Das politische Gehirn
Ein Zoon politikon, ein politisches Tier sei der Mensch, schrieb der griechische Philosoph Aristoteles. „Politikon“ meint, dass uns das Leben in der Gruppe im Blut liegt, dass wir allein nicht existieren können. Die moderne Neurowissenschaft konnte inzwischen auch das „Zoon“ bestätigen. Denn unsere politischen Entscheidungen treffen wir nicht mit dem Intellekt, sondern ziemlich instinktiv.
Die verschiedensten Methoden – von der Zwillingsforschung über die Genomanalyse, von der Durchleuchtung im Hirnscanner bis zur Befragung auf der Straße – kamen immer wieder zu diesem Ergebnis: Das politische Gehirn ist ein emotionales Gehirn. Wohl deshalb empfiehlt der amerikanische Hirnforscher und Politikberater Drew Westen, im Wahlkampf auf Emotionen zu setzen! Unter anderen Obama und der SPD.
Unsere politischen Vorlieben sind uns tatsächlich zu einem großen Teil in die Wiege gelegt – ähnlich wie unsere Persönlichkeit. Doch natürlich prägt uns auch das Elternhaus. Wissen und Argumente verändern unsere politische Weltsicht dagegen nur marginal. Da ist unser Gehirn stur – es passt lieber die Fakten der Gemütslage an als umgekehrt.
Wie unser Unbewusstes für uns entscheidet
Emotionen
Emotionen/-/emotions
Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler komplexe Reaktionsmuster, die erfahrungsbezogene, physiologische und verhaltensbezogene Komponenten umfassen. Sie entstehen als Reaktion auf personenrelevante oder bedeutsame Ereignisse und erzeugen eine Handlungsbereitschaft, durch die das Individuum versucht, mit der Situation umzugehen. Emotionen treten typischerweise mit subjektivem Erleben (Gefühl) auf, unterscheiden sich aber von reinem Gefühl durch ein bewusstes oder implizites Engagement mit der Umwelt. Emotionen entstehen u.a. im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.