Frage an das Gehirn

Welche Teile des Gehirns sind dem Seh- und dem Hörsinn zugeordnet?

Fragesteller/in: R.S.

Veröffentlicht: 16.03.2020

Visuelle und akustische Reize werden im Gehirn verabeitet. Soweit so gut. Doch welche Bereiche sind hier wichtig?

Die Antwort der Redaktion lautet:

Prof. Dr. Christoph Kayser, Leiter der Forschungsgruppe „Kognitive Neurowissenschaften“ an der Universität Bielefeld:  Im Gehirn gibt es die Seh- und die Hörrinde, die primär für die Verarbeitung der visuellen und akustischen Informationen zuständig sind. Dabei sitzt die Sehrinde hinten im Schädel, also ungefähr da, wo wir die Hand auf den Hinterkopf legen. Und die Hörrinde sitzt an der Seite in der Nähe des Ohrs, um das einmal räumlich zu beschreiben. Es handelt sich dabei also um getrennte räumliche Areale im Gehirn. Die Informationen aus dem Auge gelangen über den Hirnstamm in die Sehrinde. Gleiches gilt für für akustische Signale. Diese gelangen ebenfalls über den Hirnstamm in die Hörrinde. Der Hirnstamm fungiert also als eine Art Verteilerkasten. Für jedes Sinnesorgan gibt es dort ein eigenes Areal.

Gleichzeitig wissen wir schon seit einiger Zeit, dass die Hörrinde auch von visuellen Eindrücken beeinflusst wird. Oder auch von dem, was ich ertaste, also haptischen Informationen. Dabei regen die visuellen oder haptischen Informationen die Aktivität der Hörrinde nicht so sehr an wie es bei Geräusche n oder Sprache der Fall ist. Vielmehr haben visuelle Eindrücke Einfluss darauf, wie Informationen in der Hörrinde verarbeitet werden.

Ein Beispiel für diese Art der Sinnesintegration wäre: Wir sitzen gerade in einer lauten Kneipe und unterhalten uns mit einer anderen Person. Wir verstehen diese Person buchstäblich besser, wenn wir diese Person auch sehen. Gerade wenn es viele Hintergrundgeräusche gibt – viele Menschen reden, die Musik ist laut und die Gläser klirren – dann ist das akustische Signal oft verrauscht, also nicht klar verständlich. Wir verstehen die andere Person wortwörtlich besser, wenn wir sie dann auch sehen. Wir sehen die Lippen, wir sehen auch Gestik und Mimik. Diese visuellen Informationen lassen uns auch besser Hören.

Man geht davon aus, dass ein Teil dieser Integration oder die Verstärkung der Sprachverarbeitung durch diese Einflüsse der visuellen Information auf die Hörrinde zustande kommt. Das konnten wir durch bildgebende Verfahren nachweisen. Wie genau die visuellen Informationen in die Hörrinde gelangen, da gibt es verschiedene Szenarien. Das ist noch nicht zu hundert Prozent verstanden. Eine Möglichkeit ist, dass die einzelnen Areale miteinander ve r knüpft sind. Diese Verknüpfungen sind dabei aber nicht so stark wie zum Beispiel zwischen dem Ohr und der Hörrinde. Sie sind eher spärlich ausgeprägt, aber sie könnten dazu beitragen, dass wir jemanden besser verstehen können, wenn wir ihn anschauen.

Aufgezeichnet von: Anke Lorenz-Hoppe

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