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Wie die Schwangere, so die Kinder

Wie der Vater, so der Sohn, heißt es. Besser wäre: Wie die Schwangere, so ihr Kind. Denn was eine werdende Mutter isst, wie gestresst und ängstlich sie sich fühlt, prägt sich in Gene und Gehirn ihres Babys ein – und beeinflusst es zeitlebens. 

Grafik: MW/AL


Es klingt eigentlich zu platt, um wahr zu sein: Glückliche Schwangere gebären glückliche Kinder. Wer in den Umständen cool bleibt, bekommt ein gelassenes Baby und wer überängstlich durch die zehn Monate schlingert, hat auch ein unausgeglichenes Kind. Kann das stimmen?

Fragt man Neonatologen, Geburtsmediziner und Neurowissenschaftler nach den Zusammenhängen zwischen der Zeit im Mutterleib und dem späteren Charakter des Kindes, erstaunt die Antwort: „Vieles ist zwar noch Gegenstand der Grundlagenforschung, aber es ist naheliegend, dass eine glückliche Mutter tendenziell eher ein glückliches Kind bekommt“, sagt Andreas Plagemann, Geburtsmediziner an der Charité. Während der zehn Monate werden zentrale Regelkreise im Gehirn und in den Genen kalibriert. Dieser Vorgang der fetalen Programmierung prägt ein Leben lang das Verhalten. „Das ist wie ein Stempel, den ich in eine Knetmasse drücke“, sagt Plagemann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schon Einflüsse im Mutterleib prägen das ungeborene Kind, zum Teil lebenslang.
  • Stress der Mutter führt dazu, dass ihr Kind schneller und oft gestresst ist, aber unter Stress auch vergleichsweise gute Leistungen erbringt.
  • Pränataler Stress könnte den geistigen Abbau im Alter bedingen, besagt eine der neuesten Hypothesen.
  • Ängstliche Schwangere haben tendenziell eher vorsichtige Babys, die Gefahren blitzschnell erkennen. In einer sicheren Umwelt kann das allerdings ungünstig sein.
  • Die Ernährung während der zehn Monate beeinflusst, wie schnell sich ein Kind später satt isst und mutmaßlich auch, ob es anfälliger für Süchte ist. 

Epigenetik

Kinder tragen je zur Hälfte die Gene von Vater und Mutter in ihren Zellen, somit könnte man davon ausgehen, dass sie von beiden Eltern je den gleichen Anteil unterschiedlicher Eigenschaften erben. Tatsächlich aber redet die Frau weit stärker mit. Im Mutterleib wirken Ernährung und Emotionen, vermittelt durch Botenstoffe, auf das Baby ein und verändern unter anderem die Signatur der Gene, sprich wie der genetische Bauplan in den Zellen in Proteine übersetzt wird. Dies geschieht unter anderem, indem sich Methylgruppen an die Bausteine des genetischen Codes heften. So kommt es, dass eine zuckerkranke Mutter das Stoffwechselleiden viel häufiger als genetisch erwartet an ihr Kind weitergibt. 

Alkohol in der Schwangerschaft

Als „Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen“ werden alle alkoholbedingten Schädigungen auf die Entwicklung des Babys im Mutterleib bezeichnet. Alkohol ist ein giftig wirkender Stoff für das Kind, der die Plazenta ungehindert passiert, weshalb schon kleine Mengen bleibende Schäden verursachen können. Ein gestörtes Wachstum, Schädigungen des Gehörs, des Sehsystems sowie des Herzens können beispielsweise die Folgen sein. Im Januar 2016 listete das kanadische Center for Addiction and Mental Health in Ontario 428 einzelne Entwicklungsdefizite auf, die durch Alkohol verursacht werden. Lana Popova, die Hauptautorin der in Lancet erschienen Übersichtsarbeit betont, dass es keine Menge und keine Phase in der Schwangerschaft gäbe, in der Alkohol nicht schade. Auch könnten Schädigungen in jedem Organ des Körpers auftreten. In erster Linie sind es nur die Gene und der individuelle Stoffwechsel, sprich: wie schnell der Stoff im Körper abgebaut wird, die das Ausmaß der Effekte beeinflussen. 

Der Stempel „Stress“

Ein solcher Stempel zum Beispiel ist der Stress, den eine werdende Mutter während der Schwangerschaft empfindet. Unter Stress wird im Körper Cortisol ausgeschüttet. Etwa zehn Prozent des Hormons passieren die Plazentaschranke und erreichen das kindliche Gehirn. Die Auswirkungen von Cortisol auf Kinder sind sehr gut erforscht – auch deshalb, weil etwa jede zehnte Schwangere vorzeitig Wehen bekommt und die Ärzte dann Stresshormone spritzen, um die Lunge des Babys schneller heranreifen zu lassen. Der pharmakologische Stresslevel lässt sich messen und mit dem Verhalten des Kindes in Beziehung setzen.

Ein bisschen scheint zu genügen, um das Verhalten dauerhaft zu verändern: Wenn Schwangere nur an zwei Tagen Stresshormone bekamen, waren ihre Kinder noch mit acht Jahren wesentlich stressempfindlicher, zeigte Matthias Schwab, Neurologe vom Universitätsklinikum Jena, in einer noch unveröffentlichten Untersuchung. Er machte bei den entsprechenden Kindern auch häufiger ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom aus: Die Betroffenen können sich dabei schlechter konzentrieren und seltener ruhig verhalten als andere Altersgenossen. Selbst der Intelligenzquotient lag niedriger. Auch eine Frühgeburt könnte solche Auffälligkeiten erklären. Schwab macht die Stresshormone verantwortlich.

Gene und Gehirn reagieren        

Stress wird im Gehirn vornehmlich von Hippocampus und Hypothalamus reguliert. Ist beim Baby während der Schwangerschaft der Cortisolspiegel dauerhaft erhöht, wird dies als Normalzustand festgelegt. Die körpereigenen Stresssysteme werden so justiert, dass das Kind schneller und auch häufiger gestresst ist – was es aber auch braucht, um zur Höchstform aufzulaufen. Die Stressachse, also die Aktivierungskette innerhalb der Stresssysteme, wird hyperaktiv, erläutert Schwab. Für einen einmaligen Beziehungsstreit oder eine Auseinandersetzung auf der Arbeit hat aber bisher niemand eine solche Veränderung des Verhaltens beim Nachwuchs beobachtet. Die Wirkungen werden vielmehr bei jenen Personen festgestellt, die sich fast immer sehr gestresst und nervös fühlten.

Einen detaillierten Einblick in die Mechanismen dieser frühen Justierung der Stressempfindsamkeit geben Tierversuche von Forschern um Tracy Bale von der University of Pennsylvania School of Veterinary Medicine. Sie konnten in einer Studie zeigen, dass mütterlicher Stress die Synthese eines Enzyms namens OGT – ortho-N-Acetylglucosamintransferase - vermindert, wodurch das Gehirn ihrer Feten vor der Geburt reprogrammiert wird. OGT verändert die Übersetzung vieler Gene in Proteine und bedingt eine energetische Unterversorgung der Zellen im Hypothalamus, wie man sie auch bei Autismus und Schizophrenie beobachtet hat.

Dement durch pränatalen Stress?

Schon bei Geburt auf Stress geeicht zu sein, ist dennoch nicht per se schlecht. „Evolutiv ist das von Vorteil“, betont Schwab, „weil diese Menschen schneller auf der Hut sind und sich kaum leichtfertig in Gefahr begeben.“ Doch für die Nervenzellen ist die ständige Alarmbereitschaft auf lange Sicht ungünstig. Cortisol fördert den Zelltod, hemmt das Zufriedenheitshormon Serotonin und bedingt einen erhöhten Blutdruck. Deshalb bekommen Dauergestresste auch häufiger Schlaganfälle und haben eine kürzere Lebenserwartung.

Und damit der Nachteile nicht genug, vermutet Schwab: Weil das Stresshormon den Zelluntergang antreibt, erwartet er, dass Stress im Mutterleib den geistigen Abbau im Alter vorzeichnet. Rührt die Epidemie der Demenzen in den Industrienationen also vom Dauerstress der Schwangeren? Diesem Verdacht geht Schwab zurzeit im EU-Projekt BrainAging auf den Grund. Entsprechende Langzeituntersuchungen am Menschen fehlen noch. Doch Tierversuche deuten in diese Richtung, findet Schwab: Pränataler Stress führe zu einer vorzeitigen Alterung des Gehirns bei Mäusen und auch bei Primaten. „Wir sehen eine frühere Atrophie. Das Gehirn wird vereinfacht gesprochen runzliger.“

Nicht nur Stress, sondern sogar spezifische Emotionen wie die Angst der Mutter in der Schwangerschaft hinterlassen Spuren im Kind. Das legen nicht nur, aber vor allem die Untersuchungen der Psychologin Bea van den Bergh von der Tilburg University in Belgien nahe. Sie erhob schon 1989 anhand eines standardisierten psychologischen Tests die Angst von 86 Schwangeren zu verschiedenen Zeitpunkten. Ihr fiel auf, dass Kinder von Müttern, die zwischen der 12. und 22. Schwangerschaftswoche sehr furchtsam waren, in den ersten sieben Lebensmonaten viel schrien und besonders unregelmäßig schliefen und aßen.

In der ersten Schwangerschaftshälfte werden nahezu alle Nervenzellen im Gehirn angelegt und, so vermutet van den Bergh, das limbische System, die Stressachse und verschiedene Neurotransmittersysteme im Gehirn der Babys auf den erlebten Angstlevel hin geeicht. Zumal Angst in den grauen Zellen ähnlich verarbeitet wird wie Stress. War die Mutter sehr besorgt, produzieren die Kleinen später beim kleinsten Anlass schnell und viele Stresshormone, um auf ihren Normwert zu kommen.

Immer alarmiert

Solche Erfahrungen im Mutterleib würden sich bestimmt herauswachsen, könnte man meinen. Doch dem widersprechen van den Berghs Arbeiten. Mit acht bis neun Jahren beurteilten Lehrer und Mütter jene Kinder häufiger als besonders schwierig, unkonzentriert und rastlos, die von einer überängstlichen Frau ausgetragen wurden. Diese Mütter hatten in einem standardisierten Test zur Ermittlung der Ängstlichkeit besonders hohe Werte erzielt, weil sie beispielsweise angaben, sehr oft nervös, rastlos, besorgt, unruhig zu sein und sich vor einem Unglück fürchten würden. Dieser seelische Dauerzustand wirkte sich auf ihre Kinder nachhaltig aus. Auch als Jugendliche im Alter von vierzehn bis fünfzehn sind sie in Tests noch immer impulsiver. Etwa antworten sie schneller, aber machen mehr Fehler als andere Kinder. Auch mit knapp zwanzig Jahren blieben die Unterschiede zu van den Berghs Überraschung bestehen: „Sie sind in den kognitiven Tests nicht unbedingt schlechter. Sie sind beispielsweise kreativer und reagieren viel stärker auf Lob“, betont sie. „Aber in Settings mit wenig Reizen, etwa einer langweiligen Schulstunde, fallen sie häufig in ihrem Verhalten aus dem Rahmen. Sie können sich nicht konzentrieren. Nur unter Stress – ihrem Normalzustand - kommen sie gut klar.“

In den vergangenen Jahren konnte van den Bergh ergründen, wie die Angst der Mutter sich auf das Baby niederschlägt. Über die Maßen besorgte Frauen haben besonders wenig von einem spezifischen Enzym, dass dafür sorgt, dass das Stresshormon Cortisol abgebaut wird, ehe es die Plazenta passiert. Das Gehirn und die Gene des Ungeborenen werden deshalb besonders hohen Werten von Cortisol ausgesetzt.

Das wirkt sich auf ganz spezifische Verhaltensweisen aus. Babys ängstlicher Schwangerer reagierten etwa einer Studie zufolge auf einen harmlosen da-da-dada-Ton im Alter von neun Monaten fortwährend mit innerer Alarmbereitschaft. Gewöhnlich lernen die Säuglinge, wenn sie das Geräusch einige Male gehört haben, dass es nichts bedeutet und beachten es nicht weiter. „In einer sicheren Umwelt ist diese sensible Reaktion von Nachteil und begünstigt Angsterkrankungen und andere psychische Auffälligkeiten“, glaubt van den Bergh.

Die Kleinen reagierten in einem standardisierten Test aber auch stärker auf panische Frauenstimmen und schenkten ihnen verglichen mit heiterem Geplauder mehr Aufmerksamkeit. Sie sind also nicht nur ängstlicher, sondern filtern auch angsterzeugende Informationen viel stärker aus ihrer Umwelt. Für Kinder, die in einem Krisengebiet geboren werden, ist das von Vorteil. Sie spüren sofort, wenn Gefahr droht.

Krank gegessen

Nicht nur die emotionale Lage, auch das Essverhalten der Mutter beeinflusst das Kind, das sie austrägt. Wie stark dieser Einfluss sein kann, fiel Forschern schon vor Jahren bei der Krankheit Diabetes mellitus auf. Sie wird zwei bis drei Mal häufiger über die mütterliche Linie weitergegeben. Warum, war lange nicht klar. Heute ist die Antwort bekannt: Das Überangebot an Nahrung und Blutzucker während der Schwangerschaft macht die Stoffwechselschieflage auch beim Baby zur Norm. Gewöhnlich helfen die Hormone Leptin und Insulin die Zuckerflut zu bewältigen und vermitteln auch das Signal fürs Sattsein. Doch das Gehirn der Babys von Diabetikerinnen spricht auf diese Stoffe kaum an. Das wirkt sich zeitlebens auf ihr Essverhalten aus. Sie brauchen viele Kalorien, um ihren Hunger zu stillen.

Sogar Hinweise auf eine mögliche Suchtgefährdung durch die Ernährung der Mutter fanden Forscher – zumindest bei Tierversuchen. So berichtet die Psychiaterin Nicole Avena von der University of Florida 2013, dass Rattenweibchen, die während der Schwangerschafts- und Säugezeit viel Zucker und Fett fraßen, eher einen Wurf zur Welt brachten, der später mehr von einer Alkohollösung trank und auch schlechter von Amphetaminen lassen konnte.

Abhängig geboren?

Zucker und Alkohol sprechen im Gehirn die gleichen Belohnungssysteme an. Kinder, in deren Familien Alkoholmissbrauch vorkommt, verzehren oft auch besonders viele Süßwaren. Vierzehn Teelöffel in einem Glas Wasser sind ihnen gerade Recht – doppelt so süß wie handelsübliche Cola. Andere Kinder sind dagegen schon mit zehneinhalb Löffeln zufrieden, belegt eine Studie der amerikanischen Entwicklungsbiologin Julie Mennella aus dem Jahr 2010.

Werden im Mutterleib also schon die Weichen für eine spätere Sucht gestellt, wenn die Schwangere viel Süßes isst? Die Meinungen der Forscher darüber gehen auseinander. „Die weißen Kristalle machen süchtig“, sagt der Epidemiologe Simon Thornley vom Auckland Regional Public Health Service. Doch Avena, die die bedenklichen Befunde erhob, schreckt davor zurück, Zucker als pränatale Einstiegsdroge einzuordnen. Sie will weitere Studien abwarten.

Schwanger und nicht krank

Die Forschung zur fetalen Programmierung kann, so erhellend sie ist, leider auch einen bestehenden, unguten Trend verschärfen: die Pathologisierung der Schwangerschaft. Werdende Mütter sehen sich mit einer Fülle von Vorsorgeuntersuchungen konfrontiert und müssen so oft wie sonst nie zum Arzt. „Das trägt wenig zur Entspannung und zur Ermutigung der Frauen bei, die doch an sich am besten wissen, was ihnen guttut“, kritisiert van den Bergh. Sie hofft, dass sich Schwangere aller Entdeckungen zum Trotz weder von Spezialisten noch von populärer Ratgeberliteratur beirren lassen und auf ihr Gespür vertrauen.

Mozart etwa hört das Kleine im Bauch sowieso nicht, weil die Musik nicht bis zu ihm durchdringt, dafür den Verkehrslärm von der Hauptstraße. Aber jedes Lied, das die werdende Mutter mag und sie entspannt, tut schon deshalb gewiss auch dem Baby gut. Also Led Zeppelin, Buena Vista Social Club oder Bach – wie es ihr gefällt.

Kommentare
Richard Kinseher

Wir können uns lebenslang an Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat erinnern. Was/Wie wir erinnern hängt von unseren Fähigkeiten (körperlich, emotional, intellektuell) zu dem Zeitpunkt ab, 1) wenn wir eine Erfahrung im Gedächtnis abspeichern - UND 2) wenn wir diese Erfahrung RE-AKTIVIEREN(erinnern). Diese Umänderung von gespeichertem Wissen beim Erinnern nennt man ´zustandsabhängiges Erinnern´.
A) im 5. Schwangerschaftsmonat kann ein Fetus Hautkontakte wahrnehmen aber weder Hören, noch Sehen >> beim Erinnern wird diese Erfahrung als Wohlbefinden, bei völlger Stille erinnert

B) ca. ab der 20. Schwangerschaftswoche arbeitet der Hörsinn. Atmungs-, Verdauungs-, Sprech-, Herzgeräusche können vom Fetus wahr genommen werden >> Weil wir ab der Kindheit Sprache und Musikempfinden gelernt haben, werden die ersten Hörerfahrungen überwiegend als teilweise unangenehme Zisch-/Klopfgeräusche von Erwachsenen erinnert.

C) Die stufenweise Entwicklung des Sehsinnes wird in vielen Einzelerfahrungen im Gedächtnis abgespeichert >> Werden diese Erlebnisse rasch nacheinander erinnert, hat man den Eindruck, sich in einem dunklen Tunnel zu befinden, dann nimmt man ein kleines Licht wahr, die Größe dieses Lichtflecks vergrößert sich rasch - und wandelt sich zum Schluss von matt zu leuchtend hell. >> Weil die einzelnen Erinnerungen rasch hintereinander erinnert werden, entsteht die optische Täuschung, sich zu bewegen (Wie bei den einzelnen Bildern eines Kinofilms) (Geräusche werden kaum berichtet. Dies dürfte ein Habituationseffekt sein (bekannte Geräusche werden ignoriert), Prof. Dr. Charlene Krueger, Pof.Dr. Jan Nijhuis haben zur Habituation gegen Ende der Schwangerschaft geforscht und diesen Effekt nachgewiesen).

Der Wechsel von matter zu leuchtend heller Lichtwahrnehmung entspricht Erfahrungen vor bzw. nach der Geburt: d.h. die Geburt wird nur indirekt erinnert.

D) Nach der Geburt ist das Baby fast blind, nur starke Hell-Dunkelkontraste bis ca. 25 cm Entfernung können wahr genommen werde;, das Baby kann hören, wenn die Eltern mit ihm sprechen (ohne den Sinn zu verstehen), es fühlt die liebevollen Berührungen. Aber das Baby weiß weder, dass es geboren wurde - noch dass es unterschiedliche Sinnesorgane hat - darum werden alle diese Sinneserfahrungen als zusammengehöriges Erlebnis abgespeichert. >> Beim Erinnern werden diese Erfahrungen z.B. mit dem Verstand eines Erwachsenen neu interpretiert/bewertet - dadurch meint man, mit einem sprechenden, liebevollem Licht/Lichtwesen zusammen zu treffen. Eine äußerst beeindruckende Erfahrung. (Alle Erfahrungen werden in der zeitlichen Gegenwartsform gemacht, abgespeichert und genau so wieder erinnert > dadurch wirken sie lebensecht)

Genau solche Erinnerungen wie oben beschrieben, werden - in der gleichen Reihenfolge, wie sich die Sinne entwickeln - lebenslang erinnert; und zwar im Rahmen der sogenannten ´Nahtod-Erfahrung´. Dies bedeutet, dass unsere Erfahrungen in hierarchischer Reihenfolge - so wie sie erlebt werden - lebenslang im Gedächtnis abgespeichert und dem bewussten Erinnern zugänglich sind. Leider wird dieser Zugang zum Verständnis unseres Gehirns von der Gedächtnisforschung ignoriert, weil man das Thema ´Nahtod-Erfahrung´ der Esoterik überlassen hat.

03.04.2016 14:02 Uhr
Re: Antwort auf Kommentar von   Richard Kinseher
Arvid Leyh

Lieber Herr Kinseher!

All Ihre Kommentare jenseits des Nahtodes sind eine Bereicherung, hier und auf Facebook. Aber hier in diesen Kommentaren stellen Sie Spekulationen als Tatsachen hin. Und verrühren unterschiedliche Gedächtnisarten. Dass intrauterin sich sensorische und motorische Zellen und ganze Netzwerke entlang eines Trainings und damit eines Lernprozesses entwickeln, ist keine Frage. Doch so gesehen ist das gesamte Gehirn ein Gedächtnis (was absolut nicht falsch ist). Mit einer Erinnerung im biographischen Sinn hat das so viel zu tun wie der Kniesehnenreflex.

03.04.2016 22:04 Uhr
Richard Kinseher

Negativer Stress kann zu Veränderungen im Gehirn durch Cortisol führen. Diese wäre eine Veränderung der Gehirnstruktur.

Mein vorstehender Text zeigt, dass wir Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat lebenslang erinnern. Dies dürfte ein Grund sein, wieso emotionale Erlebnisse aus der Schwangerschaftszeit ebenfalls eine Wirkung zeigen können. Sie werden als Erfahrung abgespeichert.

03.04.2016 14:10 Uhr
Richard Kinseher

@Leyh
Es gibt zwei Arten sich zu erinnern
A) Wenn man versucht, sich (z.B. als Erwachsener) absichtlich selbst an frühere Ereignisse zu erinnern. Hier ist die Grenze nach unten bei einem Alter bis zum 4.-2. Lebensjahr. Wir können nur solche Ereignisse erinnern, die durch das interaktive Gespräch mit anderen Personen (öfter wiederholen) so stark gefestigt wurden, dass sie langfristig im Gedächntis bleiben. UND wichtig ist in diesem Zusammenhang auch das Sprachvermögen: wir können langfristig absichtlich nur erinnern, was wir mit Worten beschreiben können.

B) Im Rahmen von Nahtod-Erfahrungen laufen aber automatische Erinnerungsvorgänge ab, wenn das Gehirn Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat RE-AKTIVIERT und dabei zustandsabhängig verändert. Hier ist im bewussten Erleben eindeutig auch eine biographische Struktur erkennbar.
Denn es ist bekannt, in welcher Reihenfolge sich die Sinne beim Fetus entwickeln. D.h. Erinnerungen und Entwicklung stimmt gut überein.

Ein Problem hierbei ist: Weil wir nachweisbar bewusste Erinnerungen ab dem 5. Schwangerschaftsmonat haben, muss der Fachbegriff ´infantile Amnesie´ überdacht werden. Dieser besagt, dass wir keine bewussten Erinnerungen vor dem 4.-2. Lebensjahr haben.

04.04.2016 14:02 Uhr
Re: Antwort auf Kommentar von   Richard Kinseher
Arvid Leyh

Hallo Herr Kinseher!

Sie gehen also vom biographischen Gedächtnis aus. Und verbinden eine sehr seltenes Erlebnis – das auch nicht immer gleich abläuft – mit einer Lücke in der infantilen Amnesie. Dazu kommt, dass das Gedächtnis (das biographische) mit seinem Hang zur Konstruktion mit Vorsicht zu behandeln ist. So scheint mir Ihre als wissenschaftliche Theorie eher wackelig – während Sie hier wieder den Eindruck vermitteln, als sei das alles gut durchforscht.

04.04.2016 15:23 Uhr
3D-Gehirn
Infos zum Beitrag
Datum:
01.04.2016
Wissenschaftliche Betreuung:
Prof. Dr. Mark Hübener
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