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Der Gyrus parahippocampalis

Der Gyrus parahippocampalis ist mit zahlreichen Arealen des Cortex verschaltet. Er bildet das Tor für alle Signale, die zum Hippocampus gelangen sollen. Umso schlimmer, wenn dieser Bereich geschädigt wird. Wie zum Beispiel durch Morbus Alzheimer.


An seiner inneren Unterfläche trägt der Temporallappen eine Windung, die nach ihrer unmittelbaren Nachbarschaft benannt ist: Sie liegt gleich neben („para-“) dem Hippocampus und wird deshalb als Gyrus parahippocampalis bezeichnet. Doch dieser Gyrus liegt nicht nur daneben, er geht nahtlos in den Hippocampus, genauer: in dessen Subiculum über. Die Rindenschicht, die den Gyrus parahippocampalis überzieht, nennt man den „entorhinalen Cortex“, und beide Begriffe werden oft auch synonym verwendet. Entorhinaler Cortex - das heißt so viel wie der „Mittendrin-im-Riechen-Cortex“. Tatsächlich wird dieses Areal bei vielen Tieren von Fasern aus den Bulbi olfactorii beherrscht, den Riechkolben also. Daher der Name. Beim Menschen ist das aber nicht der Fall.

Das Wichtigste in Kürze

Der Gyrus parahippocampalis ist die „Schnittstelle“, über die hinweg der Hippocampus mit dem Isocortex in Verbindung steht. Schäden an dieser Stelle führen zu gravierenden Gedächtnisstörungen.

Weiße und graue Substanz

Im Gyrus parahippocampalis gibt es aber auch ganz spezifische Funktionen, wie sich bei Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren zeigt. So herrscht in seinem vorderen Bereich Aktivität, wenn es um Orte und Häuser, um räumliche Anordnung und Hintergrund geht. Dieses Gebiet wird daher als Parahippocampal Place Area (PPA) bezeichnet.

Areal mit Tunnelblick

In einer Studie aus dem Jahr 2009, veröffentlicht im Journal of Neuroscience, untersuchte Taylor Schmitz von der Universität von Toronto den Zusammenhang zwischen Stimmung und Wahrnehmung. Dazu zeigte er seinen Probanden erst emotionale Bilder – entweder angenehme oder unangenehme. Dann zeigten die Forscher Bilder mit Gesichtern im Zentrum und Häusern im Hintergrund. Hier sollten die Probanden angeben, welches Geschlecht das Gesicht hat. Währenddessen wurde mittels bildgebender Verfahren die Gehirnaktivität in einem Bereich des Gyrus parahippocampalis aufgezeichnet, die als Parahippocampal Place Area, kurz PPA bekannt ist.

Wer unangenehme Bilder gesehen hatte und daher getrübter Stimmung war, bei dem blieb die PPA vergleichsweise stumm. Wer jedoch Bilder von Kleinkindern und Hundewelpen gesehen hatte, also positiver Gemütsverfassung war, dessen PPA war sehr aktiv. Schmitz und Kollegen sehen darin die Bestätigung einer Alltagserfahrung: wer guter Stimmung ist, dessen Gesichtsfeld erweitert sich – er nimmt mehr Details wahr. Schlechte Stimmung dagegen sorgt für einen Tunnelblick.

Aufbau und Erscheinung

Der entorhinale Cortex gehört zu den so genannten Allocortices, zeigt also nicht den typischen sechsschichtigen Aufbau des Isocortex, der den größten Teil der Hemisphären bedeckt. Er ist allerdings keineswegs einfacher, sondern eher komplizierter geschichtet als der Isocortex: Manche Autoren beschreiben mehr als 10 Schichten. Charakteristisch für ihn sind Zellwolken – oder auch Zellinseln –, die sich gleich unter der Oberfläche finden.

Verbindungen und Funktionen

Der entorhinale Cortex ist mit sämtlichen Assoziationszentren des Isocortex und dazu mit den olfaktorischen Gebieten des Temporallappens und der Amygdala reziprok verbunden. Er schickt seinerseits ein massives Faserbündel – den durchbohrenden Trakt, den Tractus perforans - in die benachbarte Hippocampusformation. Man könnte also sagen, dass der entorhinale Cortex für den Hippocampus das ist, was der Thalamus für den Isocortex ist: das „Tor“, das „Nadelöhr“, durch das alles hindurchmuss, was zum Hippocampus gelangen soll. Wird dieses Nadelöhr zu eng, das Tor verschlossen, dann wird der Hippocampus sozusagen vom Neocortex abgeklemmt – mit gravierenden Folgen.

Beim allbekannten Morbus Alzheimer – der im entorhinalen Cortex beginnt, sich dann aber über fast das gesamte Gehirn ausbreitet – passiert anfänglich nämlich genau das: Die Neurone des entorhinalen Cortex, die den Tractus perforans bilden, gehen als erste unter. Daraus resultieren amnestische Syndrome: Neue Gedächtnisinhalte können nicht mehr gebildet, bereits vorhandene nicht mehr abgerufen werden.

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3D-Gehirn
Infos zum Beitrag
Datum:
23.08.2011
Wissenschaftliche Betreuung:
Prof. Dr. Horst-Werner Korf
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