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Editorial
Wir und die anderen

Wir und die anderen

Wir lieben sie, wir hassen sie. Wir opfern uns für sie – aber eben nicht für jeden.
Das klingt kompliziert, aber tatsächlich ist es schlau.

Der Mensch mag dem Menschen ein Wolf sein, aber auch die meisten Wölfe leben in Rudeln. Beide Spezies – und viele mehr – stellt das vor diverse Probleme: Wer ist stärker als ich? Wer schwächer? Wer ist der Leitwolf? Fragen wie diese sichern das Überleben. Sicher ist: Hierarchien können zu großen Problemen führen. Der Philosoph Nick Humphrey ist jedoch nicht allein mit der Feststellung, dass genau diese Auseinandersetzung die Evolution unserer Psyche gewaltig vorangetrieben hat.

Ein wichtiges Thema der Primaten ist der Umgang ganzer Gruppen untereinander. In einem Umfeld mit begrenzten Ressourcen ist Vorsicht angebracht, selbst Schimpansen führen Kriege. Auch Menschen begegnen Fremden erst einmal mit Misstrauen – oft genug zu Recht, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt. Eine Einzelstellung hat der Mensch allerdings im Ausmaß seiner Grausamkeiten, und wohl nur er steht vor der Frage von Gut und Böse. Letzterem haben wir hier einen eigenen Text gewidmet.

Wer vor dem Bösen flieht, sieht sich wieder ganz eigenen Schwierigkeiten ausgesetzt: Wenn die Flucht gelingt, hören die Probleme noch lange nicht auf. Mitgebrachte Trauma enden nicht hinter der Grenze des vermeintlich sicheren Landes. Die fehlende Heimat, die fremde Kultur und Erfahrungen der Ausgrenzung – all das will bewältigt werden.

Wir und die anderen ist ein großes, faszinierendes Gebiet mit vielen Facetten. Wie wir damit umgehen, definiert unsere Zukunft und die unserer Kinder. Die Wurzeln des Themas beleuchtet Christian Honey in seinem Text Mein Rudel, Dein Rudel.

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