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Alles nur blöde Sprüche?

Es gibt viele Sprüche über die Liebe: Man könne sich gegenseitig gut riechen, sie sei Herzenssache, Schmetterlinge hätten auch damit zu tun. Für das Projekt www.napse.de haben Tübinger Studenten genauer hingeschaut. 

napse.de – Liebe ist Herzenssache


Spruch 1: Verliebte sehen alles durch die rosarote Brille

Was ist dran?
Ob nun Verliebte alles durch die rosarote Brille sehen oder Liebe sogar blind macht – der Volksmund spricht dem Verliebten gerne eine beschränkte Wahrnehmung auf die Dinge, die um ihn herum geschehen, zu. Ob an diesen Redewendungen tatsächlich etwas Wahres dran ist, konnte der Neurowissenschaftler Andreas Bartels prüfen. In einem Experiment am Computertomographen untersuchte Bartels die Hirnaktivität von verliebten Menschen beim Anblick ihres Geliebten. Zur gleichen Zeit überprüfte er, wie sich diese Hirnströmungen von den Aktivitäten beim Anblick von Freunden oder Bekannten der Probanden unterscheiden. Bartels fand heraus, dass die Areale, die für das Belohnungssystem des Gehirns eine entscheidende Rolle spielen, beim Anblick der geliebten Person besonders aktiv sind. Zur gleichen Zeit werden die Hirnregionen, die für Angst, negative Emotionen und die kritische Beurteilung anderer zuständig sind, lahmgelegt. Somit nehmen Verliebte ihre geliebte Person anders wahr und bewerten sie zum Teil irrational. Auch wenn man die Redewendungen nicht wortwörtlich nehmen sollte, sind sie im Kern ihrer Aussage auch aus wissenschaftlicher Sicht nachweisbar - Liebe macht blind für negative Eigenschaften des Geliebten.

Spruch 2: Verliebte haben Schmetterlinge im Bauch

Was ist dran?
Liebe entsteht zwar im Kopf, doch sie macht sich in vielerlei Hinsicht auch in anderen Körperteilen bemerkbar. Redewendungen wie „Liebe geht durch den Magen“ oder „Verliebte haben Schmetterlinge im Bauch“, deuten an, dass auch die Leibesmitte in irgendeiner Form mit Liebe verbunden ist. Die Glücksgefühle, die vom Gehirn ausgeschüttet werden, rühren tatsächlich den Magen-Darm-Trakt auf. Im Bauch des Verliebten kann sich somit ein Kribbeln bemerkbar machen, das sich anfühlt wie Schmetterlinge im Bauch.
Außerdem ist Liebe teilweise vergleichbar mit dem, was jeden Tag beim Essen im menschlichen Körper passiert und „durch den Magen geht“. Das Gehirn schüttet beim Verliebtsein Glücksgefühle aus, die denen mit den positiven Gefühlen ähneln, die beim Essen entstehen. Daher sagt der Volksmund, dass Liebe durch den Magen geht. Der Ursprung der Redensart liegt in der Zeit, in der es noch eine klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau gab. Während der Mann arbeitete, machte die Frau den Haushalt und bereitete ihrem Mann ein Essen zu. Ein gutes Essen galt daher als Liebesbeweis der Frau an ihren Mann.

Spruch 3: Verliebte können sich gut riechen

Was ist dran?
Alleine durch den Anblick der geliebten Person arbeiten die Liebesareale im Gehirn des Verliebten auf Hochtouren. Dies konnte Andreas Bartels in seinem Experiment feststellen, indem er den Probanden Fotos des Geliebten zeigte und dabei die Hirnströmungen der Versuchsteilnehmer maß. Doch nicht nur das Sehen, auch die Wahrnehmung durch andere Sinne löst beim Verliebten eine Ausschüttung von Glücksgefühlen aus. Neben dem Anblick schüttet das Gehirn auch beim Geruch der geliebten Person Hormone und Botenstoffe aus, die ihrerseits Glückgefühle beim Verliebten auslösen. Diesen Vorgang konnten Wissenschaftler in Untersuchungen nachweisen. Wenn man im Alltag also davon spricht, dass Verliebte „sich gut riechen können“, sagt man die Wahrheit – der Spruch kann auch aus neurobiologischer Sicht bestätigt werden.

Spruch 4: Liebe ist Herzenssache

Was ist dran?
Schon beim Gedanken an die geliebte Person klopft das Herz eines frisch Verliebten wie verrückt. Menschen, die gerade von ihrem Partner verlassen wurden, beklagen sich wiederum gerne über „Herzschmerz“. Im Alltag spricht man gerne von Liebe als einer Herzensangelegenheit. Tatsächlich liegt der Sitz der Liebe jedoch nicht im Herzen, sondern im Kopf. 
Wie bei anderen Emotionen werden auch beim Verliebtsein bestimmte Areale im Gehirn aktiviert. Bei Verliebten arbeiten vier benachbarte Gehirngebiete, die eng mit dem Belohnungszentrum des Gehirns verknüpft sind, besonders aktiv. Sie senden Hormone und Botenstoffe in den Körper aus, die Glücksgefühle auslösen. Maßgeblich an diesen Gefühlen beteiligt ist das Glückshormon Dopamin. Neben Dopamin werden beim Verliebtsein auch Vasopressin und Oxytocin freigesetzt, zwei Hormone, die für die emotionale Bindung von Menschen eine Rolle spielen.
Dass der Volksmund die Liebe gerne im Herz verortet, liegt vermutlich daran, dass das Herz in unserer christlich-abendländischen Kultur schon seit Jahrtausenden das Liebessymbol schlechthin ist. Aber auch aus biologischer Sicht ist das Herz ein Nebenschauplatz der Liebe. Im Kopf produziert machen sich die ausgeschütteten Glücksstoffe in verschiedener Hinsicht körperlich bemerkbar. So auch im Herzen, wo das ausgeschüttete Adrenalin das Herz des Verliebten höher schlagen lässt.

Kommentare
Hans Christian Lepthien

Alles nur Sprüche? Ich meine, nein.
Solange die Vorstellung besteht, alles was uns Menschen ausmacht, sei eine Sache des Hirns, bleiben stets Zweifel.
Die Beteiligung des Hirns erfolgt erst nach der Wahrnehmung des übrigen Organismus = (auf Erregung folgt Anspannung und Entspannung) . Das lässt sich durch Beobachtung feststellen. Untersuchungen des Hirns erfassen nicht die Reaktionszeit zwischen Erregung des übrigen Organismus und Reiz im Hirn.

Wenn im Hirn Reize auftreten, sollen das Emotionen des Hirns sein. Dieser Teil des Organismus verfügt über keine Emotionen.
Nur wer gut genug beobachtet, kann feststellen, wie das Hirn ständig Emotionen ausbremst. Wer ihnen Ausdruck geben möchte, muss nur zulassen, was sie mitteilen.
Das ist der ewige Zweikampf zwischen Ratio und Emotion, auch wenn kluge Köpfe etwas anderes nachweisen wollen.

09.07.2015 11:43 Uhr
3D-Gehirn
Infos zum Beitrag
Datum:
06.07.2015
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