Plaques in den Halsschlagadern – eine zu wenig beachtete Schlaganfallursache

© LMU Klinikum
Gefährliche Plaques in der Halsschlagader

Ärzte des LMU Klinikums konnten in einer Studie zeigen, dass vulnerable nicht-stenosierende Plaques in der Halsschlagader eine wichtige Schlaganfallursache sind.

Quelle: LMU Klinikum München

Veröffentlicht: 02.11.2020

Schlaganfälle sind die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen und zweithäufigste Todesursache. Die Ermittlung des zugrundeliegenden Mechanismus (z.B. einer Engstelle in der Halsschlagader oder einer Embolie bei Vorhofflimmern) ist für eine effektive Behandlung essenziell. Jedoch bleibt die Schlaganfallursache auch bei ausführlicher Diagnostik in bis zu 30 Prozent der Fälle unklar.

Ein Team von Ärzten des LMU Klinikums unter Leitung von Prof. Martin Dichgans (Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung) und Prof. Tobias Saam (ehemals Klinik und Poliklinik für Radiologie des LMU Klinikums) konnte nun zeigen, dass bei fast einem Drittel der Patienten mit ungeklärter Schlaganfallursache sogenannte komplizierte Plaques in der dem Schlaganfall vorgeschalteten Halsschlagadern zu finden sind.

Dazu erhielten 234 Schlaganfall-Patienten an insgesamt vier Studienzentren (Universität Freiburg, Universität Tübingen, Technische Universität München und Ludwig-Maximilians-Universität München) eine hochauflösende, kontrastmittelverstärkte Plaque-Bildgebung mittels Magnetresonanztomographie (MRT). 

Es zeigte sich eine klare Assoziation zwischen komplizierten Karotisplaques und Schlaganfällen im abhängigen Gefäßgebiet bei Patienten mit einer unbekannten Schlaganfallätiologie. Die Wissenschaftler konnten zudem zeigen, dass eine Plaque-Einblutung das häufigste Merkmal für eine komplizierte Plaque ist. Damit lässt sich die ausführliche Plaque-Bildgebung im MRT erheblich vereinfachen: Es muss zukünftig lediglich auf eine mögliche Plaque-Einblutung untersucht werden – eine komplexe MRT-Untersuchung mit Halsspule und Kontrastmittel ist hierfür nicht notwendig.

Die Autoren der Studie sprechen sich dafür aus, die Plaque-Bildgebung mittels MRT in die klinische Routinediagnostik des Schlaganfalls aufzunehmen. Die erhobenen Befunde könnten Konsequenzen für die gezielte Behandlung nach einem Schlaganfall haben. Dies soll in weiterführenden Studien geklärt werden.

Plaques

senile Plaques/-/senile plaques

Senile Plaques lagern sich in der grauen Hirnsubstanz ab, wenn ein Eiweiß – das so genannte Amyloid-​Vorläuferprotein – nicht korrekt abgebaut wird. Entzündungen sowie Erkrankungen des Fett– oder des Zuckerstoffwechsels können die Plaquebildung begünstigen. Im Schnitt erreichen die Ablagerungen einen Durchmesser von 50 Mikrometern. Das Auftreten von Plaques ist eine von mehreren anatomischen Veränderungen im Gehirn, anhand derer Pathologen nach dem Tod eine Alzheimer-​Erkrankung diagnostizieren können.

Schlaganfall

Schlaganfall/Apoplexia cerebri/stroke

Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn oder Teile davon nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, wodurch Sauerstoff- und Glukoseversorgung beeinträchtigt sind. Die häufigste Ursache ist ein Verschluss einer Arterie (ischämischer Schlaganfall), seltener eine Blutung (hämorrhagischer Schlaganfall). Typische Symptome sind plötzliche Sehstörungen, Schwindel, Lähmungen, Sprach- oder Sensibilitätsstörungen. Langfristige Folgen können verschiedene Gefühls-, Bewegungs- und kognitive Einschränkungen sein.

Magnetresonanztomographie

Magnetresonanztomographie/-/magnetic resonance imaging

Ein bildgebendes Verfahren, das Mediziner zur Diagnose verschiedener Erkrankungen und Fehlbildungen in unterschiedlichen Geweben oder Organen des Körpers einsetzen. Die Methode wird umgangssprachlich auch Kernspin genannt. Sie beruht darauf, dass die Kerne mancher Atome einen Eigendrehimpuls besitzen, der sich im starken Magnetfeld ausrichtet. Diese Eigenschaft trifft unter anderem auf Wasserstoff zu. Deshalb können Gewebe, die viel Wasser enthalten, besonders gut dargestellt werden. Abkürzung: MRT.

Originalpublikation

Anna Kopczak , Andreas Schindler , Anna Bayer-Karpinska , Mia L. Koch , Dominik Sepp , Julia Zeller , Christoph Strecker , Johann-Martin Hempel , Chun Yuan , Rainer Malik , Frank A. Wollenweber , Tobias Boeckh-Behrens , Clemens C. Cyran , Andreas Helck , Andreas Harloff , Ulf Ziemann , Sven Poli , Holger Poppert , Martin Dichgans , and Tobias Saam; Complicated Carotid Artery Plaques as a Cause of Cryptogenic Stroke; Journal of the American College of Cardiology (JACC); https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacc.2020.09.532

Plaques

senile Plaques/-/senile plaques

Senile Plaques lagern sich in der grauen Hirnsubstanz ab, wenn ein Eiweiß – das so genannte Amyloid-​Vorläuferprotein – nicht korrekt abgebaut wird. Entzündungen sowie Erkrankungen des Fett– oder des Zuckerstoffwechsels können die Plaquebildung begünstigen. Im Schnitt erreichen die Ablagerungen einen Durchmesser von 50 Mikrometern. Das Auftreten von Plaques ist eine von mehreren anatomischen Veränderungen im Gehirn, anhand derer Pathologen nach dem Tod eine Alzheimer-​Erkrankung diagnostizieren können.

467 votes with an average rating of 0.

Lizenzbestimmungen

Keine Nutzungslizenz vergeben:
Nur anschauen erlaubt.