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Die Hypophyse

Die Hirnanhangdrüse hängt tatsächlich am Hirn. Einst wurde sie verdächtigt, den Nasenschleim zu produzieren, doch heute weiß man um ihre wahren Aufgaben: Sie regelt überlebenswichtige homöostatische Prozesse. Das macht sie zur „Königin der Drüsen”.


Hypophyse - das ist griechisch und heißt wörtlich: der „Unterkörper”. Auf Deutsch nennt man sie Hirnanhangdrüse, auf Latein heißt sie „Glandula pituitaria”. Das ist lustig. Wirklich. Denn „pituita” heißt „Schnupfen” und die Hypophyse ist damit die Schnupfendrüse. Denn noch bis ins 18. Jahrhundert glaubte man, sie sei für die Produktion des Nasenschleims verantwortlich. Ist sie aber nicht. Stattdessen ist sie eine endokrine Drüse, ein Organ, das Hormone ins Blut entlässt. Auf diese Weise reguliert sie mannigfaltige Körperfunktionen und tatsächlich könnte man die Hypophyse sogar als Königin der Drüsen bezeichnen. Sie ist unersetzlich: Ihr Verlust bedeutet den Tod, denn ohne sie bricht unsere „Homöostase”, das fein balancierte Gleichgewicht unseres Stoffwechsels, zusammen.

Zweigeteilt in Gestalt und Funktion

Die Hypophyse hängt an einem hauchzarten, kaum millimeterdicken und dazu noch hohlen Stiel – dem Hypophysenstiel oder Infundibulum – unten an der Basis des Zwischenhirns. Der Drüsenkörper selbst ist knapp bohnengroß. Er liegt in einer knöchernen Wanne im Zentrum des Schädels, die man wegen ihrer Ähnlichkeit mit altmodischen, hölzernen Pferdesätteln den „Türkensattel” nennt.

Der Drüsenkörper der Hypophyse besteht aus vier Teilen: einem großen Vorderlappen, einem Hinterlappen, einem dünnen, blattartigen Mittellappen, der die beiden voneinander trennt, und einem schmalen Fortsatz, der sich an das Infundibulum anschmiegt und Pars tuberalis genannt wird. Was der Mittellappen tut, weiß man nicht so genau.

Das Wichtigste in Kürze

Die nur bohnengroße Hirnanhangsdrüse hängt unten am Gehirn. Die Hormone, die in ihr teils produziert, teils nur freigesetzt werden, besorgen die Balance, die Homöostase der Stoffwechselvorgänge.

Ein Teil Gehirn

Der Hinterlappen - auch „Neurohypophyse” geheißen - ist ein Hirnteil. Er ist es, in den sich der dünne Hypophysenstiel, der aus dem Zwischenhirn kommt, fortsetzt. In diesem Hypophysenstiel verlaufen Nervenfasern von Drüsennervenzellen, deren große Zellkörper im Hypothalamus, in den Nuclei paraventiculares und supraoptici liegen. Entlang dieser Nervenfasern werden die von den Drüsennervenzellen produzierten Hormone in die Neurohypophyse transportiert, wo sie in die Blutbahn entlassen werden. Die Drüsennervenzellen produzieren zwei Hormone: das antidiuretische Hormon (ADH) und Oxytocin. ADH reguliert die Nierenfunktion, und damit den Wasserhaushalt. Oxytocin hat eine Vielzahl von Funktionen, die zumeist mit der Vermehrung zu tun haben: Es bewirkt die Kontraktion der Gebärmutter bei der Geburt, das Einschießen der Milch in die weibliche Brust, wird aber auch beim Orgasmus beider Geschlechter freigesetzt. Es soll auch erhebliche psychogene Wirkungen haben - es macht uns zu Zärtlichkeiten geneigt.

Ein Teil Mund

Der Hypophysenvorderlappen - auch „Adenohypophyse” geheißen - ist kein Hirnteil, sondern hat im Gegenteil eine ganz eigenartige Entwicklungsgeschichte: Er wächst der Neurohypophyse aus dem Dach des Mundes von unten her entgegen, war also wohl ursprünglich - in der Stammesgeschichte - eine exokrine, mit dem Verdauungsapparat assoziierte Drüse, die zur Hormondrüse „umgebaut” wurde.

Dieser Vorderlappen besteht aus lauter kleinen Nestern von Drüsenzellen, die eine Vielzahl von Hormonen produzieren. Darunter sind auch solche, die wiederum die Funktion anderer endokriner Drüsen kontrollieren: das Thyroideastimulierende Hormon (TSH) die Schilddrüse, das Follikelstimulierende (FSH) und das Luteinisierende Hormon (LH) den Hoden und das Ovar, das Adrenocorticotrope Hormon (ACTH) die Nebennieren.

Und wer kontrolliert die Kontrolleure? Das ist wieder das Gehirn. Im Hypothalamus sitzen weitere Drüsennervenzellen, die über „releasing” und „inhibiting hormones” die Aktivität der Vorderlappenzellen steuern, sie also fördern oder hemmen. Um diese Hormone aus dem Hypothalamus gezielt in die Adenohypophyse zu transportieren, gibt es an der Basis des Gehirns ein spezialisiertes Gefäßsystem, den portalen Kreislauf der Hypophyse. Über diesen werden die „releasing“ und „inhibiting hormones“ dem Hypophysenvorderlappen zugeführt.

Auch die Pars tuberalis ist ein wichtiger Schalter zwischen Hypothalamus und hormonbildenden Drüsen: Sie steuert das saisonale Fortpflanzungsverhalten bei Tieren. Ihre Funktion beim Menschen ist noch nicht erforscht.

3D-Gehirn
Infos zum Beitrag
Datum:
23.08.2011
Wissenschaftliche Betreuung:
Prof. Dr. Horst-Werner Korf
Dieser Inhalt ist unter folgenden Nutzungsbedingungen verfügbar.
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