähigkeit so gut beherrscht, verdankt er spezialisierten Hirnarealen, die der Gesichtserkennung dienen.
Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Dirk Wildgruber
Veröffentlicht: 21.06.2012
Niveau: schwer
- Das richtige Deuten von Emotionen in der Mimik anderer ist ein evolutionärer Vorteil, der vor Gefahren schützt und das soziale Zusammenleben erleichtert.
- Im Gehirn gibt es spezialisierte Areale, die für die Erkennung von Gesichtsausdrücken zuständig sind.
- An der emotionalen Gesichtserkennung sind unter anderem der orbitofrontale Cortex, der Cortex im hinteren Abschnitt des superioren temporalen Sulkus und Teile des limbischen Systems wie die Amygdala beteiligt. Spiegelneurone helfen dabei, die Gefühle anderer nicht nur zu erkennen, sondern diese auch nachzuempfinden.
Emotionen
Emotionen/-/emotions
Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler komplexe Reaktionsmuster, die erfahrungsbezogene, physiologische und verhaltensbezogene Komponenten umfassen. Sie entstehen als Reaktion auf personenrelevante oder bedeutsame Ereignisse und erzeugen eine Handlungsbereitschaft, durch die das Individuum versucht, mit der Situation umzugehen. Emotionen treten typischerweise mit subjektivem Erleben (Gefühl) auf, unterscheiden sich aber von reinem Gefühl durch ein bewusstes oder implizites Engagement mit der Umwelt. Emotionen entstehen u.a. im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.
Mimik
Mimik/-/facial expression
Fünf Muskelgruppen kontrollieren die sichtbaren Bewegungen an unserer Gesichtsoberfläche – und das gilt für alle Menschen auf der Welt. Neurowissenschaftler betonen als Grund dafür universelle, evolutionär verankerte Reaktionen. Aus diesem Grund hinterlassen die Basisemotionen Angst, Wut, Ekel, Trauer, Überraschung und Freude überall ähnliche Spuren im Gesicht, die wir in der Regel auch bei Fremden zuverlässig identifizieren können.
Cortex
Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex
Cortex bezeichnet eine Ansammlung von Neuronen, typischerweise in Form einer dünnen Oberfläche. Meist ist allerdings der Cortex cerebri gemeint, die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2.
Amygdala
Amygdala/Corpus amygdaloideum/amygdala
Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, welches mit Emotionen in Verbindung gebracht wird: es bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung. In diesem Zusammenhang wird sie auch durch Schmerzreize aktiviert und spielt eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung sensorischer Reize. Darüber hinaus ist sie an der Verknüpfung von Emotionen mit Erinnerungen, der emotionalen Lernfähigkeit sowie an sozialem Verhalten beteiligt. Die Amygdala – zu Deutsch Mandelkern – wird zum limbischen System gezählt.
Spiegelneurone
Spiegelneurone/-/mirror neurons
Nervenzellen im Gehirn von Primaten, die genauso feuern, wenn ihre Besitzer eine Handlung beobachten wie wenn sie diese selbst durchführen. Anfang der 1990er waren italienische Forscher auf diese besonderen Neuronen gestoßen, als sie mit Makaken experimentierten. Später wurden Spiegelneurone auch im menschlichen Gehirn nachgewiesen. Hier kommen sie unter anderem im Broca-Areal vor, das für die Sprachverarbeitung verantwortlich ist. Die Spiegelneurone könnten eine Erklärung dafür liefern, warum wir in der Lage sind, die Gefühle und Absichten anderer nachzuvollziehen. Die Diskussion darum ist noch nicht abgeschlossen.
Eine Fahrt mit dem Zug kann schnell einmal zu einer kleinen Sozialstudie werden. Denn oft genügt schon ein Blick in die Gesichter der Mitreisenden, um herauszufinden, wer sich gerade ärgert, wer sich freut und wer traurig ist. Dabei hat man die Leute um sich herum noch nie vorher gesehen. Doch wir Menschen sind Experten darin, die Emotionen anderer aus ihren Gesichtern herauszulesen.
Das hat zwei Gründe: Zum einen machen sich die so genannten Basisemotionen wie Freude, Überraschung, Wut, Trauer, Ekel oder Angst quer durch alle Kulturen durch das gleiche Mienenspiel bemerkbar – was es erleichtert, diese elementaren Gefühle identifizieren zu können. Zum anderen sind wir auch neurobiologisch bestens dafür ausgerüstet, im Antlitz anderer zu lesen wie in einem Buch. Spezielle Areale in unserem Gehirn ermöglichen es uns, anhand des mimischen Ausdrucks den emotionalen Zustand zu erkennen. Und mehr noch: Spiegelneurone helfen uns dabei, uns in die Gefühle der anderen hineinzuversetzen und ihre Lage nachzuempfinden – auf dass wir sie besser verstehen.
Emotionen
Emotionen/-/emotions
Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler komplexe Reaktionsmuster, die erfahrungsbezogene, physiologische und verhaltensbezogene Komponenten umfassen. Sie entstehen als Reaktion auf personenrelevante oder bedeutsame Ereignisse und erzeugen eine Handlungsbereitschaft, durch die das Individuum versucht, mit der Situation umzugehen. Emotionen treten typischerweise mit subjektivem Erleben (Gefühl) auf, unterscheiden sich aber von reinem Gefühl durch ein bewusstes oder implizites Engagement mit der Umwelt. Emotionen entstehen u.a. im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.
Basisemotionen
Basisemotionen/-/basic emotions
Einige Theorien gehen davon aus, dass alle Emotionen sich aus einigen wenigen Basisemotionen zusammensetzen lassen. Diese werden auch als Primäremotionen bezeichnet. Hierzu zählen klassisch nach Ekman Furcht, Wut, Freude, Trauer, Ekel und Überraschung. Primäremotionen treten infolge eines Ereignisses sehr rasch auf und klingen teilweise schnell ab. Im Verlauf können sie in Sekundäremotionen übergehen (z. B. Scham, Schuld oder Stolz).
Spiegelneurone
Spiegelneurone/-/mirror neurons
Nervenzellen im Gehirn von Primaten, die genauso feuern, wenn ihre Besitzer eine Handlung beobachten wie wenn sie diese selbst durchführen. Anfang der 1990er waren italienische Forscher auf diese besonderen Neuronen gestoßen, als sie mit Makaken experimentierten. Später wurden Spiegelneurone auch im menschlichen Gehirn nachgewiesen. Hier kommen sie unter anderem im Broca-Areal vor, das für die Sprachverarbeitung verantwortlich ist. Die Spiegelneurone könnten eine Erklärung dafür liefern, warum wir in der Lage sind, die Gefühle und Absichten anderer nachzuvollziehen. Die Diskussion darum ist noch nicht abgeschlossen.
Gesichter lesen warnt vor Gefahren
Aus Sicht der Evolution ist diese Fähigkeit sinnvoll, denn sie stellt einen Überlebensvorteil dar. Weil Menschen seit jeher in Gruppen zusammenleben, mussten sie ein feines Gespür für den Innenzustand anderer „Rudelmitglieder“ entwickeln – um so ein kooperatives Miteinander überhaupt zu ermöglichen und Konflikten aus dem Weg zu gehen. Wer die Stimmung seiner Mitmenschen treffsicher deuten kann, ist hier klar im Vorteil. Zudem können die Gefühle anderer auch indirekte Hinweise auf die Umgebung geben. Geht man etwa gemeinsam durch einen dichten Wald und der Gewährsmann zeigt plötzlich deutliche Anzeichen für Angst, während er in eine bestimmte Richtung starrt, ist für alle Beteiligten Vorsicht geboten. Freude oder Wohlbehagen hingegen signalisieren positive Umweltbedingungen oder ein zwischenmenschliches Interesse am anderen.
Wenn wir Gesichter betrachten, achten wir auf die Augen und die Mundpartie besonders stark. Sie sind bei emotionalen Gesichtsausdrücken oft besonders aussagekräftig. So deutet die Blickrichtung an, worauf sich die Mimik bezieht. Schließlich ist es ein wichtiger Unterschied, ob der wütend dreinblickende Mann, der mir entgegenkommt, seinen Blick auf mich gerichtet hat oder auf eine andere Person. Die Blickrichtung anderer wird zu großen Teilen im orbitofrontalen Cortex verarbeitet – das ist eine der Hirnregionen, die bei der emotionalen Gesichtserkennung aktiv wird.
Der Verarbeitungsprozess bei der emotionalen Gesichtserkennung erfolgt außerordentlich schnell. Bereits nach 170 Millisekunden hat das Gehirn eine erste Repräsentation des gesehenen Gesichtsausdruckes erzeugt. Nach 350 Millisekunden lösen Signale der Mandelkerne (Amygdalae), die an der emotionalen Bewertung von Sinnesinformationen beteiligt sind, körperliche Reaktionen aus. Die Auswertung von emotionalen Reizen läuft sogar schneller als die von neutralen, vermutlich weil bei ihnen im Zweifelsfall sofortiges Handeln erforderlich ist – etwa Weglaufen oder Kämpfen.
Mimik
Mimik/-/facial expression
Fünf Muskelgruppen kontrollieren die sichtbaren Bewegungen an unserer Gesichtsoberfläche – und das gilt für alle Menschen auf der Welt. Neurowissenschaftler betonen als Grund dafür universelle, evolutionär verankerte Reaktionen. Aus diesem Grund hinterlassen die Basisemotionen Angst, Wut, Ekel, Trauer, Überraschung und Freude überall ähnliche Spuren im Gesicht, die wir in der Regel auch bei Fremden zuverlässig identifizieren können.
Cortex
Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex
Cortex bezeichnet eine Ansammlung von Neuronen, typischerweise in Form einer dünnen Oberfläche. Meist ist allerdings der Cortex cerebri gemeint, die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2.
Neuronale Erkennung von Gesichtern
Wie genau die Gesichtserkennung funktioniert, beschäftigt die Hirnforschung noch. Durch zahlreiche Studien können einige beteiligte Areale aber schon benannt werden: Die visuellen Eindrücke werden über den Thalamus, den zentralen Verteilerknoten für sensorische Informationen, an mehrere Areale weitergeleitet. Dabei gibt es einen bewussten Weg, der eine umfassende Interpretation des Gesehenen liefert, aber langsam ist. Und einen schnellen, unbewussten, aber auch fehleranfälligen Weg, der dafür sorgt, dass wir bei Gefahr sofort handeln können.
Die bewusste Route führt über die Hirnrinde in den primären visuellen Cortex am Hinterkopf, in ein Areal, das Forscher gemeinhin V1 nennen. Eine erste Gesichtserkennung erfolgt im inferioren okzipitalen Gyrus, einem Teil des visuellen Assoziationscortex. Von dort werden die Informationen zu zwei Arealen geleitet, die für unterschiedliche Bereiche der konkreteren Gesichtserkennung zuständig sind: Der laterale Teil des Gyrus fusiformis befasst sich verstärkt mit den unveränderlichen Merkmalen des Gesichtes und ist für die Identifikation individueller Merkmale zuständig. Mit diesem Areal erkennen wir also Freunde, Verwandte oder Bekannte.
Zur Analyse der Mimik hingegen trägt vermehrt die Hirnrinde entlang des hinteren superioren temporalen Sulcus bei, in welcher Informationen bezüglich Blickrichtung, Ausdruck und Lippenbewegung verarbeitet werden. Von dort gelangen die Informationen zur Amygdala und zur Insula, die dann die Emotionen hinter den Gesichtsausdrücken deuten. Diese Areale senden letztlich dann wiederum ein Feedback an den frontalen Cortex.
Cortex
Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex
Cortex bezeichnet eine Ansammlung von Neuronen, typischerweise in Form einer dünnen Oberfläche. Meist ist allerdings der Cortex cerebri gemeint, die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2.
Assoziationscortex
Assoziationscortex/-/association cortex
Teile des Großhirns, die nicht den primären und sekundären Arealen für sensorische Verarbeitung und Motorik zugeordnet werden. Sie liegen überwiegend im Neocortex, integrieren Informationen mehrerer Quellen, sind Mittelpunkt Thalamocorticaler und cortico-corticaler Netzwerke und sind funktionell nicht eindeutig abgrenzbar.
Gyrus fusiformis
Gyrus fusiformis/Gyrus fusiformis/fusiforme gyrus
Der Gyrus fusiformis liegt im inferioren, also inneren Temporallappen und spielt eine wichtige Rolle bei der Erkennung von Objekten. Im rechten Gyrus fusiformis wird die Gesichtserkennung vermutet, weshalb diese Struktur auch als fusiformes Gesichtsareal bezeichnet wird.
Mimik
Mimik/-/facial expression
Fünf Muskelgruppen kontrollieren die sichtbaren Bewegungen an unserer Gesichtsoberfläche – und das gilt für alle Menschen auf der Welt. Neurowissenschaftler betonen als Grund dafür universelle, evolutionär verankerte Reaktionen. Aus diesem Grund hinterlassen die Basisemotionen Angst, Wut, Ekel, Trauer, Überraschung und Freude überall ähnliche Spuren im Gesicht, die wir in der Regel auch bei Fremden zuverlässig identifizieren können.
Amygdala
Amygdala/Corpus amygdaloideum/amygdala
Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, welches mit Emotionen in Verbindung gebracht wird: es bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung. In diesem Zusammenhang wird sie auch durch Schmerzreize aktiviert und spielt eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung sensorischer Reize. Darüber hinaus ist sie an der Verknüpfung von Emotionen mit Erinnerungen, der emotionalen Lernfähigkeit sowie an sozialem Verhalten beteiligt. Die Amygdala – zu Deutsch Mandelkern – wird zum limbischen System gezählt.
Emotionen
Emotionen/-/emotions
Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler komplexe Reaktionsmuster, die erfahrungsbezogene, physiologische und verhaltensbezogene Komponenten umfassen. Sie entstehen als Reaktion auf personenrelevante oder bedeutsame Ereignisse und erzeugen eine Handlungsbereitschaft, durch die das Individuum versucht, mit der Situation umzugehen. Emotionen treten typischerweise mit subjektivem Erleben (Gefühl) auf, unterscheiden sich aber von reinem Gefühl durch ein bewusstes oder implizites Engagement mit der Umwelt. Emotionen entstehen u.a. im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.
Amygdala als Mimik-Feuerwehr
Die unbewusste Route führt vom Thalamus direkt zur Amygdala. Dieser direkte Verarbeitungsweg ermöglicht eine besonders schnelle Reaktion auf Umweltreize. Denn er bereitet uns schon körperlich auf eine Flucht oder einen Kampf vor, bevor wir die potenzielle Bedrohung über die cortikale Schleife bewusst wahrgenommen haben. Die Amygdala ist sozusagen die Feuerwehr der Gesichtserkennung. Dazu passt, dass diese Hirnstruktur besonders stark auf ängstliche oder aggressive Mimik reagiert.
Soweit die Arbeitsteilung in der Theorie. Neurowissenschaftler vermuten jedoch, dass alle Areale, die der Gesichtserkennung dienen, miteinander in engem Kontakt stehen und sich gegenseitig beeinflussen können. So wurde nachgewiesen, dass der Gyrus fusiformis beim Anblick emotionaler Gesichtsausdrücke aktiv wird. Gleichzeitig zeigen aber Läsions-Studien, dass Menschen, bei denen dieses Areal beschädigt ist, zwar nicht mehr in der Lage sind, einzelne Gesichter zu erkennen, die Mimik im diesem Gesicht aber immer noch deuten können. Der Gyrus fusiformis ist also nicht direkt an der Mimik-Erkennung beteiligt, wird von dieser aber dennoch beeinflusst.
Amygdala
Amygdala/Corpus amygdaloideum/amygdala
Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, welches mit Emotionen in Verbindung gebracht wird: es bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung. In diesem Zusammenhang wird sie auch durch Schmerzreize aktiviert und spielt eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung sensorischer Reize. Darüber hinaus ist sie an der Verknüpfung von Emotionen mit Erinnerungen, der emotionalen Lernfähigkeit sowie an sozialem Verhalten beteiligt. Die Amygdala – zu Deutsch Mandelkern – wird zum limbischen System gezählt.
Mimik
Mimik/-/facial expression
Fünf Muskelgruppen kontrollieren die sichtbaren Bewegungen an unserer Gesichtsoberfläche – und das gilt für alle Menschen auf der Welt. Neurowissenschaftler betonen als Grund dafür universelle, evolutionär verankerte Reaktionen. Aus diesem Grund hinterlassen die Basisemotionen Angst, Wut, Ekel, Trauer, Überraschung und Freude überall ähnliche Spuren im Gesicht, die wir in der Regel auch bei Fremden zuverlässig identifizieren können.
Gyrus fusiformis
Gyrus fusiformis/Gyrus fusiformis/fusiforme gyrus
Der Gyrus fusiformis liegt im inferioren, also inneren Temporallappen und spielt eine wichtige Rolle bei der Erkennung von Objekten. Im rechten Gyrus fusiformis wird die Gesichtserkennung vermutet, weshalb diese Struktur auch als fusiformes Gesichtsareal bezeichnet wird.
Empfohlene Artikel
Läsionen werfen Licht auf Arbeitsteilung
Neben den Amygdalae sind noch andere Areale des Gehirns mit der emotionalen Bewertung von Gesichtsausdrücken betraut. Dies konnte man anhand von Patienten ermitteln, bei denen spezifische Hirnbereiche geschädigt oder zerstört sind. Dabei zeigte sich, dass Läsionen der Amygdala Probleme beim Erkennen von Angst hervorriefen. Schädigungen des ventralen Striatum hingegen führten zu Schwierigkeiten beim Deuten von wutverzerrten Gesichtsausdrücken. Und bei Läsionen der Insula konnten Patienten ein Gesicht, in dem sich Ekel widerspiegelte, nicht zuordnen.
Auch Menschen mit Chorea Huntington oder Zwangsstörungen haben die Fähigkeit verloren, Ekel-Mienen zu erkennen. Die erblich bedingte Huntington-Krankheit führt zur Zerstörung des Nucleus caudatus und des Putamen, zweier zu den so genannten Basalganglien gehörenden Nervenzellregionen. Auch Zwangsstörungen stehen oft mit Veränderungen dieser Hirnareale in Zusammenhang. Gesunde hingegen zeigen in den Basalganglien und der Insula erhöhte Aktivität beim Anblick von Gesichtern, die vor Ekel verzogen sind.
Amygdala
Amygdala/Corpus amygdaloideum/amygdala
Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, welches mit Emotionen in Verbindung gebracht wird: es bewertet den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung. In diesem Zusammenhang wird sie auch durch Schmerzreize aktiviert und spielt eine wichtige Rolle in der emotionalen Bewertung sensorischer Reize. Darüber hinaus ist sie an der Verknüpfung von Emotionen mit Erinnerungen, der emotionalen Lernfähigkeit sowie an sozialem Verhalten beteiligt. Die Amygdala – zu Deutsch Mandelkern – wird zum limbischen System gezählt.
Striatum
Striatum/Corpus striatum/striatum
Das Striatum ist eine zentrale Struktur der Basalganglien. Es setzt sich aus Nucleus caudatus und Putamen zusammen; der Nucleus accumbens zählt als ventraler Anteil funktionell ebenfalls dazu. Als wichtigste Eingangsstruktur der Basalganglien spielt das Striatum eine wesentliche Rolle bei der Steuerung von Bewegungsabläufen sowie bei Kognition, Motivationsvorgängen und im Rahmen des Belohnungssystems.
Chorea Huntington
Chorea Huntington/Huntington major/Huntington's disease
Bei der Chorea Huntington handelt es sich um eine progressive und fatale Erbkrankheit, die sich im Gehirn manifestiert. Charakterisiert ist sie durch Dyskinesie, Demenz und Verhaltens- bzw. psychische Veränderungen. Bis heute ist sie nicht heilbar, obwohl Wissenschaftler ihre molekularen Ursachen relativ gut verstanden haben. So enthält das Huntington-Gen der Betroffenen bis zu 200 Kopien eines bestimmten Basentripletts (Dreiergruppe von Basen). Dies veranlasst die Zellen dazu, ein fehlerhaftes Protein herzustellen, welches in erster Linie im Striatum des Gehirns Ablagerungen bildet. Es kommt zu einer Degeneration der Neuronen in den Basalganglien und dem Cortex.
Zwangsstörungen
Zwangsstörung/-/obsessive compulsive disorder
Diese Bezeichnung fasst neuropsychiatrische Erkrankungen zusammen, die sich einerseits in Form von Zwangsgedanken und andererseits in Form von Zwangshandlungen manifestieren. Die Betroffenen haben beispielsweise den Drang, sich ständig wiederkehrenden, meist angstvollen Gedanken zu widmen, sich übermäßig oft zu waschen oder ihre Mitmenschen unverhältmismäßig stark zu kontrollieren. Während Neurowissenschaftler Zwangsstörungen früher rein psychologisch zu erklären versuchten, ist man mittlerweile davon überzeugt, dass auch einige biologische Faktoren zu ihrer Entstehung beitragen, wie etwa ein gestörter Stoffwechsel verschiedener Neurotransmitter im Gehirn.
Nucleus
Nucleus/Nucleus/nucleus
Nucleus, Plural Nuclei, bezeichnet zweierlei: In der Zellbiologie den Zellkern, der unter anderem die Chromosomen enthält. In der Neuroanatomie bezeichnet es im Nervensystem eine Ansammlung von Zellkörpern – im zentralen Nervensystem als graue Substanz, im peripheren als Ganglien.
Nucleus caudatus
Nucleus caudatus/Nucleus caudatus/caudate nucleus
Teil der Basalganglien und bildet gemeinsam mit dem Putamen das Striatum. Anatomisch liegt der Nucleus caudatus frontal zur Mitte des Gehirns und zieht nach hinten, sodass er ein C bildet. Er besteht aus einem Kopf– (Caput nuclei caudati), einem Körper — (Corpus nuclei caudati) und einem Schwanzbereich (Cauda nuclei caudati). Im Gegensatz zu den eher motorischen Anteilen der Basalganglien besteht hier neben Motorfunktionen eine starke Vernetzung mit dem präfrontalen Cortex. Dadurch ist dieser Teil des Striatums auch stark an Kognition, Motivation und Emotion beteiligt.
Basalganglien
Basalganglien/Nuclei basales/basal ganglia
Basalganglien sind eine Gruppe subcorticaler Kerne (unterhalb der Großhirnrinde gelegen) im Telencephalon. Zu den Basalganglien zählen der Globus pallidus und das Striatum, und je nach Autor weitere Strukturen, wie z. B. die Substantia nigra und der Nucleus subthalamicus. Die Basalganglien werden primär mit der Willkürmotorik in Verbindung gebracht, beeinflussen aber auch Motivation, Lernen und Emotion.
Spiegelneurone helfen mitzufühlen
Um die Mimik unserer Mitmenschen korrekt zu interpretieren, sind außerdem noch ganz spezielle Nervenzellen wichtig, die italienische Forscher erst 1996 entdeckten: die Spiegelneurone. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ermöglichen sie es uns nachzufühlen, was andere fühlen. Es gibt sie zum Beispiel im prämotorischen Cortex, aber auch in anderen Hirnregionen. Studien zeigen, dass es Patienten, bei denen der somatosensorischer Cortex und damit die dortigen Spiegelneurone beschädigt sind, ungleich schwerer fällt, Emotionen an der Mimik zu erkennen und richtig zu deuten.
Gesichter sind also nicht nur Spiegelbild der Seele anderer, sondern beeinflussen auch unser eigenes Seelenleben. Was sich wiederum bei jeder Zugfahrt erleben lässt. Lächelt uns ein Mitreisender freundlich an, lächelt man ohne nachzudenken mit. Und dabei heben sich nicht nur die Mundwinkel – sondern auch die Laune.
Mimik
Mimik/-/facial expression
Fünf Muskelgruppen kontrollieren die sichtbaren Bewegungen an unserer Gesichtsoberfläche – und das gilt für alle Menschen auf der Welt. Neurowissenschaftler betonen als Grund dafür universelle, evolutionär verankerte Reaktionen. Aus diesem Grund hinterlassen die Basisemotionen Angst, Wut, Ekel, Trauer, Überraschung und Freude überall ähnliche Spuren im Gesicht, die wir in der Regel auch bei Fremden zuverlässig identifizieren können.
Spiegelneurone
Spiegelneurone/-/mirror neurons
Nervenzellen im Gehirn von Primaten, die genauso feuern, wenn ihre Besitzer eine Handlung beobachten wie wenn sie diese selbst durchführen. Anfang der 1990er waren italienische Forscher auf diese besonderen Neuronen gestoßen, als sie mit Makaken experimentierten. Später wurden Spiegelneurone auch im menschlichen Gehirn nachgewiesen. Hier kommen sie unter anderem im Broca-Areal vor, das für die Sprachverarbeitung verantwortlich ist. Die Spiegelneurone könnten eine Erklärung dafür liefern, warum wir in der Lage sind, die Gefühle und Absichten anderer nachzuvollziehen. Die Diskussion darum ist noch nicht abgeschlossen.
Cortex
Großhirnrinde/Cortex cerebri/cerebral cortex
Cortex bezeichnet eine Ansammlung von Neuronen, typischerweise in Form einer dünnen Oberfläche. Meist ist allerdings der Cortex cerebri gemeint, die äußerste Schicht des Großhirns. Sie ist 2,5 mm bis 5 mm dick und reich an Nervenzellen. Die Großhirnrinde ist stark gefaltet, vergleichbar einem Taschentuch in einem Becher. So entstehen zahlreiche Windungen (Gyri), Spalten (Fissurae) und Furchen (Sulci). Ausgefaltet beträgt die Oberfläche des Cortex ca 1.800 cm2.
Emotionen
Emotionen/-/emotions
Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler komplexe Reaktionsmuster, die erfahrungsbezogene, physiologische und verhaltensbezogene Komponenten umfassen. Sie entstehen als Reaktion auf personenrelevante oder bedeutsame Ereignisse und erzeugen eine Handlungsbereitschaft, durch die das Individuum versucht, mit der Situation umzugehen. Emotionen treten typischerweise mit subjektivem Erleben (Gefühl) auf, unterscheiden sich aber von reinem Gefühl durch ein bewusstes oder implizites Engagement mit der Umwelt. Emotionen entstehen u.a. im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.
zum Weiterlesen:
- Bear, Mark F., Connors, Barry W., Paradiso, Michael A.: Neurowissenschaften – ein grundlegendes Lehrbuch für Biologie, Medizin und Psychologie. Spektrum Akademischer Verlag, 2008.
- Carlson, Neil R.: Physiologische Psychologie, Pearson, 2004, Kap. 11.2, Kommunikation von Emotionen.
- Carter, Rita: Das Gehirn, Dorling Kindersley Verlag, 2010.
- Herbold, Ann-Katrin: Neuronale und psychophysiologische Korrelate der Emotionsverarbeitung von Gesunden und Patienten mit Gehirnläsionen, Dissertation Uni Erfurt, 2010.
Emotionen
Emotionen/-/emotions
Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler komplexe Reaktionsmuster, die erfahrungsbezogene, physiologische und verhaltensbezogene Komponenten umfassen. Sie entstehen als Reaktion auf personenrelevante oder bedeutsame Ereignisse und erzeugen eine Handlungsbereitschaft, durch die das Individuum versucht, mit der Situation umzugehen. Emotionen treten typischerweise mit subjektivem Erleben (Gefühl) auf, unterscheiden sich aber von reinem Gefühl durch ein bewusstes oder implizites Engagement mit der Umwelt. Emotionen entstehen u.a. im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.

