Frage an das Gehirn

Währt Liebe ewig?

Fragesteller/in: Heinz W. aus Berlin

Veröffentlicht: 19.02.2012

Wer sich ein Tattoo mit dem Namen der Angebeteten stechen lässt oder ein Schloss mit den gemeinsamen Initialen an die Hohenzollernbrücke in Köln hängt, zeigt: Er glaubt an die Liebe – und zwar an die ewige. Doch kann Liebe wirklich ewig währen?

Die Antwort der Redaktion lautet:

Bianca Acevedo, Gesundheitswissenschaftlerin am Weill Medical College der Cornell University in New York: Ich habe Paare untersucht, die viele Jahre zusammen lebten und berichteten, immer noch sehr verliebt zu sein. Meine Befunde sprechen dafür, dass Menschen sich intensiv lieben können, auch wenn sie schon lange verheiratet sind. In einer Studie haben wir die Gehirnaktivität der Probanden beobachtet, während diese ein Foto ihres Ehepartners betrachteten. Im Schnitt waren die Paare etwa zwanzig Jahre verheiratet. Diese Daten haben wir mit anderen Studien verglichen, in denen die Paare durchschnittlich circa sechs Monate zusammen waren. Das Ergebnis: In den Gehirnen der frischverliebten und der langjährigen Paare zeigte sich ein ähnliches Muster. Im Belohnungssystem, vor allem in dopaminreichen Arealen wie dem ventralen Tegmentum, feuerten die Nervenzellen sehr stark – auch bei den seit zwanzig Jahren Verheirateten.

Viele Leute sind dennoch skeptisch, ob Paare über lange Zeit verliebt bleiben können. Über mehrere Jahre hab ich dazu Menschen befragt. Das Witzige ist: Obwohl sie an der ewigen Liebe zweifeln, kennt jeder mindestens ein Paar, dass lange zusammen ist und sich noch immer liebt. Überlegen Sie mal selbst! Doch die spannende Frage ist, wie gelingt es manchen Paaren, glücklich zu bleiben und weiterhin intensive Liebesgefühle zu empfinden?

Als wir uns die einzelnen Probanden in unserer Studie anschauten, sahen wir, dass sie sich sowohl in ihren Aktivitätsmustern als auch in ihren Fähigkeiten unterschieden. Wir haben ihre Hirnaktivität verglichen mit ihrem Geschick in romantischer und in freundschaftsbasierter Liebe, sowie mit einem Maß namens „Inklusion-​des-​Anderen-​ins-​Selbst“, das misst, wie sehr ich mich und meinen Partner als Einheit wahrnehme. Je besser die Teilnehmer bei der romantischen Liebesfähigkeit abschnitten und je mehr sie sich mit ihrem Geliebten eins fühlten, desto stärker feuerten ihre Neurone im Belohnungsschaltkreis, wenn sie das Bild ihres Partners sahen.

Zudem haben wir uns auch verschiedene Gehirnareale angeschaut, die in Studien zur mütterlichen Liebe und Bindung gefunden wurden. Die Individuen mit langen romantischen Beziehungen zeigten beim Anblick ihres Partners Aktivität in den gleichen Arealen, wie Mütter, die auf ihre Kinder reagieren. Von den aktiven Bereichen haben wir uns auf den Globus Pallidus konzentriert, weil dieses Kerngebiet reich an Rezeptoren für oxytocin und Vasopressin ist – Neurotransmitter, die monogame Nager ausschütten, wenn sie Paarbindungen eingehen oder aufrechterhalten. Menschen in den jungen Phasen einer Beziehung zeigen dieses Muster nicht. Zumindest in dieser Stichprobe scheinen sich Menschen über die Zeit aneinander zu binden.

Unsere Daten geben uns einen Hinweis, warum bei manchen Paaren die Liebe lange währt. Für manche Menschen bietet ihre Beziehung und die Einheit, die sie bilden, weiterhin eine Quelle der Befriedigung. Stellen Sie sich vor: Sie lieben Schokolade. Nun lernen sie alles über unterschiedlichste Varianten der Süßigkeit und probieren Schokolade aus fernen Ländern. Dann müssen Sie auch nicht an einem Punkt zwangsläufig aufhören Schokolade zu mögen, nur weil sie diese eine bestimmte Zeit lang mochten. Mit romantischen Partnern ist es noch komplexer und reicher, weil wir gemeinsam reisen und Familienereignisse, Erfolge und auch schlechte Zeiten teilen. Diese Erfahrungen bereichern uns und begründen mit, wer wir sind.

Aufgezeichnet von Hanna Drimalla

Neuron

Neuron/-/neuron

Das Neuron ist eine Zelle des Körpers, die auf Signalübertragung spezialisiert ist. Sie wird charakterisiert durch den Empfang und die Weiterleitung elektrischer oder chemischer Signale.

Neuron

Neuron/-/neuron

Das Neuron ist eine Zelle des Körpers, die auf Signalübertragung spezialisiert ist. Sie wird charakterisiert durch den Empfang und die Weiterleitung elektrischer oder chemischer Signale.

Rezeptor

Rezeptor/-/receptor

Signalempfänger in der Zellmembran. Chemisch gesehen ein Protein, das dafür verantwortlich ist, dass eine Zelle ein externes Signal mit einer bestimmten Reaktion beantwortet. Das externe Signal kann beispielsweise ein chemischer Botenstoff (Transmitter) sein, den eine aktivierte Nervenzelle in den synaptischen Spalt entlässt. Ein Rezeptor in der Membran der nachgeschalteten Zelle erkennt das Signal und sorgt dafür, dass diese Zelle ebenfalls aktiviert wird. Rezeptoren sind sowohl spezifisch für die Signalsubstanzen, auf die sie reagieren, als auch in Bezug auf die Antwortprozesse, die sie auslösen.

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