Der Epithalamus

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Der Epithalamus mit der Zirbeldrüse hat schon die Fantasie von Philosophen beflügelt. Auch heute noch gibt dieser Teil des Zwischenhirns den Neurowissenschaftlern Rätsel auf. Dabei besteht er hauptsächlich aus zwei Zügeln und einem Zapfen.

Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Jochen F. Staiger

Veröffentlicht: 09.10.2025

Niveau: mittel

Kurz und knapp

Der Epithalamus fasst in der klassischen Anatomie zwei Strukturen zusammen – zum einen die Epiphyse, die Zirbeldrüse, die über ihr Hormon Melatonin den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst. Und zum zweiten die Habenulae, die bei Vermeidung, Belohnung, Stress, Schmerz und sogar der Entscheidungsfindung und Sucht eine wichtige Rolle spielen. Beide Strukturen haben beim Säuger allerdings nichts miteinander zu tun, die alten Anatomen hatten schlicht noch nicht die heutigen Möglichkeiten zu dieser Erkenntnis.

Epithalamus

Epithalamus/Epithalamus/epithalamus

Ein hinter dem Thalamus (größter Teil des Zwischenhirns) gelegener Teil des Diencephalons (Zwischenhirn). Zu ihm gehören unter anderem die Habenulae und die Epiphyse.

Hormon

Hormon/-/hormone

Hormone sind chemische Botenstoffe im Körper. Sie dienen der meist langsamen Übermittlung von Informationen zwischen Organen und Zellen, z.B. der Regulation des Blutzuckerspiegels. Viele Hormone werden in Drüsenzellen gebildet und in das Blut abgegeben. Am Zielort, z.B. einem Organ, docken sie an Bindestellen an und lösen Prozesse im Inneren der Zelle aus. Hormone haben eine breitere Wirkung als Neurotransmitter, sie können verschiedene Funktionen in vielen Zellen des Körpers beeinflussen.

Melatonin

Melatonin/-/melatonin

Melatonin ist ein Hormon, das bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Gehirn freigesetzt wird. Die Melatoninkonzentration ist in der Nacht am höchsten und nimmt dann im Laufe des Tages ab. Damit ist es ein wichtiger Botenstoff der „inneren Uhr“ und scheint besonders an der Steuerung des Schlafes beteiligt zu sein.

Melatonin - das Schlafhormon

Das Hormon Melatonin aus der Zirbeldrüse steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus: Es dockt an Rezeptoren des Nucleus suprachiasmaticus im Hypothalamus – quasi der inneren Uhr des Menschen –, und kurbelt den Schlaf an. Die Zirbeldrüse produziert Melatonin nur bei Dunkelheit, also nachts, und wirkt sozusagen als Zeitgeber im Körper. Es heißt, ältere Menschen schütteten weniger Melatonin aus und benötigten daher weniger Schlaf. Das Hormon spielt auch eine Rolle bei der Entstehung von Jetlag bei Fernreisen und bei körperlichen Problemen durch Schichtarbeit.

Außerdem beeinflusst Melatonin die Keimdrüsen, indem es verhindert, dass die Hypophyse gonadotrope, also keimdrüsenstimulierende, Hormone ausschüttet, darunter das Follikelstimulierende Hormon und das Luteinisierende Hormon. Fällt die Zirbeldrüse bei Kindern aus, kann das eine frühzeitige Pubertät zur Folge haben. Nur am Rand: Bei Amphibien führt Melatonin zu einer Depigmentierung der Haut.

Melatoninhaltige Medikamente sollen gegen den Jetlag wirken, den Schlaf fördern oder freie Radikale abfangen und so Krebs vorbeugen. Viele dieser Wirkungen sind jedoch nicht bewiesen. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) befand im Jahr 2010, dass die Behauptung „Melatonin trägt zur Linderung des subjektiven Jetlag-Gefühls bei“ wissenschaftlich gerechtfertigt sei, es aber nicht genug Belege dafür gebe, dass die Einnahme melatoninhaltiger Mittel die Schlafqualität verbessere oder die Einschlafzeit verkürze.

Hormon

Hormon/-/hormone

Hormone sind chemische Botenstoffe im Körper. Sie dienen der meist langsamen Übermittlung von Informationen zwischen Organen und Zellen, z.B. der Regulation des Blutzuckerspiegels. Viele Hormone werden in Drüsenzellen gebildet und in das Blut abgegeben. Am Zielort, z.B. einem Organ, docken sie an Bindestellen an und lösen Prozesse im Inneren der Zelle aus. Hormone haben eine breitere Wirkung als Neurotransmitter, sie können verschiedene Funktionen in vielen Zellen des Körpers beeinflussen.

Melatonin

Melatonin/-/melatonin

Melatonin ist ein Hormon, das bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Gehirn freigesetzt wird. Die Melatoninkonzentration ist in der Nacht am höchsten und nimmt dann im Laufe des Tages ab. Damit ist es ein wichtiger Botenstoff der „inneren Uhr“ und scheint besonders an der Steuerung des Schlafes beteiligt zu sein.

Nucleus

Nucleus/Nucleus/nucleus

Nucleus, Plural Nuclei, bezeichnet zweierlei: In der Zellbiologie den Zellkern, der unter anderem die Chromosomen enthält. In der Neuroanatomie bezeichnet es im Nervensystem eine Ansammlung von Zellkörpern – im zentralen Nervensystem als graue Substanz, im peripheren als Ganglien.

Nucleus suprachiasmaticus

Nucleus suprachiasmaticus/Nucleus subchiasmaticus/suprachiasmatic nucleus

Ein Kern des Hypothalamus, der eine zentrale Rolle bei den circadianen Rhythmen – darunter der Wach-​Schlaf-​Rhythmus – spielt. Er ist die master clock, die wichtigste innere Uhr des Körpers, wobei er die Melatoninproduktion in der Epiphyse kontrolliert. Direkte Eingänge erhält er von den retinalen Ganglienzellen.

Hypothalamus

Hypothalamus/-/hypothalamus

Der Hypothalamus gilt als das Zentrum des autonomen Nervensystems, er steuert also viele motivationale Zustände und kontrolliert vegetative Aspekte wie Hunger, Durst oder Sexualverhalten. Als endokrine Drüse (die – im Gegensatz zu einer exokrinen Drüse – ihre Hormone ohne Ausführungsgang direkt ins Blut abgibt) produziert er zahlreiche Hormone, die teilweise die Hypophyse hemmen oder anregen, ihrerseits Hormone ins Blut abzugeben. In dieser Funktion spielt er auch bei der Reaktion auf Schmerz eine wichtige Rolle und ist in die Schmerzmodulation involviert.

Hypophyse

Hypophyse/-/pituitary gland

Die Hypophyse ist eine wichtige Hormondrüse im Körper. Sie hängt wie ein Tropfen unterhalb des Hypothalamus und ist nicht größer als eine Erbse. Die Hypophyse besteht aus zwei Teilen, dem Hypophysenvorderlappen (Adenohypophyse) und dem Hypophysenhinterlappen (Neurohypophyse). Der Vorderlappen der Hypophyse hat die besondere Eigenschaft, teilweise von der Blut-Hirn-Schranke ausgenommen zu sein, um Hormone direkt ins Blut abzugeben.

Neue Aufgaben für die Habenula

„ ... die Nuclei habenulares ... bilden vermutlich eine Schaltstation zwischen Riechhirn und Hirnstamm“ – so steht es in älteren Lehrbüchern. Doch womöglich müssen diese umgeschrieben werden, denn jüngere Erkenntnisse lassen vermuten, dass die Zügelkerne gar keine olfaktorischen Informationen bekommen.

Dafür tun sich andere – und weitreichendere – Aufgaben für die Habenula auf: Aus den Basalganglien gelangen Informationen über Fehler und Bestrafung zur Habenula, die dann mit dem ventralen Tegmentum und der Substantia nigra Strukturen des dopaminergen Systems beeinflusst – und in dieser Funktion ebenfalls die Motorik hemmt. Zum selben Ergebnis führen auch Informationen über Schmerz und Stress aus dem limbischen System, wobei von Habenula dann zusätzlich zu den dopaminergen Kernen auch die Raphe-Kerne und damit die Serotoninproduktion beeinflusst werden.

Basalganglien

Basalganglien/Nuclei basales/basal ganglia

Basalganglien sind eine Gruppe subcorticaler Kerne (unterhalb der Großhirnrinde gelegen) im Telencephalon. Zu den Basalganglien zählen der Globus pallidus und das Striatum, und je nach Autor weitere Strukturen, wie z. B. die Substantia nigra und der Nucleus subthalamicus. Die Basalganglien werden primär mit der Willkürmotorik in Verbindung gebracht, beeinflussen aber auch Motivation, Lernen und Emotion.

Tegmentum

Tegmentum/-/tegmentum

Tegmentum (von lateinischen „tegere“ „bedecken“). Es handelt sich um den ventralen, unter dem Aquädukt gelegenen Teil des Mittelhirns. Hier finden sich Kerne wie die Substantia nigra, Formatio reticularis, Hirnnervenkerne und der Nucleus ruber.

Substantia nigra

Substantia nigra/Substantia nigra/substantia nigra

Ein Kernkomplex im ventralen Mesencephalon, der eine zentrale Rolle bei der Bewegungseinleitung und -modulation spielt. Sie erscheint aufgrund von Neuromelanin dunkel. Ihre dopaminergen Neurone projizieren über die nigrostriatalen Bahnen zum Putamen und Nucleus caudatus. Ein Ausfall dieser Neurone führt zu den typischen Symptomen des Morbus Parkinson.

Fast versteckt an der hinteren Wand des dritten Ventrikels befindet sich der Epithalamus. Er sitzt dem viel größeren Thalamus von hinten und oben auf, und so erklärt sich auch sein Name: Die griechische Vorsilbe „epi“ bedeutet „auf“. Zum Epithalamus zählen die eindrucksvollen Habenulae – zu Deutsch die „Zügel“ – zwei Gehirnmassestränge, die sich schwungvoll in der Mitte, bei der unpaaren Epiphyse, der Zirbeldrüse, vereinen. Rückseitig betrachtet erinnert die Struktur tatsächlich an die Zügel eines Pferdegeschirrs, die an den beiden Seiten einer Trense festgemacht sind.

Noch drei weitere Strukturen werden zum Epithalamus gezählt. Zum einen setzen sich die Habenulae in die Striae medullares fort, weißen Markstreifen, die quer über den Thalamus ziehen und diesen mit den Habenulae verbinden. Weiterhin rechnet man die Commissura posterior, manchmal auch als Commissura epithalamica bezeichnet, zum Epithalamus sowie die Area pretectalis. Kommissurfasern kreuzen stets von einer Gehirnhälfte zur anderen und im Fall der Commissura posterior, der hinteren Kommissur, kreuzen unter anderem Fasern der Vierhügelplatte und des Tegmentums im Mittelhirn die Seiten. Von der Funktion her gehören allerdings sowohl die hintere Kommissur als auch die Area pretectalis zum visuellen System: Beim Pupillenreflex, wenn sich zum Beispiel bei Dunkelheit die Pupillen weit stellen oder bei plötzlichem Lichteinfall verengen, ist die Area pretectalis am Werk.

Der offizielle Star des Epithalamus ist wohl die Epiphyse, die Zirbeldrüse. Zumindest vom Namen her war sie bereits in der Zeit vor Christi Geburt bekannt; damals und auch später rankten sich alle möglichen Theorien um das nicht einmal ein Zentimeter große Organ: Man nahm beispielsweise an, die Zirbeldrüse wäre eine Art Ventil für Gedanken und Erinnerungen. Die Drüse liegt oberhalb der Vierhügelplatte, wölbt sich quasi aus dem dritten Ventrikel heraus und hat die Form eines Pinienzapfens. Daher kommt auch ihr lateinischer Name: Glandula pinealis, Piniendrüse. Die Epiphyse ist zu einem großen Teil von innerer Hirnhaut überzogen, welche Blutgefäße an die Drüse heranführt. Sie ist hauptsächlich aus Pinealozyten aufgebaut, so heißen die hormonproduzierenden Zellen des Drüsengewebes. Bindegewebe segmentiert das Gewebe in viele Bläschen, unter dem Mikroskop sieht das im Querschnitt aus wie Bienenwaben. Außerdem enthält die Zirbeldrüse Gliazellen als Stützzellen und Nervenfasern.

Epithalamus

Epithalamus/Epithalamus/epithalamus

Ein hinter dem Thalamus (größter Teil des Zwischenhirns) gelegener Teil des Diencephalons (Zwischenhirn). Zu ihm gehören unter anderem die Habenulae und die Epiphyse.

Habenulae

Habenulae/Habenulae/habenula

Die Habenulae – wörtlich übersetzt die Zügel – sind Teil des Epithalamus (der ein Teil des Zwischenhirns ist) und primär an der Modulation von Monoamin-Neurotransmittern (Dopamin, Serotonin) beteiligt.

Vierhügelplatte

Vierhügelplatte/Tectum/-

Eine Struktur am Mittelhirn, die aus zwei Hügelpaaren besteht, den oberen Colliculi superiores und den unteren Colliculi inferiores.

Kommissur

Kommissur/-/commissure

Eine Kommissur ist eine Faserverbindung zwischen zwei anatomischen Arealen, primär von der einen Hemisphäre zur anderen. Die größte Kommissur im menschlichen Gehirn ist das Corpus callosum, der Balken.

Epiphyse

Zirbeldrüse/Glandula pinalis/pineal gland

Die Epiphyse (Zirbeldrüse) ist ein unpaariger Bestandteil des Epithalamus (Teil des Zwischenhirns). Es handelt sich um eine Drüse, die Melatonin ausschüttet. Über die Epiphyse wird unter anderem die „innere Uhr“ gesteuert.

Gliazellen

Gliazellen/-/glia cells

Gliazellen stellen neben den Neuronen die zweite große Gruppe von Zellen im Gehirn dar. Sie wurden lange Zeit als die inaktiven Elemente des Gehirns, als „Nervenkitt“ bezeichnet. Heute weiß man, dass die verschiedenen Typen von Gliazellen (Astrozyten, Oligodendrozyten und Mikroglia im ZNS; Schwann-Zellen im PNS) klar definierte Aufgaben im Nervensystem erfüllen. So reagieren sie z. B. auf Krankheitserreger, spielen eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Nervenzellen oder isolieren Nervenfasern. Ihr Anteil im Vergleich zu den Neuronen liegt bei etwas über 50 Prozent.

Funktion der Epiphyse

„Es gibt eine kleine Drüse im Gehirn, in der die Seele ihre Funktion spezieller ausübt als in jedem anderen Teil des Körpers“, schrieb im 17. Jahrhundert der Philosoph René Descartes über die Zirbeldrüse. Er glaubte, dass sich in diesem Organ Leib und Seele vereinen – eine Vorstellung, welche die Realität gänzlich verfehlt. Heutzutage weiß man: Die Zirbeldrüse produziert das Hormon Melatonin (siehe Kasten) und schüttet es ins Blut aus. Allerdings macht sie das nur nachts. Tageslicht hemmt die Enzyme, die aus Serotonin in zwei Schritten Melatonin produzieren.

Ursprünglich war die Zirbeldrüse nicht nur endokrines Organ, sondern auch Sinnesorgan mit Photorezeptorzellen. Diese haben sich im Laufe der Evolution aber zurückgebildet. Tatsächlich besitzen einige Amphibien und Reptilien, beispielsweise die neuseeländische Brückenechse (oft als lebendes Fossil bezeichnet) ein drittes Auge unter der Haut ihrer Schädeldecke, das Scheitelauge. Durch dieses kann tatsächlich Licht direkt ins Gehirn fallen und so können die Tiere besonders gut Hell-Dunkel-Unterschiede wahrnehmen. Bei Säugetieren ist die Schädeldecke aber so dick, dass die Zirbeldrüse ihre Photorezeptorzellen nicht mehr benötigt. Trotzdem empfängt sie Lichtsignale, nämlich über weitläufige Nervenbahnen, die von der Netzhaut über den Hypothalamus ins Rückenmark ziehen und über das Ganglion cervicale superius, den Halssympathikus, die Epiphyse erreichen. Das sind auch die einzigen nervalen Faserzugänge des Organs bei Säugern.

Die Zirbeldrüse nimmt über Melatonin an der Regulation des Tag- und Nachtrhythmus teil und beeinflusst, neben einer Vielzahl anderer innerer Organe, auch die Keimdrüsen. Neben Melatonin gibt die Epiphyse noch andere Verbindungen, Neuropeptide, ins Blut ab, deren Wirkungen allerdings bisher unbekannt sind. Selbst über die Funktion des Melatonins gibt es immer neue Erkenntnisse. Die Zirbeldrüse ist demnach auch heutzutage ein spannendes Forschungsfeld für die Neurowissenschaftler.

Bereits vor dem 20. Lebensjahr, also in recht jungem Alter, beginnt die Epiphyse zu verkalken. Stützzellen vermehren sich verstärkt, eigentliches Drüsengewebe geht unter und es bilden sich Zysten, in die sich Calcium- und Magnesiumsalze einlagern. Das Phänomen nennt der Arzt Hirnsand, Acervulus – im Röntgenbild sind diese Kalkablagerungen gut zu sehen. Doch ihre Bedeutung ist bisher unklar.

Hormon

Hormon/-/hormone

Hormone sind chemische Botenstoffe im Körper. Sie dienen der meist langsamen Übermittlung von Informationen zwischen Organen und Zellen, z.B. der Regulation des Blutzuckerspiegels. Viele Hormone werden in Drüsenzellen gebildet und in das Blut abgegeben. Am Zielort, z.B. einem Organ, docken sie an Bindestellen an und lösen Prozesse im Inneren der Zelle aus. Hormone haben eine breitere Wirkung als Neurotransmitter, sie können verschiedene Funktionen in vielen Zellen des Körpers beeinflussen.

Melatonin

Melatonin/-/melatonin

Melatonin ist ein Hormon, das bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Gehirn freigesetzt wird. Die Melatoninkonzentration ist in der Nacht am höchsten und nimmt dann im Laufe des Tages ab. Damit ist es ein wichtiger Botenstoff der „inneren Uhr“ und scheint besonders an der Steuerung des Schlafes beteiligt zu sein.

Serotonin

Serotonin/-/serotonin

Ein Neurotransmitter, der bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen an deren Synapsen als Botenstoff dient. Er wird primär in den Raphé-​Kernen des Hirnstamms produziert und spielt eine maßgebliche Rolle bei Schlaf und Wachsamkeit, sowie der emotionalen Befindlichkeit.

Auge

Augapfel/Bulbus oculi/eye bulb

Das Auge ist das Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Lichtreizen – von elektromagnetischer Strahlung eines bestimmten Frequenzbereiches. Das für den Menschen sichtbare Licht liegt im Bereich zwischen 380 und 780 Nanometer.

Netzhaut

Netzhaut/Retina/retina

Die Netzhaut oder Retina ist die innere mit Pigmentepithel besetzte Augenhaut. Die Retina zeichnet sich durch eine inverse (umgekehrte) Anordnung aus: Licht muss erst mehrere Schichten durchdringen, bevor es auf die Fotorezeptoren (Zapfen und Stäbchen) trifft. Die Signale der Fotorezeptoren werden über den Sehnerv in verarbeitende Areale des Gehirns weitergeleitet. Grund für die inverse Anordnung ist die entwicklungsgeschichtliche Entstehung der Netzhaut, es handelt sich um eine Ausstülpung des Gehirns.
Die Netzhaut ist ca 0,2 bis 0,5 mm dick.

Hypothalamus

Hypothalamus/-/hypothalamus

Der Hypothalamus gilt als das Zentrum des autonomen Nervensystems, er steuert also viele motivationale Zustände und kontrolliert vegetative Aspekte wie Hunger, Durst oder Sexualverhalten. Als endokrine Drüse (die – im Gegensatz zu einer exokrinen Drüse – ihre Hormone ohne Ausführungsgang direkt ins Blut abgibt) produziert er zahlreiche Hormone, die teilweise die Hypophyse hemmen oder anregen, ihrerseits Hormone ins Blut abzugeben. In dieser Funktion spielt er auch bei der Reaktion auf Schmerz eine wichtige Rolle und ist in die Schmerzmodulation involviert.

Rückenmark

Rückenmark/Medulla spinalis/spinal cord

Das Rückenmark ist der Teil des zentralen Nervensystems, das in der Wirbelsäule liegt. Es verfügt sowohl über die weiße Substanz der Nervenfasern, als auch über die graue Substanz der Zellkerne. Einfache Reflexe wie der Kniesehnenreflex werden bereits hier verarbeitet, da sensorische und motorische Neuronen direkt verschaltet sind. Das Rückenmark wird in Zervikal-​, Thorakal-​, Lumbal und Sakralmark unterteilt.

Ganglion

Ganglion/-/ganglia

Bezeichnung für eine Ballung von Nervenzellkörpern im peripheren Nervensystem. Gerne findet der Begriff Nervenknoten Verwendung, wegen seines Erscheinungsbildes. (gr. Gágglion = knotenartig‚)

Epiphyse

Zirbeldrüse/Glandula pinalis/pineal gland

Die Epiphyse (Zirbeldrüse) ist ein unpaariger Bestandteil des Epithalamus (Teil des Zwischenhirns). Es handelt sich um eine Drüse, die Melatonin ausschüttet. Über die Epiphyse wird unter anderem die „innere Uhr“ gesteuert.

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Die Zügel – nicht nur anatomisch

Obwohl ihre Form dies vermuten ließe, ist die Habenula kein Faserstrang, sondern vielmehr eine Ansammlung von Kerngebieten. Anders die Striae medullares – sie bringen Fasern aus den Septumkernen des limbischen Systems, von den Nuclei preoptici und vom Mandelkernkomplex in diese Region. Diese Fasern laufen in die Zügel aus. Am Übergang zwischen beidem liegen die Nuclei habenulares, die Zügelkerne. Sie haben trotz ihrer geringen Größe erstaunlich weitreichende Funktionen, die unser gesamtes Verhalten bis hin zur Entscheidungsfindung beeinflussen können.

So beeinflusst die laterale Habenula das Belohungssystem, indem sie es hemmt, wenn das Ergebnis nicht der Erwartung entspricht. Damit spielt sie auch eine Rolle bei entsprechenden Lernprozessen, der Stressantwort mit Flucht oder Kampf und sogar der Verarbeitung von Schmerz. Selbst bei Angstkonditionierung wird sie aktiv. All das ist extrem sinnvoll, wenn es um die Anpassung an Veränderungen in der Umwelt geht. Es kann aber auch über das Ziel hinausschießen – wird das Belohnungszentrum zu sehr gebremst, wird also zu wenig Dopamin und auch Serotonin freigesetzt – können Anhedonie und sogar Depression die Folge sein.

Die mediale Habenula hat ähnliche, fast noch weiterreichende Kompetenzen: Sie reguliert Stimmungen, verarbeitet negative Emotionen und motiviert Reaktionen auf unangenehme und schmerzhafte Situationen. Damit beeinflusst sie maßgeblich höhere Gehirnfunktionen wie Entscheidungsfindung und Aufmerksamkeit. Allerdings spielt sie auch eine Rolle bei Entzug und Rückfall in eine Sucht.

Dopamin

Dopamin/-/dopamine

Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff des zentralen Nervensystems, der in die Gruppe der Catecholamine gehört. Es spielt eine Rolle bei Motorik, Motivation, Emotion und kognitiven Prozessen. Störungen in der Funktion dieses Transmitters spielen eine Rolle bei vielen Erkrankungen des Gehirns, wie Schizophrenie, Depression, Parkinsonsche Krankheit, oder Substanzabhängigkeit.

Serotonin

Serotonin/-/serotonin

Ein Neurotransmitter, der bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen an deren Synapsen als Botenstoff dient. Er wird primär in den Raphé-​Kernen des Hirnstamms produziert und spielt eine maßgebliche Rolle bei Schlaf und Wachsamkeit, sowie der emotionalen Befindlichkeit.

Depression

Depression/-/depression

Psychische Erkrankung, deren Hauptsymptome die traurige Verstimmung sowie der Verlust von Freude, Antrieb und Interesse sind. In den gegenwärtigen Klassifikationssystemen werden verschiedene Arten der Depression unterschieden.

Emotionen

Emotionen/-/emotions

Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler komplexe Reaktionsmuster, die erfahrungsbezogene, physiologische und verhaltensbezogene Komponenten umfassen. Sie entstehen als Reaktion auf personenrelevante oder bedeutsame Ereignisse und erzeugen eine Handlungsbereitschaft, durch die das Individuum versucht, mit der Situation umzugehen. Emotionen treten typischerweise mit subjektivem Erleben (Gefühl) auf, unterscheiden sich aber von reinem Gefühl durch ein bewusstes oder implizites Engagement mit der Umwelt. Emotionen entstehen u.a. im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.

Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit/-/attention

Aufmerksamkeit dient uns als Werkzeug, innere und äußere Reize bewusst wahrzunehmen. Dies gelingt uns, indem wir unsere mentalen Ressourcen auf eine begrenzte Anzahl von Reizen bzw. Informationen konzentrieren. Während manche Stimuli automatisch unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, können wir andere kontrolliert auswählen. Unbewusst verarbeitet das Gehirn immer auch Reize, die gerade nicht im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen.

zum Weiterlesen:

  • Standpunkt der EFSA zu melatoninhaltigen Medikamenten; URL: http://​www​.efsa​.europa​.eu/​e​n​/​e​f​s​a​j​o​u​r​n​a​l​/​d​o​c​/​1​4​6​7.pdf; zur Webseite.

Erstveröffentlichung am 28. August 2011
Letzte Aktualisierung am 9. Oktober 2025

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