Frage an das Gehirn

Starker Kopfschmerz oder doch Migräne?

Fragesteller/in: Jasmin S. aus Waiblingen

Veröffentlicht: 21.12.2025

Was unterscheidet Migräne von normalen Kopfschmerzen?

Die Antwort der Redaktion lautet:

Prof. Dr. Dagny Holle-Lee, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und Schwindelzentrums Essen, Oberärztin der Klinik für Neurologie, Universitätsmedizin Essen:  Migräne ist weit mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die Betroffene im Alltag oft erheblich einschränkt. Viele können während einer Attacke nicht arbeiten, sich schlecht konzentrieren oder ihre üblichen Aufgaben kaum bewältigen. Das Gefühl, nicht mehr die gewohnte Leistungsfähigkeit zu haben, gehört für viele dazu.

Nach der internationalen Kopfschmerzklassifikation liegt eine Migräne vor, wenn mindestens zwei typische Merkmale erfüllt sind: Der Schmerz kann einseitig auftreten, pochen oder pulsieren, mittelstark bis stark ausgeprägt sein oder sich durch körperliche Aktivität – etwa beim Treppensteigen – verstärken. Hinzu kommen häufig Übelkeit und/oder Erbrechen sowie Licht- oder Lärmempfindlichkeit. Wenn solche Attacken mindestens fünfmal aufgetreten sind, kann die Diagnose gestellt werden. Allerdings wurden diese Kriterien für klinische Studien entwickelt. Im Alltag zeigt sich oft ein breiteres Spektrum. Daher kann eine Migräne auch dann bestehen, wenn nicht jedes Kriterium erfüllt ist.

Menschen mit Migräne bringen eine gewisse Anfälligkeit bereits mit: Sie werden mit einem „Migräne-Gehirn“ geboren. Hormonelle Schwankungen, Stress, Schlafrhythmus, Lebensstil oder Wetterveränderungen können im Laufe des Lebens Auslöser für Attacken sein. Die typischen Schmerzen entstehen durch Entzündungsprozesse an den Hirnhäuten.

Das klassische Bild der Migräne – eine Frau im abgedunkelten Zimmer mit kaltem Tuch auf der Stirn – trifft nur auf einen Teil der Betroffenen zu. Viele gehen trotz Migräne zur Arbeit und funktionieren äußerlich, obwohl sie deutlich eingeschränkt sind. Davon abzugrenzen ist etwa der Spannungskopfschmerz. Er verursacht selten echten Leidensdruck und beeinträchtigt den Alltag nicht. Problematisch wird er nur, wenn er beinahe täglich auftritt, was insgesamt sehr selten ist. Kopfschmerzen, die den Alltag jedoch spürbar belasten, beruhen meist auf einer Migräne.

Am Ende ist wichtig zu wissen: Es gibt keinen „normalen“ Kopfschmerz. Normal ist es, keine Kopfschmerzen zu haben. Sobald Kopfschmerzen einen Leidensdruck erzeugen oder Aktivitäten einschränken, lohnt es sich immer, nach der Ursache zu suchen – denn die Ursache, oft eine Migräne, ist in vielen Fällen sehr gut behandelbar.

Aufgezeichnet von Stefanie Flunkert

 

 

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