Der Vermis
Der Vermis, der Kleinhirnwurm, sieht tatsächlich auch wie ein solcher aus. Er besitzt Zunge, Zäpfchen und einen Gipfel und gibt uns Sicherheit bei Stand und Gang. So verhindert er, dass wir wie Betrunkene durch die Gegend torkeln.
Wissenschaftliche Betreuung: Dr. Björn Spittau
Veröffentlicht: 01.10.2025
Niveau: mittel
Vermis
Vermis/Vermis cerebelli/cerebellar vermis
Der Kleinhirnwurm ist eine unpaarige Struktur des Kleinhirns, auf der Mittellinie gelegen. Er erhält primär somatosensorische Eingänge.
Der Wurm im Hirn – es ist keine schöne Assoziation, die sich bei dieser Kleinhirnstruktur aufdrängt. Doch der Vermis erinnert tatsächlich an einen Wurm, der sich zwischen den Hemisphären des Kleinhirns windet. Dazu tragen auch die querverlaufenden Furchen der Kleinhirnrinde bei, die ihn in viele Dutzend Segmente unterteilen. Doch mit wurmtypischem Kriechen hat der Vermis nichts zu tun: Er koordiniert vor allem die Stützmotorik beim Gehen und Stehen.
Beschriebe man die Hemisphären als wulstige Schmetterlingsflügel, entspräche der Wurm dem Insektenkörper dazwischen. Er greift einmal um die Hemisphären herum und ist nur an der Vorderseite, zum Hirnstamm hin, durch die Kleinhirnstiele und den vierten Ventrikel unterbrochen. Einige Abschnitte entlang des Wurms bedachten die alten Anatomen mit sehr bildlichen, teils poetischen Namen. So verfügt der Vermis über einen Gipfel (Culmen), einen Abhang (Declive), eine Pyramide (Pyramis) und – noch ungewöhnlicher für einen Wurm – über Zunge (Lingula), Höcker (Tuber), Zäpfchen (Uvula) und Knötchen (Nodulus). Damit sich Medizinstudenten die Abfolge dieser Abschnitte merken können, hat jemand diesen Satz kreiert: „Lacht, liebe Kommilitonen, der fiese Tischdozent prüft uns nicht.“ Sie ahnen es: die Anfangsbuchstaben der Wörter repräsentieren die Anfangsbuchstaben der einzelnen Wurmabschnitte. Doch so schön die Bezeichnungen auch sind, sie sind ohne große funktionelle Bedeutung.
Der größte Teil des Vermis bildet gemeinsam mit den direkt anliegenden Hemisphärenbereichen – der so genannten paravermalen Zone – das Paleocerebellum, das alte Kleinhirn. Da dessen Eingänge hauptsächlich aus dem Spinalmark stammen, wird es auch als Spinocerebellum bezeichnet. Der Nodulus, das unterste Wurmsegment wird dagegen zum Lobus flocculonodularis gerechnet, die Declive zum Neocerebellum.
Vermis
Vermis/Vermis cerebelli/cerebellar vermis
Der Kleinhirnwurm ist eine unpaarige Struktur des Kleinhirns, auf der Mittellinie gelegen. Er erhält primär somatosensorische Eingänge.
Hirnstamm
Hirnstamm/Truncus cerebri/brainstem
Der „Stamm“ des Gehirns, an dem alle anderen Gehirnstrukturen sozusagen „aufgehängt“ sind. Er umfasst – von unten nach oben – die Medulla oblongata, die Pons und das Mesencephalon. Nach unten geht er in das Rückenmark über. Er ist ein Zentrum lebenswichtiger Funktionen wie der Atmung und des Herzschlags und beinhaltet auf- und absteigende Bahnen zwischen Großhirn, Kleinhirn und Rückenmark.
Kleinhirnstiele
Kleinhirnstiele/Pedunculi cerebelli/cerebellar peduncle
Drei Faserverbindungen jeweils rechts und links, die das Kleinhirn mit dem Hirnstamm verbinden. Hierüber laufen sämtliche Afferenzen und Efferenzen des Kleinhirns.
Spinocerebellum
Spinocerebellum/-/spinocerebellum
Der Bereich des Kleinhirns, der den Kleinhirnwurm (Vermis) und seine angrenzenden Bereiche umfasst. Beteiligt an Muskeltonus und laufenden Bewegungen.
Lobus flocculonodularis
Lobus flocculonodularis/Lobus flocculonodularis/flocculonodular lobe
Der Lobus flocculonodularis ist ein antero-inferior gelegener Bereich des Kleinhirns. Er umfasst die beiden Strukturen Nodulus (Knötchen) und Flocculus (Flöckchen). Er ist an Gleichgewicht und räumlicher Orientierung beteiligt und an der Stabilisierung und Steuerung der Augenbewegungen. Er entspricht dem Vestibulocerebellum.
Die Aufgaben des Kleinhirnwurms
Während der Nodulus als Teil des Lobus flocculonodularis primär der Regulation des Gleichgewichts dient und die Declive gemeinsam mit den Kleinhirnhemisphären an willkürlichen Bewegungen – wie ein Kratzen am Kopf – beteiligt ist, verarbeitet das Spinocerebellum propriozeptive Signale, also solche über Muskeltonus und Körperstellung. Auf diese Weise ist es stets über die Position des Körpers im Raum informiert und sorgt durch seine absteigenden Signale für den reibungslosen Ablauf von Gehen und Stehen. Was sich recht simpel anhört, hat komplexe Komponenten: das Zusammenspiel antagonistischer Muskelgruppen zum Beispiel oder von denen, die der Schwerkraft entgegenwirken. Auch die Kontrolle der Kräfte von Trägheit oder Fliehkraft gehören dazu. Ist der Wurm dagegen geschädigt, kommt es typischerweise zu einem schwankenden, torkelnden Gang, wie bei einem Betrunkenen.
Lobus flocculonodularis
Lobus flocculonodularis/Lobus flocculonodularis/flocculonodular lobe
Der Lobus flocculonodularis ist ein antero-inferior gelegener Bereich des Kleinhirns. Er umfasst die beiden Strukturen Nodulus (Knötchen) und Flocculus (Flöckchen). Er ist an Gleichgewicht und räumlicher Orientierung beteiligt und an der Stabilisierung und Steuerung der Augenbewegungen. Er entspricht dem Vestibulocerebellum.
Kleinhirnhemisphären
Kleinhirnhemisphären/-/cerebral hemispheres
Wie das Großhirn verfügt auch das Kleinhirn über zwei Hemisphären. Die Hemisphären sind vor allem für die fein abgestimmte, zielgerichtete Bewegungssteuerung zuständig.
Spinocerebellum
Spinocerebellum/-/spinocerebellum
Der Bereich des Kleinhirns, der den Kleinhirnwurm (Vermis) und seine angrenzenden Bereiche umfasst. Beteiligt an Muskeltonus und laufenden Bewegungen.
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Der Kern im Inneren
Im Marklager des Wurms verbirgt sich ein paariger Kern, der Nucleus fastigii – auf Deutsch First- oder Giebelkern. Er ist einer von vier Kleinhirnkernen und der einzige, der dem Vermis zugerechnet wird. Der Name rührt von seiner Lage im Dach des vierten Ventrikels her. Nach Umschaltung im Nucleus fastigii verlassen Fasern des Vermis das Kleinhirn und ziehen zu den Vestibulariskernen und zur Formatio reticularis.
Nucleus
Nucleus/Nucleus/nucleus
Nucleus, Plural Nuclei, bezeichnet zweierlei: In der Zellbiologie den Zellkern, der unter anderem die Chromosomen enthält. In der Neuroanatomie bezeichnet es im Nervensystem eine Ansammlung von Zellkörpern – im zentralen Nervensystem als graue Substanz, im peripheren als Ganglien.
Vermis
Vermis/Vermis cerebelli/cerebellar vermis
Der Kleinhirnwurm ist eine unpaarige Struktur des Kleinhirns, auf der Mittellinie gelegen. Er erhält primär somatosensorische Eingänge.
Erstveröffentlichung am 28. August 2011
Letzte Aktualisierung am 1. Oktober 2025